Anzeige

Präsentiert von

Anzeigensonderveröffentlichung

Hingabe und dickes Fell: Der Schäfer-Alltag von Thomas Hoyler

Alltag des Hüteschäfers mit vielen Herausforderungen, Sieben-Tage-Job, Landschaftspflege und Durchhaltevermögen, mit dem er und seine Familie den Betrieb aufrecht halten

Hingabe und dickes Fell: Der Schäfer-Alltag von Thomas Hoyler

Schafzüchter Thomas Hoyler mit einem Jungschafim Arm. Namen gibt die Familie den Tieren nicht. Foto: Rudi Kanamüller

Sie gehören zur Weihnachtsgeschichte dazu: friedfertige Hirten, die als Erste von der Frohen Botschaft erfahren. Doch romantische Weihnachtsstimmung ist das eine, die Wirklichkeit und der Schäfer-Alltag draußen das andere, sagt einer, der es wissen muss: Thomas Hoyler (48) aus Oberschleißheim hat bereits Ende November mit seinen Mitarbeitern begonnen, die drei großen Stallungen samt den Boxen und Gattern auf dem Gut Hochmutting für den Winter vorzubereiten. In die Stallungen sind Anfang Dezember rund 1500 Merino-Land-Schafe und 100 Moorschnucken eingezogen. Sie werden dort den Winter über bis April verbringen, ehe es wieder raus in die Natur geht.

Beim Beruf des Schäfers mögen viele Menschen vielleicht an Stille und eine Art von Romantik denken. „Die aber“, sagt Hoyler, „hat es nie gegeben.“ Auch die Frage nach der „staden Zeit“ stellt sich für den Oberschleißheimer Schafzüchter nicht, der seit 2006 den elterlichen Hof im Oberschleißheimer Ortsteil Hochmutting führt. "Im Gegenteil: Ab Dezember ist ‚Action‘ angesagt", sagt Hoyler. Die Klauen müssen geschnitten werden, die Tiere werden entwurmt und geschoren. Es ist außerdem „Lammzeit“, die arbeitsreichste Phase im Jahr. Es ist die Zeit, in der die Mutterschafe ihren Nachwuchs zur Welt bringen.

Natürlich, so sagt Hoyler, gibt es zwischendrin auch mal ruhigere Phasen. Aber das ändert nichts daran, dass die Schäferei ein Sieben-Tage-Job ist. Zu tun gibt es immer. Die Tiere brauchen Futter, wenn sie in den Ställen sind. Sieben Tonnen am Tag. Heu, Stroh, Wintergerste, Hafer und eine Roggen-Weizen-Mischung. „Was hier angebaut wird, wird auch hier verfuttert“, sagt Hoyler. Es ist praktisch ein ökologisch "geschlossener Kreislauf". Für das Futter der Tiere bewirtschaftet Hoyler gepachtete Ackerflächen, aber auch das werde immer schwieriger. Die Herden werden größer, die Flächen immer kleiner und Pachtverträge immer kürzer, was die Planungssicherheit für den Betrieb nicht gerade erhöht, erklärt Hoyler, dessen Betrieb auch Ausbildungsbetrieb ist. Wobei auch Hoyler den sogenannten Fachkräftemangel spürt, wenn es um den Schäfernachwuchs geht. Es ist nämlich nicht das Geld, das in erster Linie bei Bewerbern zählt, sondern die Frage nach der Freizeit. Eine schwierige Frage.

Hoyler, der nach einem Studium und einem Job in der Bank auf Land- und Tierwirtschaft umstieg, und seine Mitstreiter sind Hüteschäfer. Im Gegensatz zu seinen Großeltern, die noch als Wanderschäfer bis nach Niederbayern unterwegs waren. Hoylers Schafherden leisten heute einen wertvollen Beitrag zur Landschaftspflege im Münchner Norden, einer Region mit ökologisch sensiblen Flächen. Bis kurz vor Weihnachten fressen die Schafe, was auf den Magerflächen zwischen Fröttmaninger und Garchinger Heide sprießt. So garantieren sie den Erhalt der typischen kiesigen Landschaft. Ihr Aktionsradius reicht dabei sogar über die Isar bis nach Ismaning und Unterföhring. Hoylers Mutter Helga (86) ist auch heute noch der gute Geist auf Gut Hochmutting, sie sorgt täglich dafür, dass nicht nur für ihren Sohn, sondern auch für die Schäfer was Warmes auf den Mittagstisch kommt. Drei Schäfer kümmern sich tagsüber um die Tiere, die auf der Panzerwiese, im Mallertshofer Holz und auf der Garchinger Heide sozusagen als „Rasenmäher“ unterwegs sind und dort auf festgelegten Flächen aktiv Naturschutz betreiben. Die Nächte verbringen die Tiere in mit Elektrozäunen gesicherten Bereichen. Wobei sich die Moorschnucken eher wie Ziegen verhalten und sich in der Waldheide gerne in Stauden verbeißen. Die Landschaftspflege, sagt Hoyler, ist denn auch heute die Haupteinnahmequelle seines Betriebs.

Unternehmen aus der Region

Daneben der Verkauf von zartem Lammfleisch. Merino-Land-Schafe könnten bis zu dreimal in zwei Jahren lammen. Diese Strapaze erspart Hoyler seinen Muttertieren. Sie lammen nur einmal in der Zeit. Über 1500 Lämmer pro Jahr werden im eigenen Schlachthaus auf dem Hof immer freitags und samstags geschlachtet. Thomas Hoyler: „Wir schlachten nur auf Bestellung.“ Wer beim Direktvermarkter ab Hof einkaufen will, der muss mindestens ein halbes Lamm abnehmen oder gleich ein ganzes. Denn die Hoylers betreiben keinen Hofladen. Aber auch hier spürt der Betrieb oft bürokratische Hemmnisse. So seien die Auflagen fürs Schlachten so enorm gestiegen, dass eigentlich nur noch Großbetriebe sie erfüllen könnten, klagt der Oberschleißheimer Schafzüchter.

Beliebtes Schäferfest

Ein„trauriges Kapitel“ sei auch das Verwerten der Wolle. Pro Schaf fallen durchschnittlich etwa drei Kilogramm Wolle an. Macht in Summe mehrere Tonnen, die in Hochmutting verpackt werden müssen. Bei einem Preis von 0,30 Cent pro Kilogramm Rohwolle ein Minusgeschäft, wenn allein die Schur pro Schaf 3,50 Euro beträgt. Nicht anders schaut es beim Verkauf von den kuscheligen Lammfellen aus, fügt Mutter Helga hinzu. Hier summieren die Kosten schon mal gut und gerne auf bis zu 80 Euro pro Fell, während Felle aus dem Ausland oder Kunstfelle weit billiger verkauft würden.

Auch wenn die Umstände für Hoyler und seine Kollegen sehr hart sind: Sie lassen sich viel einfallen, um ihren Berufsstand hochzuhalten. So hat der Verband der oberbayerischen Schafhalter heuer Ende Juli bei Hoylers in Hochmuttig ein Schäferfest veranstaltet. Mit Vorführungen im Hüten und Scheren, Kinderprogramm und vielen Produkten rund ums Schaf konnten die Schäfer viele Besucher für sich und die Tiere begeistern.
Rudi Kanamüller


Das könnte Sie auch interessieren