Mit Glühwein, Sekt und Festtagsbowle scheint die Weihnachtszeit wie gemacht für gesellige Runden mit einem Glas in der Hand. Doch es muss nicht immer alkoholisch sein: Immer mehr Menschen stoßen an-ganz ohne Alkohol. Null-Promille-Verfechter müssen sich inzwischen auch nicht mehr nur mit schnödem Wasser, Cola oder Apfelschorle zufriedengeben. Sowohl bei Wein und Secco, als auch bei Spirituosen wird die alkoholfreie Auswahl immer größer. Die Klassiker der Cocktailwelt lassen sich genauso genussvoll als sogenannte „Mocktails“ mixen-eine Wortschöpfung aus dem Englischen aus„to mock“, vortäuschen, und „cocktail“. Den Anfang machte 2015 das britische Label „Seedlip“ mit seinem „distilled non-alcoholic spirit“. Gründer Ben Branson, ein ehemaliger Designer mit landwirtschaftlichem Hintergrund, setzt bis heute auf natürliche Botanicals, also Pflanzenstoffe wie Kräuter, Wurzeln oder Früchte. Auch in Deutschland gibt es inzwischen einige alkoholfreie Null-Promille Labels: „Laori“ aus Berlin setzt auf fruchtig-würzige alkoholfreie Spirituosen aus Kräuter und Zitrusfrüchten wie Orange,
Zitrone und Wacholder. „Dr. Jaglas“, ebenfalls aus Berlin, bietet mit dem Herben Hibiskus, San Limello, San Pompello und San Orangello interessante alkoholfreie Aperitifs, die die Apothekerfamilie aus ihrer Kräutermedizin-Erfahrung heraus entwickelt hat. Das Label „Undone“ aus Hamburg hat einen nullprozentigen Rum samt augenzwinkerndem Slogan “This is not Rum“ erdacht, und der „Siegfried Wonderleaf“ aus Bonn fällt mit komplexen Aromen-Vielfalt aus insgesamt 18 Botanicals positiv auf. „Entgeistert“ heißt sinnigerweise eine alkoholfreie Gin-Alternative von „The Duke“, einer Gin-Manufaktur aus München. Sie schmeckt ein bisschen nach Pfefferkuchen und Zitrone und wird aus Wacholder, Zitronen, Rosmarin, Kubebenpfeffer, Nelken sowie Muskat hergestellt.
Nachhaltiges Obst im Fokus
Auch die deutsche Spirituosen-Brennerei „Schladerer“ aus dem Schwarzwald hat den neuen Markt im Blick - seit 1844 wird dort Hochprozentiges aus Obst produziert. Mit dem „Vincent alkoholfrei“ haben sie nun einen Bitter-Aperitif aus natürlichen Kräuterextrakten kreiert, verfeinert mit reifen Himbeeren - der sogar im fernen Berlin schon als Alternative zum Campari gefeiert wird, wie die Plattform „feineweine.berlin“ berichtet. Was Fans der Null-Prozent-Bewegung freuen dürfte: Die Schladerers stellen rund um den Sitz der Brennerei in Staufen auch besondere Obstsäfte mit Blick auf Nachhaltigkeit her: 2009 entstand aus der Idee, verschiedene Obstarten ohne Einsatz von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden anzubauen, das „Obstparadies Staufen“. Eingebettet in die fruchtbare Landschaft des Markgräflerlands werden hier nach alter Obstbautradition alte und neue Obstsorten im Einklang mit der Natur angebaut. Kultiviert werden sogar Exoten wie Paw Paw, Kiwis, nordische Zitronen, Maulbeeren und Kakis.
Warum alkoholfreie Alternativen meist genauso teuer wie ihre hochprozentigen Verwandten sind, liegt an dem aufwendigen Herstellungsprozess: Geschmacklich sollen sie an Gin, Rum, Whisky oder andere Spirituosen erinnern, aber keinen oder nur einen sehr geringen Restalkohol enthalten. Dabei gibt es verschiedene Ansätze. Manche Hersteller setzen auf eine Destillation von Botanicals, ähnlich wie bei einem klassischen Gin. Dabei werden Kräuter, Gewürze, Zitrusschalen oder andere pflanzliche Zutaten in Wasser eingelegt und ihre Aromen durch Wasserdampfdestillation oder unter Vakuum extrahiert. So entsteht ein aromatisiertes Wasser, das die typischen Duft- und Geschmacksnoten liefert, ohne dass Alkohol im Spiel ist. Andere Produzenten stellen zunächst eine Spirituose her und entziehen dieser dann den Alkohol. Dafür wird er durch Verfahren wie Vakuumdestillation oder Umkehrosmose entfernt, sodass die Aromen erhalten bleiben, aber der Alkoholgehalt fast vollständig verschwindet. Ein winziger Restgehalt ist - wie bei alkoholfreiem Bier - aber immer noch enthalten. Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie in erster Linie als Basis für Mischgetränke entwickelt werden und weniger dem puren Genuss dienen.
Barbara Brubacher
Alkoholfrei wunderbar feiern
Mit diesen Tipps für weihnachtliche und silvesterliche Null-Promille-Drinks bleiben Gäste garantiert gerne freiwillig nüchtern
Virgin Glühwein: Traubensaft, Apfelsaft, Zimtstange, Nelken, Sternanis, Orangenscheiben. Kurz aufkochen, ziehen lassen und heiß servieren-duftet wie beim Weihnachtsmarkt!
Winter Apple Mule: Apfelsaft, Limettensaft, Ginger Beer, Zimtstange, Apfelscheiben. Frisch, würzig und mit weihnachtlicher Schärfe.
Zimt-Orangen-Punsch: Orangensaft, schwarzer Tee, Honig, Zimt, Vanille, Zitronenscheibe. Warm genießen - perfekt nach einem Winterspaziergang.
0% Cranberry Spritz: Cranberrysaft, Tonic Water, Rosmarinzweig, ein Spritzer Limettensaft. Optisch edel, wie ein festlicher Aperitif.
Nojito Winter Edition: Limette, Minze, Granatapfelkerne, Soda, etwas Zimt oder Vanille. Eine fruchtige, winterliche Variante des Mojito ohne Rum.
Sparkling Ginger Rosé: Alkoholfreier Sekt oder Sprudel, Ingwersirup, Rosensirup, Zitronenzeste. Elegant, duftig und perfekt für festliche Dinner.
Christmas Chocolate Dream: Heiße Schokolade, Vanille, etwas Zimt, Sahnehäubchen, Mini-Marshmallows. Für alle, die es lieber cremig und gemütlich mögen.
Barbara Brubacher