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Tipps vom HWK-Experten, Hartmut Drexel

Der Betriebsberater Hartmut Drexel erklärt, warum frühzeitige Planung und ein Notfallordner entscheidend sind, um häufige Fehler zu vermeiden und den Fortbestand Ihres Unternehmens zu sichern.

Hartmut Drexel rät, frühzeitig die Nachfolge zu planen. Foto: HWK
Hartmut Drexel rät, frühzeitig die Nachfolge zu planen. Foto: HWK

Hartmut Drexel ist Sprecher der Betriebsberatungsstellen der bayerischen Handwerkskammern und seit fast 27 Jahren bei der Handwerkskammer (HWK) für München und Oberbayern tätig. Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann und einem BWL-Studium begann er als betriebswirtschaftlicher Berater bei der HWK und betreute zahlreiche Betriebe bei der erfolgreichen Übergabe. Als Mitglied der Geschäftsführung kümmert er sich um die Rahmenbedingungen und überlässt das operative Geschäft den mehr als fünfzig Spezialisten, die bei den sechs bayerischen Handwerkskammern zu den Themen Gründung und Nachfolge beraten. Wir sprachen mit ihm über die aktuellen Herausforderungen bei der Betriebsübergabe im Handwerk.

Mit der Generation der Babyboomer, die allmählich auch im Handwerk in Rente geht, steht bei vielen Betrieben demnächst die Regelung der Nachfolge an. Macht sich das an steigenden Beratungsanfragen bemerkbar?

Hartmut Drexel: Die Zahl der Beratungen zu diesem Thema geht tendenziell immer weiter nach oben. Immer mehr Unternehmer wollen aus Altersgründen perspektivisch übergeben und sollten sich rechtzeitig mit diesem wichtigen Thema befassen. Wer ein Leben lang für den eigenen Betrieb gearbeitet hat, kann sich erst entspannt zur Ruhe setzen, wenn die Zukunft seines Lebenswerks gesichert ist. Etwa ein Drittel der Betriebsinhaber in Bayern ist momentan älter als 55 Jahre und wird in den nächsten Jahren übergeben wollen.

Unternehmen aus der Region

Werden nur Betriebe übergeben, deren Inhaber in Rente gehen wollen?

Es gibt auch viele Übergaben aus anderen Gründen, etwa weil ein Unternehmer merkt, dass er mit der Selbstständigkeit die falsche Wahl getroffen hat, weil die Lebensplanung eine andere geworden ist oder weil beispielsweise keine geeigneten Mitarbeiter zu finden sind, um den Betrieb zu führen. Besonders schwierig wird es, wenn wegen Unfall, Krankheit oder gar Tod der Betrieb übergeben werden muss. Dann bleibt keine Zeit für eine ordentliche Planung.

Ist Zeit also der entscheidende Faktor für eine erfolgreiche Nachfolgeregelung?

Die frühzeitige Beschäftigung mit dem Thema ist mit Sicherheit der wichtigste Punkt. Doch da herrscht oft eine breite Spanne zwischen dem Idealfall, der in kürzester Zeit übergeben kann, und dem aufgrund von Unfall oder Krankheit, wenn nur wenige Wochen bleiben, um alles zu regeln.

Was empfehlen Sie Betriebsinhaberinnen und -inhabern, um für unerwartete Situationen wie längere Krankheit oder Unfall gut vorbereitet zu sein?

Schon bei der Unternehmensgründung oder -übernahme wird idealerweise ein Plan B entwickelt, was im Krankheitsfall passiert. Beispielsweise übernimmt ein Kollege aus der Branche kurzfristig die Aufträge oder der Partner gibt den Kunden am Telefon Auskunft. Bei größeren Unternehmen ist das meist eher möglich, bei Klein- und Kleinstunternehmen ist die Situation mit einer Vertretungsregelung oft extrem schwierig. Was wirklich jeder schon beim Start tun sollte: Netzwerke mit anderen Kollegen aufbauen, die eventuell einspringen können. Und einen sogenannten Notfallordner anlegen. Der Notfallordner mit aktualisiertem Überblick gibt Auskunft über die wichtigsten Dinge: Wo ist was? Welche betrieblichen Dokumente finden sich an welcher Stelle? Dazu die Kontaktdaten von Steuerberater, Bankberater und Versicherungsbetreuer. Ich rate jedem, sich rechtzeitig mit diesen Dingen zu beschäftigen und sich frühzeitig zu überlegen, wer könnte für mich einspringen oder auch für mich abwickeln.

Was sind neben dem Zeitfaktor die wichtigsten Punkte?

Am allerwichtigsten ist es, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Etwa die Hälfte der Betriebe wird an die nächste Generation, also Tochter oder Sohn, übergeben. Für die andere Hälfte kommen beispielsweise Mitarbeiter in Frage, die man perspektivisch für diese Aufgabe aufbaut. Sollte man da niemanden finden, können die bayerischen Handwerkskammern unterstützen. Es gibt online eine Betriebsbörse für Vermittlung, Nachfolgesuche und Übergabewillige - ein kostenloser Service von Handwerker zu Handwerker. Auch über Meisterschulen, Innungen oder Kreishandwerkerschaften lässt sich oftmals ein Nachfolger finden. Für die erfolgreiche Übergabe sollte der Betrieb mit klugen Investitionen in den letzten Jahren wirtschaftlich erfolgreich gehalten sein. Und die private Vermögenssituation muss ausreichen, um auch ohne den Betrieb gut leben zu können.

Was sind die häufigsten Fehler?

Oft wird zu wenig Zeit für eine erfolgreiche Übergabe eingeplant. Viele warten damit zu lange oder setzen auf den falschen Kandidaten als Nachfolger. Oder es wird ein zu hoher Kaufpreis erwartet, weil man noch betriebliche Verbindlichkeiten hat, die beglichen werden müssen oder weil man kein finanzielles Polster für den Lebensabend aufgebaut hat. Da findet sich dann niemand, der bereit ist, das zu zahlen. Auch Betriebe, die heruntergewirtschaftet sind, technisch nicht auf dem aktuellen Stand sind oder einen schwindenden Kundenstamm haben, sind schwer zu vermitteln. Deshalb ist es besonders wichtig, den eigenen Betrieb übergabefähig zu machen. Wer finanziell und technisch gut dasteht, hat es leichter, einen Nachfolger zu finden. Ein passender Standort steht als zentraler Faktor für Substanz und Zukunft. An einem attraktiven Standort lassen sich leichter Mitarbeiter und Fachkräfte finden und halten.
Interview: Silvia Schwendtner 


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