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Joe Kellerer auf der Hasenheide: Klimawäldchen zum Anfassen

Bio-Landwirt legt Mischwald mit Baum- und Straucharten an, die mit steigenden Temperaturen, Trockenheit und Sturzregen zurechtkommen, und rückt Nachhaltigkeit und Umweltschutz in den Fokus

Joe Kellerer auf der Hasenheide: Klimawäldchen zum Anfassen

Schon fast zwei Meter groß-Joe Kellerer freut sich über eines seiner 25 Steinweichsel-Bäumchen, eine Art, die ursprünglich aus dem mediterranem Raum stammt. Fotos: Horst Kramer

Wir stehen vor einem umzäunten Gelände, das wild zugewachsen zu sein scheint. Einige junge Bergahorn-Exemplare sind zu erkennen, heranwachsende Stiel- oder Traubeneichen. Am Rande ragen einige Buchen und Erlen in den Himmel. Jede Menge Buschwerk sprießt hier, Blutroter Hartriegel, Pfaffenhütchen, Gemeiner Hasel oder Schwarzer Holunder. Dazwischen hohes Gras, verblühte Wildblumen.„Im Frühjahr muss ich einige Schneisen ausschlagen und etwas Ordnung schaffen“, grinst Johannes Kellerer, besser bekannt als„Joe“. Er will hier einen Klimawald anlegen, mit Baum- und Straucharten, die mit den steigenden Temperaturen, Trockenheit und Sturzregen zurechtkommen können.

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„Probleme, die mich schon lange beschäftigen“, erklärt der 36-Jährige. Denn er ist Bio-Landwirt im nahen Lindach, ein kleiner Weiler vor den Toren der Großen Kreisstadt Fürstenfeldbruck. Anfang 2023 trat Kellerer dort bei der OB-Wahl an, als Kandidat der Satirepartei „Die Partei“. „Dass ich keine Chance hatte, war mir klar“, räumt er ein und erläutert: „Mir ging es um Aufmerksamkeit für Themen wie Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Klimakrise“.

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Deswegen hatte er vor der Wahl versprochen: „Für jede Stimme, die ich erhalte, pflanze ich einen Baum!“ Und zwar genau hier, auf diesen rund 4000 Quadratmetern im südwestlichen Eck der Hasenheide, eine karge Trockenwiesenlandschaft auf der Münchner Schotterebene zwischen Fürstenfeldbruck und Maisach. Inzwischen sind weite Teile der Heide von Gewerbegebieten und Wohnquartieren geschluckt worden.

Sieht schon jetzt ziemlich nach Urwald aus, diese viertausend Quadratmeter große Fläche am Südwestrand der Brucker Hasenheide-tatsächlich hat Joe Kellerer hier schon rund 600 Klimabäumchen gepflanzt.
Sieht schon jetzt ziemlich nach Urwald aus, diese viertausend Quadratmeter große Fläche am Südwestrand der Brucker Hasenheide-tatsächlich hat Joe Kellerer hier schon rund 600 Klimabäumchen gepflanzt.

Viel Zuspruch bei der OB-Wahl

Zu Kellerers eigener Überraschung stimmten im März 2023 tatsächlich 644 Menschen für ihn. Der Satire-Partei-Protagonist holte immerhin 5,49 Prozent der Stimmen. Vielleicht auch, weil er sich in der Stadt und im Großraum Münchens einen Namen als Musiker und Sportler gemacht hat. Viele Jahre als Drummer der Band „Feierdog“, mittlerweile bei einer Formation namens „Der chöne Pernhard“, eine Verbeugung vor dem Monthy-Python-Klassiker „Das Leben des Brian“. Zudem ist er ein ambitionieter Läufer und Triathlet; im Sommer bestritt er erfolgreich den Iron Man in Roth, einer der bedeutendsten Langdistanz-Triathlon-Wettbewerbe der Welt, in ausgezeichneten 9:28 Stunden.

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Durchhaltevermögen ist eines der Talente, das er auch für sein Waldprojekt braucht: Viele Jahre wuchsen auf dem Gelände Fichten. Die Dürre und der Borkenkäfer machte den Bäumen den Garaus. „Mein Vater und ich haben danach alle Bäume gefällt, Büsche und Laubbäume aber stehen lassen“, erzählt Kellerer. Eine Wiederaufforstung mit Fichten oder einer anderen Monokultur kam für den Landwirt nicht mehr in Frage. Stattdessen schwebte ihm ein nachhaltiger Mischwald vor, adaptiert an die Bedingungen der Klimaänderungen. Ein Plan, den laut Kellerer auch die zuständige Brucker Försterin Anita Ottmann bei einer gemeinsamen Begehung unterstützte. Daher bestellte er einige Wildobstarten bei einem spezialisierten Gärtner. Darunter 25 Exemplare der Steinweichsel, die aus dem Mittelmeerraum stammt und die sich bis dato nur in den besonders warmen Region Deutschlands wohlfühlt, am Kaiserstuhl etwa oder im Altmühltal. Weitere interessante Baumarten, die in Kellerers Klimawald eine Heimat finden, sind die Elsbeere und die Echte Mehlbeere. Die Erstere kann bis zu zwanzig Meter in die Höhe wachsen, die Letztere bis zu zehn Meter. Er erwarb ebenso viele Holzbirnen-Setzlinge, eine wärmebedürftige Sorte, sowie Licht und Sonne liebende Wildapfelbäumchen.

Ein Besuch im Walderlebniszentrum Grafrath erweiterte Kellerers Blick. Denn dort werden seit rund 130 Jahren internationale Baumarten angepflanzt. Zum einen, um Pflanzenfans exotische Gehölze näher zu bringen. Zum anderen, um zu testen, ob sie hierzulande lebensfähig sind. Daher auch die Bezeichnung „Forstlicher Versuchsgarten“. Einer der Grafrather Experten zeigte Kellerer einige Großbäume, die durchaus Chancen hätten, auf der Hasenheide zu gedeihen: wie der Riesenmammutbaum, Atlaszedern und Libanonzedern. Zedern sind Pfahlwurzler und erreichen locker das Grundwasser in der Hasenheide, das meist zwischen fünf und zehn Metern unter der Erdoberfläche zu finden ist. Riesenmammutbäume schlagen überraschenderweise keine tiefen Wurzeln, obwohl der Wasserdurst eines Wesens, das eine Höhe von einhundert Metern erreichen kann, beträchtlich sein muss. Ob er in der Brucker Hasenheide mit seinem weit gestreckten Flachwurzelgeflecht ausreichend Flüssigkeit aufnehmen kann, wird sich herausstellen. Die ältesten deutschen Mammutbäume sind rund 150 Jahre alt, manche scheinen das Wachsen bei einer Höhe von vierzig Metern eingestellt zu haben. Eine Größe, die auch das Grafrather Exemplar erreicht hat, obwohl es erst 130 Jahre hier lebt. Försterin Anita Ottmann war von den Exoten übrigens nicht besonders angetan, erzählt Kellerer.

Die Frage, ob in seinem Wäldchen auch klimawandelresistente Christbäume entdeckt werden könnten, beantwortet Kellerer mit einem Lächeln: „Theoretisch ja.“ Tatsächlich scheinen die Zedern, die in sogenannten Arboreta hierzulande versuchsweise gepflanzt werden, keine Probleme mit Hitze und Wetterwechseln zu haben - wenig überraschend, denn in ihren Herkunftsländern liegen die Durchschnittstemperaturen deutlich höher als bei uns. Doch ob es nachhaltig sei, Bäume, die achthundert Jahre alt und fünfzig Meter hoch werden können, schon bei 1,50 Meter abzuschneiden, sei so eine Sache. „Ausgewachsen passen sie eh in kein Wohnzimmer“, grinst er.

Er ist gespannt, wie sich das Gelände in den kommenden Jahren entwickelt. Dass noch viel Arbeit auf ihn zukommt, ist ihm bewusst. Daher die Frage: Wie bringt er seinen Beruf, die Arbeit, Musik und Sport unter einen Hut? Zumal Kellerer auch an der Kommunalpolitik Gefallen gefunden hat und im kommenden Jahr Stadtrat werden möchte. „Beim Sport werde ich auf jeden Fall kürzer treten“, kündigt er an. Allein die Vorbereitung für Roth erforderte tägliches Training. „Der Iron Man bleibt ein einmaliges Erlebnis“, stellt der Freizeit-Dreikämpfer klar. Von der Musik wird er wohl nicht lassen, zumal die Band nur wenige Auftritte pro Jahr absolviert. Und die Landwirtschaft? „Kein Problem, denn ich baue ausschließlich Getreide an. Da bin ich in meinen Arbeitszeiten flexibel.“ Einer der Gründe, warum er keine Tiere hält.„Die erfordern ständig Aufmerksamkeit“, weiß Kellerer aus eigener Erfahrung. Wann wird er seinen neuen Wald der Öffentlichkeit präsentieren? „Das dauert noch. Erst mal müssen sich die Setzlinge an die Umwelt gewöhnt und eine gewisse Größe erreicht haben“, betont Joe Kellerer, „,doch in einigen Jahren baue ich den Zaun ab. Dann wird es ein Klimawäldchen zum Anfassen.“
Horst Kramer


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