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Krippenfiguren von Schnitzer Martin Reichart

Martin Reichart schnitzt handgefertigte Krippenfiguren aus Holz – individuelle Unikate mit Charakter, Seele und traditioneller Handwerkskunst.

Krippenfiguren von Schnitzer Martin Reichart

Martin Reichart, gelernter Holzbildhauer und Schnitzer, zeigt zwei von ihm angefertigte Ochsenfiguren. Fotos: Patrizia Steipe

Der geschnitzte Hund für die Krippe ist schon fertig. Jedes Detail, sei es noch so filigran, hat Martin Reichart herausgearbeitet. Der kleine Spitz trägt das typische dichte Fell, hat einen buschigen Schwanz, lustige Augen und aufrechte Ohren. Für den Gesichtsausdruck und den wachen Blick nahm sich der Schnitzer besonders viel Zeit. Schließlich soll die Figur dem verstorbenen Hund des Auftraggebers gleichen. Etwaacht Stunden dauerten die Arbeit an der Figur aus Zirbenholz. Als Vorlage dienten dem Holzkünstler aus Hadorf, einem Ortsteil von Starnberg, Fotos vom Haustier.

Jede Weihnachtskrippe, hiermit modernen Figuren, istein Unikat.
Jede Weihnachtskrippe, hiermit modernen Figuren, istein Unikat.

Individualisierte Krippenfiguren sind Reicharts Spezialität. Auf die Wünsche seiner Auftraggeber geht er ein. Mal möchten sie eine bestimmte Größe, mal eine Körperhaltung, eine besondere Farbe für das Gewand oder einen charakteristischen Gesichtsausdruck. Überhaupt hat jede seiner Figuren einen eigenen - meist freundlichen Gesichtsausdruck. Den Großvater eines Kunden verewigte er bereits in Holz, ebenso eine Oma mit ihren Enkelkindern. „Es sind alles Unikate“, sagt Reichart. So wirken sie lebendig und authentisch, ganz im Gegensatz zu der Massenware, die in der Vorweihnachtszeit auf den Markt schwappt. „Da fehlt die Seele“, sagt Reichart. Zwischen fünf bis 15 Stunden investiert er pro Figur. Hetzen lässt er sich aber nicht. Während andere abends vor dem Fernseher sitzen, ist er lieber an seinem Werktisch und feilt an Stirnfalten, Augen, Nasen.

Schnitz-Auftrag vom FC Bayern

Heuerschnitzt Reichart eine ganze Hauskrippe. Im Frühjahr hat er damit begonnen. Zu Weihnachten wird sie zum ersten Mal aufgestellt. Eine Familie aus der Nachbarschaft bekommt sie von den Eltern zum Einzug in ihr Haus geschenkt. Mehrmals standen sie schon in seiner Werkstatt und staunten darüber, wie sich ein Holzblock in eine fertige Figur verwandelt. Vor allem die beiden Kinder waren von jedem Arbeitsschritt fasziniert. Zum Schnitzen spannt Reichart ein bereits in Form geschnittenes Zirben- oder Lindenholzstück in seine Werkbank. Dann beginnt er die Formen vorsichtig herauszuarbeiten. Die fertige Schnitzarbeit sieht in Natur schon richtig gut aus, aber erst mit der Bemalung ist sie vollendet. Am schwierigsten zu machen seien übrigens nicht die großen Figuren, sondern die winzigen Christkindl, erklärt Reichart. Jedes Fingerchen, jede Zehe schnitzt er einzeln, nichts darf abbrechen.

Unternehmen aus der Region

Auch sonst gibt es in der Werkstatt viel zu entdecken. Es riecht nach frischem Holz. Der Holzofen, der mit Spänen und Holzabfällen gefüttert wird, verbreitet Wärme. In Vitrinen und Regalen drängen sich Figuren. An den Wänden hängen Werkzeuge und dutzende Schnitzmesser nach Größe sortiert. Auch große Maschinen wie eine Drehbank finden sich in der Werkstatt. Auf einem Tisch liegt ein sogenannter Knüpfel. Damit schlägt Reichart vorsichtig auf das Schnitzmesser, um eine Kerbe in das Holz zu schlagen. Einen Ehrenplatz hat das Plastillinmodell von Fußballer Thomas Müller. Den Fußballstar schnitzte er im Auftrag des FC Bayern. Vor einem Jahr hat Reichart ihn persönlich vor 70.000 Zuschauern in der Allianz-Arena an Müller überreicht. Ein Highlight, an das er heute noch gerne denkt.

Weihnachtskrippen sind einer der Schwerpunkte seiner Arbeit. Martin Reichart hat einen ganzen Schrank voller Figuren: Die Heilige Familie, Hirten, Bauern, Engel, Schafe ... für sie möchte er einen eigenen Ausstellungsraum einrichten. Dann kommen die alpenländischen Krippen, die Krippe in einer Wurzel, die traditionellen und die modernen Figuren und die vielen Tiere, mit ihren liebenswerten Gesichtsausdrücken richtig zur Geltung. Den Kunden zeigt er auch seine Fotobücher, in denen er seine bisherigen Arbeiten vorstellt. So finden sie Ideen für ihre persönliche Krippe.

Dass Reicharts Krippen etwas Besonderes sind, hat sich herumgesprochen. Er lebt von Empfehlungen. „Ich habe keine Homepage“, erklärt er. Die Handwerksarbeit hat natürlich ihren Preis, dafür bekommt man richtige Kunstwerke für eine Hauskrippe, die im Laufe der Jahre um neue Figuren und Tiere ergänzt werden kann. Der 57-Jährige begann mit 16 Jahren seine Ausbildung an der Staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauer und Schnitzer in Oberammergau. Danach arbeitete er ein paar Jahre bei einem Schnitzer. In den 1990er-Jahren eröffnete er in Hadorf seine Werkstatt. Die Kontakte zu Oberammergau sind geblieben. Immer wieder vermitteln ihn Kollegen an Kunden, die eine Charakterfigur wünschen.

Damit die Figuren schön bleiben, gibt Holzkünstler Reichart Tipps zur Pflege: Zum Abstauben empfiehlt er einen weichen Pinsel. Die Figuren sollten weder ins Wasser getaucht noch mit Öl oder anderen Pflegemitteln eingerieben werden. Damit Hände, Flügel oder Eselsohren nicht abbrechen, verpackt er nach Weihnachten die Figuren in dünnes Seidenpapier und lagert sie in einen Karton mit Einzelfächern oder in separate Schachteln.
Patrizia Steipe


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