Farbig, aber nicht kitschig bunt - und auf jeden Fall ein Hingucker im Gewerbegebiet Lochham: Die neugestaltete Fassade der Romanow GmbH Malerwerkstätte besteht im oberen Bereich aus schmalen hölzernen Rhombusleisten, die in den Firmenfarben Cyan, Magenta und Gelb sowie je zwei Abstufungen davon gestrichen sind. Diese Gestaltung hat im vergangenen Herbst gleich eine Auszeichnung als eine der drei europaweit Nominierten für den renommierten Brillux Design Award 2023 erhalten. Malermeister und Fassadentechniker Andreas Romanow ist sehr stolz darauf, denn sie zeigt auch nach außen, um was es seit der Gründung des Betriebs vor sechzig Jahren geht: Um eine super Teamleistung - von der ersten Idee bis zur perfekten Ausführung und darum, eine Firma zu sein, die nach außen positiv strahlt. Es ist nicht der erste Preis, den der Familienbetrieb mit derzeit 13 Mitarbeitenden eingesammelt hat...
Wie viele Preise hat Ihre Firma insgesamt schon erhalten?
Andreas Romanow: Es sind tatsächlich schon einige. Angefangen hat es 1997 mit dem Fassadenpreis der Landeshauptstadt München für die Gestaltung der denkmalgeschützten Fassade an der Prälat-Zistl-Straße 14. 2002 kam der Erasmus-Grasser-Preis für besondere Verdienste in der beruflichen Ausbildung dazu, und 2018 wurden wir Maler des Jahres. Dann folgte der Zukunftspreis 2022 des Landkreises München für unsere fortschrittliche, ressourcenschonende, soziale und regionale Arbeitsweise. Und darauf bin ich besonders stolz: Mein Sohn, der zwar noch nicht in unserem Unternehmen tätig ist, es aber in den nächsten Jahren übernehmen wird, war 2022 Bester seines Jahrgangs bei der Meisterprüfung der Maler und Lackierer. Er wurde dafür mit dem Meisterpreis der bayerischen Staatsregierung und der Goldmedaille der Handwerkskammer München ausgezeichnet. Echt toll! On top kam dann noch der Maler des Jahres 2024 in der Kategorie Junge Talente dazu - hier werden deutschlandweit die besten Jungmeister im Maler- und Lackiererhandwerk ausgezeichnet.
Die Familie spielt in Ihrer Firma eine große Rolle...
... ja, das ist richtig. Es ist doch unheimlich schön - und keinesfalls selbstverständlich - dass sich ein Sohn oder eine Tochter heutzutage entscheidet, einen Handwerksbetrieb zu übernehmen! Ich führe das Unternehmen jetzt in der zweiten Generation. Mit der nächsten Generation, die teils schon mitarbeitet, bleiben wir jung und modern. Daher sind wir auch auf Social Media unterwegs. Es ist uns besonders wichtig, frisch und attraktiv für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die potenziellen Azubis zu sein.
Wie setzt sich Ihr Team zusammen?
Wir sind eine vielfältige und bunte Truppe: Vier Gesellen im Alter von 32 bis 57 Jahren aus Deutschland und dem Irak, zwei Helfer (64 Jahre kroatisch und 53 Jahre polnisch), drei Azubis (21 Jahre türkisch/deutsch, 18 Jahre deutsch, 18 Jahre polnisch/italienisch, weiblich), eine Teilzeitkraft für die sozialen Medien (26 Jahre, weiblich), dazu eine Teilzeitkraft für dies und das“, wie Fahrdienste, Besorgungen, Raumpflege (25 Jahre, weiblich), meine Frau im Büro und ich selbst.
Ihr Firmensitz ist wirklich sehr schön geworden - wie kam es zum bunten Haus?
Mir wäre es lieber, wenn wir es nicht als buntes Haus, sondern farblich gestaltetes Gebäude bezeichnen würden. Die Idee stammt von mir, aber die perfekte Ausführung gehört natürlich unbedingt dazu - alles in allem ist das ein wirklich sehr gut gelungenes Projekt, das auch nach außen unser Können zeigt. Wir wollen damit ganz bewusst einen Akzent im grau-weißen Einerlei des Gewerbegebiets setzen, aber keine „Villa Kunterbunt“ sein. Was mich sehr freut, ist, dass wir schon vielfach auf die außergewöhnliche Gestaltung angesprochen wurden. Damit bleiben wir im Gedächtnis und setzen uns von anderen ab. Im Prinzip ist das - genauso wie die anderen Auszeichnungen - eine Werbung für uns, insbesondere um Fachkräfte und natürlich Azubis für uns zu gewinnen.
Was muss ich mitbringen, um mich bei Ihnen als Azubi bewerben zu können?
Die Grundqualifikationen Zuverlässigkeit, Freundlichkeit, guter Umgang und dergleichen gehören dazu, denn wir sind im direkten Kontakt mit unseren Kunden und arbeiten oft im Innersten ihres Zuhauses. So zum Beispiel in Bereichen, die sie nicht mal ihrem Besuch oder den engsten Freunden zeigen würden, wie das Schlafzimmer oder das private Badezimmer. Handwerkliches Geschick und eine gewisse Sportlichkeit sind ebenfalls gute Voraussetzungen.
Und wie steht es mit den Noten?
Da schaue ich eigentlich nur auf Deutsch, Mathe und Sport. Wie gesagt, brauchen wir fitte Leute, die mit den Kunden gut kommunizieren können, Produktanweisungen lesen und verstehen und Farbmengen korrekt mischen und berechnen können. Übrigens: Farbenblindheit ist kein Ausschlusskriterium, die ist ja bei Jungs gar nicht so selten. Wir haben schon mal einen Lehrling mit dieser Einschränkung erfolgreich zum Facharbeiter ausgebildet. Auch ein farbenblinder Maler kann eine hervorragende handwerkliche Leistung abliefern - nur bei der Auswahl von Farbtönen braucht er oder sie halt etwas Unterstützung.
Was kann man bei Ihnen lernen?
Maler und Lackierer ist ein toller Beruf, denn wir gestalten Zukunft. Zum Beispiel funktioniert die Energiewende beziehungsweise energetische Sanierung der Gebäude nicht ohne uns Maler. Und ganz wichtig: Wir arbeiten extrem nachhaltig, immer mit dem Fokus auf den Erhalt einer Immobilie, eines Fahrzeugs oder Möbels.
Was kann man nach der Lehre machen?
Facharbeiter sprich Geselle sein, selbst Ausbilder sein für die nächsten Lehrlinge, Baustellenleiter oder sogar Mitglied im Gesellenprüfungsausschuss eine wirklich tolle Aufgabe, weil man hier gleichberechtigt mit Meistern und Berufsschullehrern die Gesellenstücke bewertet und die ganze Prüfung abnimmt.
Warum sind Sie Maler geworden?
Andreas Romanow: Ich habe mich bereits mit 14 entschieden, den Betrieb der Eltern zu übernehmen - was ich nach Mittlerer Reife, der Ausbildung und Meisterschule in jungen Jahren auch getan habe. Und ich habe es nie bereut! Mir macht es bis heute einfach Freude zu gestalten, im Team zu arbeiten, mit Kunden Kontakt zu haben, oder auch Menschen zu führen, auszubilden und sie auf ihrem Weg zu begleiten.
Kann man beim Malern auch fürs Leben was lernen?
Auf jeden Fall! Beispielsweise den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Darüber hinaus auch praktische Skills wie Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis, genauso wie Respekt vor der Leistung anderer.
Interview: Barbara Brubacher