
Sportlich fahren - aber mit Vernunft. Das ist eigentlich ein Widerspruch, der sich kaum auflösen lässt. Im Elektro-Zeitalter scheint das nun aber möglich. Wird einem zumindest suggeriert. Denn Stromer machen keinen Lärm und verbrennen kein Benzin. Zwei besondere Sportwägen sind Hyundai Ioniq 5N und Kia EV6 GT. Technische Zwillinge mit 609 PS Leistung und einem Drehmoment von 740 Nm, die in 3,4 Sekunden von 0 auf 100 preschen. Aber ist das auch vernünftig?
Der Unterschied zwischen den beiden Sport-SUVS besteht im Aussehen und im Preis. Der Hyundai Ioniq 5N ist ebenso wie das herkömmliche Serienmodell ein eher kantiger Bursche, während der aus dem gleichen Konzern stammende Kia EV6 GT mit fließender Eleganz glänzt. Im Interieur sind die Unterschiede marginal - mit Ausnahme, dass der Hyundai rötliche Farb-Akzente setzt, beim Kia ist es Gelb. Die Mittelkonsole wurde anders gestaltet, auch die Grafiken auf den beiden 12,3 Zoll großen Displays sind anders. Auf beiden Lenkrädern thront eine farbige Taste. Mit ihr kann man zehn Sekunden lang bis zu 650 PS freischalten. Hyundai nennt es den Grin-Boost. Dem ein oder anderen dürfte bei der gewaltigen Beschleunigung das Grinsen vergehen - mit solch einer Wucht werden hier die Kräfte an allen vier Rädern entfesselt.
Zugegebenermaßen: Es macht schon Spaß, an der Ampel einen herkömmlichen Porsche 911 mit einem breiten Grinsen stehen zu lassen. Aber ist das auch vernünftig, wenn man sich den Verbrauch ansieht? Zwar ist es kein Benzin, das hier fließt, sondern Strom, und der kostet ja auch Geld und in diesem Fall Reichweite. Normalerweise würde man mit der 84 kWh großen Batterie bis zu 450 Kilometer weit kommen. Bei sportlicher Fahrweise dürfte der Wert auf 200 Kilometer zusammenschnurren, wenn überhaupt. Verbräuche von knapp über 20 kWh dürften Seltenheitswert haben, bei unseren Testfahrten tendierten wir eher zu 30 kWh. Auch weil die Temperaturen niedrig waren. Aufgeladen wird der Akku mit bis zu 350 kW dank 800-Volt-Technik - im Idealfall bringt man die Batterie in 18 Minuten von zehn auf 80 Prozent. Das ist eine Pause, die man bei flotter Fahrweise auch einlegen sollte. Die beiden Elektro-Boliden zehren schon an den Nerven.

Dass Kia und Hyundai mit deutlich über zwei Tonnen echte Schwergewichte sind, merkt man beim Fahren nicht. Die Lenkung ist leicht, die Traktion ist dank Allrad-Antrieb satt. Dämpfer und Federn halten das Auto präzise auf der Straße - auch, wenn es um die Kurven geht. Den Fahrspaß kann man sogar noch künstlich steigern. Denn Hyundai hat den beiden Autos nicht nur einen zuschaltbaren Sound verpasst, der entweder nach Achtzylinder klingt oder nach einem Düsenjäger. Es gibt sogar einen speziellen Modus, bei dem die Elektronik ein Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe simuliert. Die Schaltvorgänge wirken verblüffend echt, sogar ein Drehzahlbegrenzer wird nachgeahmt. Bislang gab es das nur für den loniq 5N, neuerdings auch beim Facelift des EV6 GT, der - oh Wunder - sogar billiger geworden ist seit Anfang des Jahres. Der Kia kostet jetzt 69.990 Euro. Und das hat direkte Auswirkungen auf den Geldbeutel. Denn unter 70.000 Euro sinkt die Dienstwagen-Besteuerung von 1,0 auf 0,25 Prozent. Hyundai-Kunden müssen weiterhin die höhere Rate berappen, der loniq 5N kostet nämlich 74.900 Euro. Das ist viel Geld - auch für zwei wirklich vernünftig unvernünftige Sportwagen.
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