Ein Haus, eine Wohnung oder Geschäftsräume wären nichts ohne ein funktionales und schönes „Innenleben“. Denn wenn die Hülle steht, geht es erst so richtig los: Zahlreiche Gewerke – vom Innenarchitekten über die Raumausstatterin und Handwerker wie Maler/Lackierer, Fliesen- und Bodenlegerin bis hin zum Sanitärinstallateur – tragen dazu bei, dass die Räume den unterschiedlichsten Bedürfnissen angepasst und wohnlich sind. Eine tragende Rolle kommt dabei den vom Bauherrn respektive der Bauherrin beauftragten Innenarchitektinnen zu: Sie halten in enger Abstimmung mit dem Auftraggeber alle Fäden zusammen und koordinieren alle Gewerke rund um das Projekt.
Wer denkt, dass Innenarchitekten nur Möbel im Raum platzieren und das eine oder andere schöne Bild aufhängen, irrt: Bei der Neubau-, Umbau- oder Sanierungsplanung haben Innenarchitektinnen neben der Optik immer auch funktionale, ökonomische und ökologische Aspekte im Blick, entwerfen Grundrisse, bestimmen die Raumaufteilung oder versetzen Wände. Sie arbeiten mit natürlichem und künstlichem Licht, mit Farben und mit Gestaltungselementen wie (Einbau-) Möbeln oder Pflanzen. Und dafür ist jede Menge Wissen nötig – das Innenarchitektinnen über ein Bachelor-Studium an einer Uni oder privaten Hochschule in sechs bis acht Semestern erlangen. Anschließend kann ein Masterstudium von vier Semestern angeschlossen werden. Einzelne Hochschulen haben Zugangsbeschränkungen, in manchen Fällen ist ein bestimmter Notendurchschnitt erforderlich, in anderen ein Portfolio mit eigenen Arbeiten. Die Innenarchitektur bietet spannende Einsatzgebiete – von der sanierten Altbauwohnung über ausgefallene Shopkonzepte (Retail Design) im Einzelhandel bis hin zu Wohlfühl-Büros. Darüber hinaus brauchen Innenarchitektinnen viel Einfühlungsvermögen, denn sie orientieren sich eng an den Bedürfnissen und Wünschen der Auftraggeber. Außerdem sind all jene gefragt, die ein Händchen für die Verbindung von Ästhetik und Funktionalität haben. Mit Weiterbildungen in Bereichen wie 3D-Modellierung, 3D-Druck, Virtual Reality oder nachhaltiges Bauen stellen sich Innenarchitekten auch für die Zukunft gut auf.
Doch was ist nun eigentlich der Unterschied zum Raumausstatter? Dieses Berufsfeld zielt im Prinzip in dieselbe Richtung – Raumausstatter und ihre Kolleginnen erstellen die Farb- und Materialkonzepte, kleiden Wände und Decken mit Stoffen und Tapeten aus, montieren Sicht- und Sonnenschutzanlagen und dekorieren die Räume. Im Prinzip verschaffen sie noch den „Feinschliff“, der Räumen ein bestimmtes Ambiente gibt – je nach gewünschtem Wohnstil minimalistisch reduziert in dezenten Farben oder kreativ-üppig und farbenfroh. Ein wesentlicher Unterschied zum Innenarchitekten besteht im Ausbildungsweg: Zum Raumausstatter führt eine dreijährige Ausbildung. Barbara Brubacher