Die Etzenhausener Künstlerkolonie stand immer etwas im Abseits ihrer berühmten Dachauer "Schwester". Das könnte sich nun ändern, denn seit kurzem gibt es den Etzenhausener Künstlerweg. Bereits 2019 hat die Stadt Dachau den mittlerweile beliebten ersten Künstlerweg eröffnet. Er führt durch die Altstadt, den Unteren Markt und entlang der Amper.
Dabei haben bereits lange, bevor Dachau im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zur wichtigsten Location für Künstler und wenige Künstlerinnen wurde, bedeutende Vertreter ihrer Zunft die scheinbare dörfliche Idylle Etzenhausens auf die Leinwand gebannt. Nun macht die Stadt Dachau mit einem eigenen Künstlerweg das einstige Künstlerdorf Etzenhausen wieder präsent. 17 Stelen zeigen Gemälde der betreffenden Maler. Sie stehen zum Teil an jenen Stellen, wo sich einst ihre Schöpfer Inspiration und Motive gesucht haben. Zudem gibt es kurze Informationen über die Künstler und ihre Werke.
Der Künstlerweg beginnt beim Hotel Burgmeier in der Hermannstraße, das selbst auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. 1861 erbte Katharina Bayer von ihrem Vater das ehemalige Jagdhaus der Wittelsbacher, das nach einem Revierjäger benannt Näßl Haus. Zusammen mit ihrem Ehemann Florian Burgmeier gründete sie das Hotel Burgmeier, das sich bis heute in Familienbesitz befindet.
Berühmter Biergarten
Und genau hier hat Max Liebermann sein Gemälde "Biergarten in Etzenhausen“ gemalt beziehungsweise skizziert. Der Weg führt auf einer Länge von 5,1 Kilometern weiter durch den Dorfkern, anschließend die Bergstraße hinauf zum Ortsausgang, über den Hohlweg "Lange Gasse" weiter zum Windrad, hinunter nach Steinkirchen und über den Weblinger Weg zurück zum Ausgangspunkt. Außerdem gibt es eine alternative Route zur italienischen Gedächtniskapelle "Regina Pacis“ auf dem Leitenberg-Friedhof.
Zu sehen sind Werke von Max Liebermann, Hermann Stockmann, Wilhelm Velten, Adolf Lier, Karl Buchka, Leopold von Kalckreuth, Hermann Linde, Christian E. B. Morgenstern, Ludwig von Herterich, Carl Olof Petersen, Otto Strützel, Emi Fuchs-Hussong - der einzigen Malerin in diesem Kreis-, Ferdinand Mirwald und Georg Flad. Auch ein weiteres Bild Max Liebermanns (1847-1935) erinnert plastisch an das einstige Dorfleben: "Dorfteich in Etzenhausen - Dorfidyll" entstand 1879.
Liebermann war eine Zeitlang in der Dachauer respektive der Etzenhausener Künstlerkolonie zu Gast. Sein Kollege, der gerne als Malerfürst apostrophierte Franz von Lenbach hatte ihm dringend zu einem Aufenthalt auf dem Lande geraten, um den wüsten Shitstorm zur überstehen, den dessen Bild "Der zwölfjährige Jesus im Tempel“ auf der Internationalen Kunstausstellung 1879 im Münchener Glaspalast ausgelöst hatte. Liebermann, der auch persönlich antisemitischen Angriffen ausgesetzt war, übermalte zwar die Gestalt des Jesus, kehrte aber München den Rücken - und wurde später Präsident der Berliner Secession sowie bis zu seinem unfreiwilligen Rückzug angesichts der Machtergreifung der Nazis im Jahr 1933 Präsident und Ehrenpräsident der Preußischen Akademie der Künste.
Barockes in St. Laurentius
Wer in Etzenhausen noch nicht ausreichend Kunst genossen hat - oder eine Pause braucht, - ist in der äußerlich bescheidenen, aber im Inneren überragenden Kirche St. Laurentius richtig. St. Laurentius wurde 804 erstmals urkundlich erwähnt und zwar im Zusammenhang mit einer Auseinandersetzung zwischen Kloster Tegernsee und Bischof Atto von Freising, wie Hans Schertl auf der Site kirchenundkapellen.de schreibt.
Sein jetziges Aussehen erhielt der Sakralbau im 17. und 18. Jahrhundert. Im Kircheninneren lässt sich eine ganze HeiligenIkonografie an den vielen Skulpturen ablesen. Sie haben häufig einen Bezug zum bäuerlich geprägten Etzenhausen, das übrigens bis 1939 eine selbstständige Gemeinde war. So sind beispielsweise die Nothelferinnen Barbara mit Märtyrerpalmzweig und Turm und Katharina mit Schwert und Marterrad, die Bauernheiligen Leonhard im Abtsornat und Wendelin mit Hirtentasche und Pferdefigur, die Pestheiligen Sebastian mit Pfeilen am Marterbaum und Rochus mit Pilgerstab und Beinwunde sowie St. Florian in Soldatenrüstung und mit Wasserschaff, der Helfer in Feuersnöten, zu sehen. Weil in vergangenen Zeiten längst nicht alle Menschen lesen und schreiben konnten, sind die Figuren und Wandgemälde eine Art Bilderbuch mit Wiedererkennungswert - und entsprechend fantasievoll dargestellt. Das ganze Gotteshaus strahlt gerade jetzt - in der Vorweihnachtszeit - Ruhe und Frieden aus.