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Andreas Pahler: „Ich bin die Schnittstelle vom Wald zur Geige“

Alpentonholz in Altomünster: Hochwertiges Holz für Instrumentenbau, weltweit bekannt und geschätzt. Ein Besuch im Tonholzunternehmen des Geigenbauers und Forstwissenschaftlers Andreas Pahler.

Andreas Pahler: „Ich bin die Schnittstelle vom Wald zur Geige“

Andreas Pahler spürt und sieht, aus welchem Holz einmal welches Streichinstrument werden könnte. Sein Himmel hängt buchstäblich voller (künftiger) Geigen. Foto: Margrit Amelunxen

Ganz am Ende des Altomünsterer Gewerbegebiets versteckt sich ein Paradies für Eingeweihte. Besucher aus der ganzen Welt pilgern hierher zur Firma Alpentonholz. In der langen Halle mit den zugeschnittenen Hölzern an der Eingangsseite vermutet man zunächst eine Schreinerei. Doch beim näheren Hinsehen entdeckt man ausschließlich keilförmige Holzstücke, die hier zum Trocknen aufgehängt, aufgestellt oder aufgestapelt sind. Der Hallenbesitzer ist Andreas Pahler. Der gelernte Geigenbauer und studierte Forstwirt hat sich buchstäblich einen Beruf geschnitzt, der in dieser Kombination vermutlich einzigartig ist. „Wenn ich mich als Tonholzsäger vorstelle, sage ich zur Erklärung oft: Ich bin die Schnittstelle vom Wald zum Geigenbauer.“ Als Holzhändler möchte er nicht bezeichnet werden. „Ich fühle mich nicht als Händler. Ich muss den Baum finden, das hat eher etwas mit Entdecker zu tun. Ich will das Beste aus dem machen, was mir die Natur schenkt und was ich in ihr entdecke.“

Beim Gang um und durch die Halle lernen wir die Stationen kennen, die das Holz unter den kundigen Händen von Pahler bis zum Geigenbauer durchläuft. Auf der Südseite stehen in mehreren Etagen frisch geschnittene Keile, aus denen in frühestens drei bis vier Jahren Geigen, Bratschen, Celli oder Kontrabässe entstehen. „Da haben wir den ersten Ahorn dieser Saison, einer der besten der letzten Jahre. Das ist eine superschöne Riegeltextur, die gibt es nur in diesem bosnischen Holz. Auf den freue ich mich schon total.“ Die jungenhafte Begeisterungsfähigkeit, die Pahler sich trotz seiner gut 50 Jahre erhalten hat, ist regelrecht ansteckend. Er klopft das Holzstück an. „Der klingt schon. Von dem halte ich jetzt schon viel.“

Im Geigenbau verwendet man Fichte für die Decke und Ahorn für den Boden. Fichten holt der Tonholzsäger aus den bayerischen Alpen, den besten Riegelahorn aus Bosnien. Dorthin fährt er mehrmals im Jahr, um Holz auszusuchen und wenn es passt, einen LKW voll damit nach Hause zu schicken. Die richtigen Kontakte sind für Pahler mindestens ebenso wichtig wie ein gutes Auge, Erfahrung und ein inneres Gespür. Und trotzdem scheint es beim Tonholzsägen für Pahler ähnlich wie bei Forrest Gump mit seiner Schachtel Pralinen zu sein („Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nie, was man kriegt“). Er sagt: „Man merkt das erst nach einem halben Jahr, wenn es gesägt und trocken ist. Man klopft es an und spürt, wie sich das Holz entwickelt. Erst dann weiß man, das passt. Oder nicht.“ Wenn man die Branche nicht kennt, ist es schwierig, Pahlers Firma einzuordnen. Ihm selbst liegen die lauten Töne und das Prätentiöse völlig fern. „Tonholzsäger in Europa, wie viele werden es denn sein? Unter zehn. Von den größeren sind wir schon eher so...“ Er lacht etwas verlegen und sucht nach der passenden Formulierung. „Auf jeden Fall sind wir sehr ... gewichtig.“ Worauf er noch viel mehr lacht. „Ich bin halt Geigenbauer und Forstwissenschaftler und hab' die Begeisterung. Andere sind Sägewerker. Da merkt man wohl einen Unterschied.“

Die Liebe zum Holz komme vom Onkel, mit dem er schon als Bub in der Werkstatt gebastelt habe, erzählt Pahler. Von den Eltern, Teil der Gruppe „Spurwexl - Musik aus Westerholzhausen und dem Rest der Welt“, habe er die Liebe zur Musik. Nach einem kurzen Abstecher ins Studium der Politologie folgte er dem Rat seines Geigenlehrers und bewarb sich an der Staatlichen Musikinstrumentenbauschule Mittenwald. An Praktika und Gesellenjahre in Frankreich schloss er ein Studium der Forstwissenschaften an, „weil ich mehr wissen wollte zum Holz“. Zwei Jahre in London folgten, anschließend Arbeit an der Technischen Universität München (TUM) und bei einem Bassbauer. 2002 fing er eher nebenbei im Schuppen seiner Eltern mit dem Tonholzsägen an. Dass sich das zu einem Geschäft mit regelmäßigen Messeauftritten in Shanghai, Europa und den USA entwickeln würde, hätte er damals wohl selbst nicht geglaubt.

Weiter geht es auf den Spuren des Tonholzes. Nach zwei Monaten auf der Südseite und sechs auf der Nordseite dürfen die Hölzer in die Halle. Im Hochregallager liegen die künftigen Instrumente unzähliger Orchester. Ganze Generationen könnte man damit ausstatten. Nicht nur mit Ahorn und Fichte, auch mit Weide, Pappel und einigen Sonderhölzern. Geige, Bratsche, Cello, Kontrabass oder Gitarre: Was aus dem Holz einmal wird, das hat Andreas Pahler beim Sägen der Stämme durch die Größe der Keile bereits bestimmt.

Nebenan in der Produktion wird gerade gehobelt. Versandfertige Paletten warten darauf, in die USA und nach China geschickt zu werden. Innerhalb der Branche kennt, schätzt und vertraut man sich. „Öfter bestellt auch jemand ins Blaue hinein. Du kennst mich, du weißt, wie ich baue, schick mir mal was. Diesen Vertrauensvorschuss finde ich einfach toll.“ Über eine Holztreppe geht es abschließend hinauf ins Allerheiligste, in das Lager der fertigen, seidig schimmernden Hölzer. Bleistiftbeschriftungen weisen Qualität, Herkunft und sogar den einzelnen Stamm nach. Und nun muss man einfach das Klischee bemühen: Hier hängt der Himmel voller (künftiger) Geigen.

Margrit Amelunxen

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