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Nostalgische Grüße zum Fest

Postkarten zu Weihnachten zu verschicken war lange ein beliebter Brauch - heute sind sie begehrte Sammelobjekte

Nostalgische Grüße zum Fest

Der britische Beamte HenryColemuss ein Typ von Staatsdiener gewesen sein, der auf Verwaltungsvereinfachungsann, um sein Arbeitspensum so gering wie möglich zu halten.Am liebsten war es ihm, wenn er bei einem Verwaltungsvorgang lediglich zu unterschreiben hatte. Sein Motto lautetedaher: DerVordrucklebehoch!Kontaktfreudig war er auch. Aber der Aufwand seinerseits sollte sich in Grenzen halten. Vielleicht war es deshalb naheliegend, dass er im Dezember 1848 die Weihnachtskarte erfand. 

Er ließ sich von dem Maler und Graphiker John Callcott Horsley eine mit Tannengrün umrandete Weihnachtsglückwunschkarte gestalten, die er mit Texteindruck versehen ließ, den er vor dem Versand nur zu unterzeichnen brauchte. Geschäftstüchtig wie er war, ließ er gleich eine größere Auflage von mehreren hundert Exemplaren drucken, die er zum Stückpreis von einem Schilling an Bekannte und Kollegen verkaufte. Die Einführung der Pennypost in Großbritannien 1840 förderte enorm die Verbreitung des Brauchs, an Weihnachten Glückwunsch- und Grußkarten zu verschicken.

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"Henry" und "Louis" für die schönsten Karten

Nahe zu 30 Jahre später gab die Österreichische Generaldirektion für Post- und Telegraphenangelegenheiten eine sogenannte "Correspondenz-Karte" heraus. Die Deutschen Postanstalten nannten sie nach Gründung der Deutschen Reichspost 1872 "Postkarte“. Dieser dadurch neugeschaffenen Art der Kurzform einer brieflichen Mitteilung, insbesondere der Übermittlung von Glückwünschen zu allen möglichen Anlässen,war von Anfangan, nicht zuletzt auch wegen deshalben Portosatzes, ein ungeahnter Erfolg beschieden. 

Nicht weniger findig als der Brite Cole war der nach Amerika ausgewanderte Deutsche Louis Prang, der 1874 das Potenzial der sich anbahnenden Kartenschreib-Modeerkannte. Erstieg in großem Stil in eine variantenreiche Weihnachtskarten-Produktion ein. Die Amerikaner waren von seinen romantischen Motiven zu "Merry Christmas“ und seinen auf Weihnachtsstimmung getrimmten Texten begeistert und ließen sich davon in einen regelrechten Kaufrausch versetzen. Das Schreiben und Versenden von Weihnachtsglückwunsch- und -grußkarten wurde immer beliebter, sodass Mister Prangim Jahre 1880 bereits mehr als fünf Millionen solcher Karten drucken ließ.

Das Merry-Christmas-Glückwunschkarten-Fieber erfasste schließlich die halbe Welt. Und das Geschäft, an dem Papierfabriken, Künstler und Designer, Verleger, Drucker, Papierhandlungen und Briefträger maßgeblichen Anteil hatten, blühte. Die schönsten Karten wurden seinerzeit und auch noch heute - in England mit einem Pokal namens "Henry“ und in Amerika mit dem "Louis Award“ - prämiert. 

Als erstes Staatsoberhaupt ließ im Übrigen Präsident Dwight D. Eisenhower zum Weihnachtsfest 1953 eine spezielle Karte fürs Weiße Haus drucken, die er dann - mit eigenhändiger Unterschrift oder mit handschriftlichem Zusatz versehen - an Persönlichkeiten in den Vereinigten Staaten, aber auch in befreundeten Ländern verschicken ließ. Um 1900 spezialisierten sich Druckereien und Verlage auf Bildpostkarten, deren Vorderseite variantenreich im Stil der Zeit illustriert waren.

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Karten mit Weihnachtswünschen und -grüßen erfreuten sich außerordentlicher Beliebtheit. Bevorzugte Motive dieser Botschaften waren geschmückte Christbäume oder stilvoll mit Glasschmuck und Kerzen dekorierte Zweige, Motive mit Darstellungen des Weihnachtsgeschehens in Bethlehem, mit Weihnachtsengeln, Weihnachtsgaben, Bescherungsszenen, verschneiten Landschaften, Stadtansichten mit Altstadtidylle oder einsam gelegenen, romantischen Dörfern. 

Im Laufe der Zeit wurde die mehr oder weniger künstlerisch (häufig gefielden Verschicken den Glitzer- und Glimmerdekor) gestaltete weihnachtliche Postkarte zu einem Statussymbolder gut bürgerlichen Gesellschaft. Schon bald erweiterte die - anfangs noch handcolorierte - Fotografie die Welt der Glückwunschkarten. Alsneue beliebte Motive kamenglücklichePaareoder Familien mit Kindern vorm Weihnachtsbaum dazu, in Kriegszeiten waren Soldaten abgebildet, die sich um einen kleinen Christbaum versammelten. Millionen von Feld postkarten sandten während der beiden Weltkriege deutsche Soldaten in ihre Heimat.

Die gängigsten Bildpostkarten zeigten die kämpfende Truppe an einem spärlich und provisorisch geschmückten Tännlein im Unterstand oder gar im Schützengraben. Sogar eine Postkarte mit dem Konterfei Adolf Hitlers vor dem mit Lametta und Wachskerzen geschmückten Christbaum war im Umlauf. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg hat es sich eingebürgert, zunehmend Weihnachtswünsche und Neujahrsgrüße auf einer Karte zusammenzufassen.

Sehr begehrt: von Künstlern gestaltete Motive

Drucktechnisch war die Herstellung dieser Glückwunsch- und Grußkarten verhältnismäßig aufwendig. Als Druckverfahren wandte man sowohl den Hochdruckals auch den Tiefdruck, aber auch den Flachdruck an. Die frühesten Bildpostkarten waren teilweise noch mit Holzschnitten beziehungsweise Holzstichen illustriert. Später bediente man sich des Flachdruckverfahrens der Farb- oder Chromolithographie. Wobei Letztere zu den aufwendigsten Druckverfahren in der Zeit um die Jahrhundertwende zählt, da in der Regel sieben bis zehn Platten verwendet wurden, mit denen zehn bis 20- und nicht selten auch mehr Farben übereinandergedruckt wurden. 

Die Chromolithographien zählen - neben den Lichtdrucken, den Autotypien sowie den Autochromdrucken - mit zu den eindrucksvollsten Druckerzeugnissen in der Ansichtskartengeschichte und sind daher bei Sammlern dieser Spezies sehr begehrt. Besonders geschätztsindauch Künstler-Glückwunschkarten. Dazu gehört - um nur zwei Beispiele zu nennen - der stilisierte Weihnachtsbaum ,den Hermann Hesse 1913 in einem Aquarell festgehalten hat, ebensowie etwa der "Christbaum im Atelier", den der Regensburger Künstler Otto Baumann - ebenfalls in Aquarelltechnik - im Jahre 1960, verewigt" hat. 

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Der Brauch, solche papierenen Raritäten mit handgeschriebenen Zeilen jenen Menschen zu widmen, die man wertschätzt, wird heutzutage noch vergleichsweise selten ausgeübt. Jedem Adressaten individuell ein paar persönliche Zeilen zukommen zu lassen, das finden wohl die meisten zu anstrengend und man behilft sich - wie im Geschäftsverkehr - zunehmend mit vorgedruckten Texten. Manche verschicken zu Weihnachten Karten mit Fotos ihrer Kinder oder Enkelkinder, von ihrem ein geschneiten Domizil oder mit einem Weihnachtsmotiv aus ihrem Umkreis, von dem sie sich besonders angesprochen fühlen.

Auf jeden Fall ist bei den Glückwunschaktionen seit Jahren ein deutlicher Trend "weg von Romantik und Gefühlsbetontheit" und hinzu ,kühler Sachlichkeit" feststellbar, wie man dies beispielsweise einmal auf einer Glückwunschkarte der damaligen Bundeskanzlerin mit dem Motiv (durchausprächtig und stilvoll) "Weihnachtsbaum auf dem Flur des Kanzleramtes“ unschwer erkennen konnte. Fest steht: Die papierenen "Perlen" werden im schnelllebigen Zeitalter der Mails, Sammel-SMS sowie von Facebook-Enthusiasten immer mehr zur ausgesprochenen Rarität.



Karl-Heinz Paulus


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