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Auch im Sommer unentbehrlich

Wintergärten sind der perfekte Übergang von drinnen nach draußen - sie sind zudem vielseitig nutzbar

Auch im Sommer unentbehrlich

Wintergärten können ein anspruchsvolles zweites Wohnzimmer oder ein zweckmäßiges Quartier für empfindliche Pflanzen in der kalten Jahreszeit sein. Foto: Fotolia

Ein Wintergarten vergrößert nicht nur den Wohnraum und bietet einen lichtdurchfluteten Platz, sondern verbindet drinnen und draußen, lässt die Natur durch die Glaswände näher rücken und ist zu jeder Jahreszeit vielseitig nutzbar. Für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel, ganz nach individuellem Bedarf lässt sich heute eine Vielzahl von Formen an bestehende Häuser anbauen. Der optimal situierte und konstruierte Wintergarten nutzt Sonnenenergie viele Monate im Jahr direkt als Wärmequelle. 

Der Wintergarten hat seinen Ursprung in den herrschaftlichen Orangerien und Palmenhäusern sowie dem englischen Conservatory. Im 18. Jahrhundert entstanden in England luxuriöse, private Wintergärten als Anbauten an Häuser der Wohlhabenden. Im viktorianischen Zeitalter waren Orangerien populär, die Konstruktionen aus Glas und Stahl waren reich verziert. Erstmals wurden Wintergärten als Wohnräume benutzt und dienten nicht mehr nur der Aufbewahrung von Pflanzen. Ende des 19. Jahrhunderts kamen Wintergärten auch in Deutschland in Mode, als Anbauten von Bürgerhäusern und Ferienpensionen. 

Die meisten Wintergärten haben heute einen rechteckigen Grundriss und ein Pultdach, einen einfachen Rahmen und standardisierte Fenster und Türen. Es gibt jedoch auch aufwendige Varianten im viktorianischen Stil mit kleinteiligem Raster, speziellen Dachformen und Erkern. Konstruktionen mit sechs oder gar acht Kanten bereichern den Wintergarten mit abgerundeten Elementen.

Grundsätzlich unterscheidet man drei Typen. Ein Wohnwintergarten hat eine Raumtemperatur von mehr als 19 Grad und wird ganzjährig genutzt. Ein kühler Wintergarten wird im Winterhalbjahr auf 12 bis 19 Grad beheizt und ist nicht so stark gedämmt. Ein kalter Wintergarten ist ein Glasanbau, der kaum beheizt wird. Bei der Planung eines Wintergartens müssen zuerst die Lage und Ausrichtung und die künftige Nutzung überdacht werden. Für eine optimale Sonneneinstrahlung dürfte im Regelfall die Südseite für den Anbau eines Wintergartens am besten geeignet sein, allerdings haben alle Himmelsrichtungen ihre Vorzüge. Keineswegs muss ein Wintergarten immer ans Wohn- oder Esszimmer angefügt werden, auch ein Anbau an der Küche oder dem Schlafzimmer hat Vorzüge und Charme. 

Der richtig konstruierte Wintergarten nutzt den Glashauseffekt, um möglichst wenig zu heizen. Selbst bei geringer direkter Sonneneinstrahlung wird der Innenraum spürbar erwärmt, und in der Übergangszeit sorgt der Wintergarten für einen Temperaturausgleich: Die einfallenden Sonnenstrahlen erwärmen das Glas, das diese Energie an den Wohnraum weitergibt. Hochdämmende Materialien sorgen im beheizten Wohnwintergarten dafür, dass es warm bleibt, ganz gleich, wie kalt es draußen wird. 

Dann braucht es eine geeignete Rahmenkonstruktion, Be- und Entlüftung, ausreichend Schatten für die heißen Sommertage, Verglasung, Heizung sowie einen Unterbau. Aluminium ist heute die erste Wahl beim Bau eines Wintergartens, weil das Material viele Vorzüge bietet: Es ist sehr leicht mit einer hohen Tragfestigkeit und lässt sich zu anspruchsvollen und schlanken Profilen verarbeiten. Es ist äußerst witterungsbeständig, rostet nicht, trotzt Wind und Wetter und kann leicht gereinigt werden. Durch eine spezielle Einbrennlackierung lässt sich Aluminium optisch gestalten, etwa an das bestehende Wohnhaus anpassen. Bei Wohnwintergärten müssen die Aluminiumprofile eine Dämmschicht enthalten, die die Außen- und Innenseite der Profile voneinander trennt. 

Konstruktionen aus Holz und Aluminium sind aus optischen Gründen beliebt. Innen vermitteln die tragenden Holzkonstruktionen aus Kiefer, Fichte oder Lärche eine wohnliche und natürliche Atmosphäre sowie eine hervorragende Wärmedämmung. Die Aluminium-Deckschalen im Außenbereich sind robust und langlebig und schützen dadurch das dahinterliegende Holz vor jeglichen Umwelteinflüssen. Die Verglasung ist wichtig, nicht nur für den optischen Eindruck, sondern auch in Bezug auf Energieeffizienz, Schall- und Einbruchschutz. Die Auswahl ist groß, und die Entscheidung hängt von persönlichen Bedürfnissen ab: Wärmedämmglas, auch Isolierglas genannt, bietet optimale Wärmedämmung bei hoher Energiedurchlässigkeit. So erreichen Fenster mit dreifachem Isolierglas Wärmedämmwerte, die mit gut gedämmtem Mauerwerk vergleichbar sind. Dafür sorgt eine spezielle Beschichtung, die im Winter die Wärme nicht heraus- aber die wärmenden Sonnenstrahlen hineinlässt. Die Kombination dieser beiden Effekte wirkt sich nicht nur spürbar positiv auf die Heizkosten aus, sondern erfüllt höchste Ansprüche an Komfort und Behaglichkeit. Wärmedämmglas besteht in der Regel aus Floatglasscheiben entsprechend den statischen Anforderungen und einem zweistufigen, diffusionsdichten Randverbund. Auf einer Oberfläche im Scheibenzwischenraum ist eine hauchdünne, unsichtbare Edelmetallbeschichtung aufgebracht. Eine Füllung des Zwischenraumes – meist aus einem Edelgas wie Krypton oder Argon – und ein optimaler Scheibenabstand verhindern den Wärmeverlust zwischen den Scheiben fast vollständig und verbessern die Dämmwerte. 

Funktionsgläser sind Gläser, die besondere Eigenschaften aufweisen, etwa UV-Schutz, Schallschutz, Selbstreinigung oder Einbruchhemmung. Multifunktionsgläser vereinen gleich mehrere solcher  Eigenschaften. Man kann Profile mit Mehrfachverglasung einsetzen, allerdings nimmt dann auch die Dicke der Profile zu. Je mehr Funktionen das Glas erfüllen soll, desto aufwendiger wird die Konstruktion.

Peter Bierl

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