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Weihnachten ist die Zeit des großen Bücherverschenkens. Damit man die auch liest, wäre es nicht schlecht, sich mit Gleichgesinnten zusammenzutun. Doch wie gründet man einen Buchclub und sorgt dafür, dass er sich etabliert?

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Großer Spaß statt wichtigtuerisch wetteifern: Wenn sich alle gehört fühlen, kommen die Lesebegeisterten eher regelmäßig. Foto: Adobe Stock

Königin Camilla hat einen, nicht wenige Figuren in berühmten Filmen haben einen, die Freunde und Förderer des Münchner Literaturhauses, das Schweizer Fernsehen auch: Buchclubs sind eine feine Sache. Altmodisch Lesekreis genannt, in den sozialen Medien Booktok oder Booktube. Gemeinsam lesen und drüber reden ist angesagt, manche Formate platzen aus allen Nähten, andere sind zu speziell ... was braucht ein lustiger und lebendiger Buchclub heute?

Zuallererst gute Bücher, sprich Literatur. Pageturner möge jede und jeder für sich lesen. Kontroverse Titel wie Michel Houellebecqs „Unterwerfung“ hingegen regen zur Diskussion an, die schmalen poetischen Bände von Jon Fosse zum vertieften Austausch über die Macht des Erinnerns. Ein guter Kompass für die Auswahl sind Buchpreise, vom Prix Goncourt über den Booker Prize bis zum Nobelpreis für Literatur, aber auch die Longlist des Deutschen Buchpreises oder die Nominierten des Ingeborg-Bachmann-Preises weisen den Weg. Die Feuilletons sind gern unterschiedlicher Meinung über die angesagten Titel der Saison, aber wer gern und viel liest, kennt „seinen“ Literaturkritiker und wird ihm oftmals folgen. Gute Lektüretipps hat auch der Literaturclub des SRF parat.

Guter Lektüre-Anlass: Jubiläen

Sollte man nur aktuelle Bücher lesen? Die Autorin dieser Zeilen würde sagen: Nein. Die Branche ist schnelllebig, aber es gibt immer wieder Bücher, die bleiben. Manche sind zehn Jahre alt, andere hundert. Jahrestage sind eine gute Anregung (auch die von Uwe Johnson), 2026 sind E.T.A Hoffmann und Ingeborg Bachmann dran, Hoffmann zum 250., Bachmann zu ihrem 100. Geburtstag. Beide lohnen die Lektüre im Buchclub, weil sie Fragen aufkommen lassen, die uns noch heute bewegen.

Man braucht einen Ort, an dem man in gemütlicher Runde anderthalb Stunden (der perfekte Zeitraum!) zusammensitzen und sich austauschen kann. Das kann die eigene Wohnküche sein – oder ein Raum in der örtlichen Volkshochschule, in der Stadtbücherei, im Bürgerzentrum … Wer einen Buchclub gründen möchte, stelle sich dort einmal vor. Selbstverständlich kann man sich auch in einem Café, in einer Bar oder jedes Mal an einem anderen spannenden Ort treffen, so könnte man gleichzeitig lokale Gastronomen unterstützen. Ohne Leserinnen und Leser nach dem Vorbild von Lemmi (und den Schmökern) kein Buchclub, das versteht sich von selbst. Die meisten Lesebegeisterten kennen sich schon aus oder möchten lediglich mehr Orientierung im „Bücherdschungel“, anhand von Fragen wie: Was lohnt sich aktuell zu lesen? Welche Klassiker der Literatur sagen uns noch heute was? Bei vielen Literaturkreisen inspirieren sich die Lesenden gegenseitig und geben sich untereinander Tipps.

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Ihr Buchclub hat nur wenige (meist) Teilnehmerinnen? Machen Sie sich keine Sorgen, ist der gemeinsame Treff gut, wird er mit der Zeit wachsen. Mehr als zwölf Personen sollten es aber nicht werden. Um Ihren Buchclub bekannt zu machen, können Sie beispielsweise bei Stadtbibliotheken, Bürgerhäusern oder Kirchen nachfragen, ob sie dort jeweils einen Vorstellungs-Aushang anbringen können.

Wichtig ist auch die Frage, wie viele Seiten die Gruppe pro Sitzung schafft. Grob gesagt wird es ab 400 Seiten brenzlig, weshalb sich Thomas Manns „Zauberberg“ oder „Sterben“ von Karl Ove Knausgård eher als Lektüre über die Sommerpause empfehlen. Selbstverständlich hängt der Umfang des Buchs auch von der Frequenz ab, in der die Treffen stattfinden. Ideal sind monatliche Sitzungen, bei einem zweiwöchigen Rhythmus sollte man kürzere Titel auswählen.

Wie bereite ich mich inhaltlich vor? Bei einem freien Buchclub bringen sich die Teilnehmenden selbst aktiv ein. Damit die Treffen Struktur bekommen, sollte man auf der vorangegangenen Sitzung eine Person mit der Buchauswahl und der Moderation über das Buch betrauen. Man muss kein Experte sein, um einen Buchclub zu gründen, aber man sollte Literatur lieben und bereit sein, auch anspruchsvollere Texte zu lesen und dazuzulernen. Profitieren Sie von Fachleuten, die etwa auf Perspektivwechsel in der Erzählung hinweisen, und lassen Sie sich bereichern. Persönliche Bewertungen sind erlaubt und wichtig, kein Buch gefällt allen gleichermaßen gut. Literatur bietet immer Stoff zum Nachdenken, Inspiration und Erkenntnis. Meist kann man am Text zeigen, wie genau menschliche Erfahrung sprachlich vermittelt wird – und wie differenziert Schreibende Situationen beurteilen.

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Wer einen Buchclub leitet, sollte darauf achten, dass alle am Gespräch über Bücher teilnehmen können und auch gehört werden. Oftmals wird sich eine Diskussion über das Leben, die Politik, die Gesellschaft und die eigene Lage anschließen. Nichts weniger will Literatur als Bewusstsein für sich selbst und Respekt für den anderen schaffen. „Everything matters“, hat Susan Sontag gesagt und das gilt auch fürs Reden über Bücher.

Noch ein Tipp: Für Moderierende eines Buchclubs lohnt sich die Anschaffung eines Readers. Er eignet sich für umfangreichere Literatur, außerdem kann man sich damit eine Leseprobe herunterladen und weiß dann meistens, ob man mehr will. 

Bettina Rubow


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