Anzeige

Anzeigensonderveröffentlichung

Denn sie wissen, was sie tun

Neue Initiativen und Gesetzesvorhaben sollen Frauen im Handwerk besser beruflich absichern

Denn sie wissen, was sie tun

Frauen vor allem Meisterinnen oder selbstständige Unternehmerinnen sind im Handwerk noch immer relativ selten zu finden. Foto: Adobe Stock

Frauen mischen inzwischen immer mehr im Handwerk mit, als Auszubildende oder Gesellin, als Meisterin oder (mitarbeitende) Unternehmerfrau. Mehr als jeder dritte Betrieb wird von einer Frau (mit)geführt und bei den erfolgreich abgelegten Meisterprüfungen war 2023 jede Fünfte eine Frau. Auch in traditionell männlichen Branchen tut sich was: Im Maler- und Lackiererhandwerk in Bayern ist der Frauenanteil bei den Auszubildenden von 12,7 Prozent auf 16,8 Prozent gestiegen, im Bau- und Ausbauhandwerk gibt es immer mehr „Azubinen“ - die Zahl stieg von fünf auf rund zehn Prozent. Doch da ist immer noch sehr viel Luft nach oben, insbesondere was die Zahl der Frauen in Führungspositionen und als Unternehmerinnen betrifft.

Unternehmen aus der Region

Nicht nur, um generell mehr Frauen für den Handwerksberuf zu begeistern, sondern auch, um sie zu ermutigen, ihre unternehmerischen Potenziale im Handwerk zu entfalten, haben Fachverbände und Handwerkskammern in jüngster Zeit zahlreiche Ideen und Initiativen entwickelt. Wie die Handwerkskammer Stuttgart, die mit ihrem neuen Programm „Frauen im Handwerk: fähig.furchtlos.female.“ ein ganzes Bündel an interessanten und kostenfreien Angeboten zusammengestellt hat - von der Berufsorientierungsberatung für den passenden Einstieg ins Handwerk bis zu Beratungen für die Existenzgründung und Betriebsübernahme. 

In kurzen und motivierenden Video-Portraits stellen sich auf www.hwk-stuttgart.de außerdem junge Handwerkerinnen vor. Wie Sabrina (28) - die ihre Entscheidung, nach dem Abitur eine Ausbildung zur Schreinerin zu machen, nie bereut hat und später auch noch ihren Meister oder einen Ausbilderschein draufsetzen will. Für sie gibt es im Handwerk keine festen Rollenbilder und Unterschiede zwischen Männern und Frauen: „Frauen können es auf jeden Fall schaffen“, meint sie.

Netzwerken: Guter Rat ist unbezahlbar

Tatsächlich liegt es nicht mehr unbedingt an den Klischees, dass Frauen nicht als Handwerkerinnen geeignet sind oder die Arbeit für sie einfach zu schwer ist, warum Frauen sich gegen einen Handwerksberuf entscheiden. Durch die zunehmende Automatisierung von Arbeitsprozessen ist körperliche Kraft auch keine zwingende Voraussetzung mehr, um einen handwerklich-technischen Beruf zu erlernen. Auch die Chancen für künftige Handwerkerinnen in Führungspositionen sind laut der Bundesagentur für Arbeit sehr gut - denn allein das bayerische Handwerk braucht der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern zufolge in den nächsten Jahren Nachfolgerinnen und Nachfolger für rund 22.000 Handwerksunternehmen.

Um den Austausch untereinander stärker zu fördern, finden schon seit einiger Zeit regelmäßig bundesweite Netzwerktreffen für Frauen im Handwerk statt. Gemeinsam mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks und den Unternehmer-Frauen im Handwerk organisiert in diesem Jahr die Handwerkskammer Dortmund das Treffen am 8. Mai 2025. Handwerkerinnen und Interessierte aus ganz Deutschland sind eingeladen, sich bei dem Treffen auszutauschen und zu vernetzen. Neben interessanten Keynotes und verschiedenen Workshops steht vor allem der Aufbau eines Netzwerks im Vordergrund. Denn das ist wichtig, um beruflich voranzukommen: Jüngere profitieren vom 

Erfahrungsschatz der Älteren und können wichtige Kontakte knüpfen. Genauso wie beim Mentorinnen-Netzwerk für Frauen im Handwerk der Handwerkskammer Freiburg. Berufserfahrene Personen begleiten dabei eine meist jüngere beziehungsweise eine weniger erfahrene Person über einen festgelegten Zeitraum und beraten zu Fragen rund um Berufseinstieg, Karriere und Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Genau hier liegt vermutlich auch der Knackpunkt, warum so wenige Frauen eine Karriere im Handwerk anstreben und der Anteil von Frauen bei Gründungen von Start-ups sowie kleinen und mittleren (Handwerks-)Unternehmen extrem niedrig ist.

Knackpunkte: Teilzeit und Mutterschutz

Die größte Chancenungleichheit liegt im Mutterschutz - denn diesen gibt es für Selbstständige nicht. Ihnen drohen beim Ausfall durch Schwangerschaft und Geburt Auftragseinbußen und Umsatzrückgänge, die bis zur Insolvenz führen können. Der Bundesrat verlangt aktuell von der Bundesregierung, dass für Selbstständige Instrumente geschaffen werden, die Rückhalt zur Gründung geben und schwangerschaftsbedingte Betriebsschließungen verhindern - bisher gibt es allerdings noch keine Befassung. Bis dahin sei eine Schwangerschaft für viele Selbstständige immer noch ein unkalkulierbares finanzielles Risiko, sagt Tischlermeisterin Johanna Röh, die den Stein ins Rollen gebracht hat. Für Frauen könnte es auch besser werden, wenn mehr Handwerksbetriebe flexible Arbeitszeiten anbieten würden - wobei flexibel nicht zwangsläufig bedeutet, Mitarbeitende nur noch halbtags anzustellen. 

Warum nicht mal eine Außendienstmonteurin beschäftigen, die erst um 15 Uhr beginnt und bis 20 Uhr arbeitet? Und warum sollten sich nicht in Handwerksberufen wie Maler, Dachdecker oder Heizungsbauer zwei Personen eine Stelle teilen können? Auch eine Vier-Tage-Woche würde viele Jobs wesentlich familienfreundlicher machen. Was viele noch nicht wissen: Seit der Novellierung des Berufsbildungsgesetzes im Jahr 2020 steht grundsätzlich allen Auszubildenden offen, ihre Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren. Die Kürzung darf nicht mehr als 50 Prozent betragen und entsprechend der Kürzung verlängert sich die Ausbildungsdauer - höchstens jedoch bis zum Eineinhalbfachen der in der jeweiligen berufsbezogenen Ausbildungsordnung festgelegten Ausbildungsdauer.
Barbara Brubacher


Das könnte Sie auch interessieren