Ein Elektro-Auto ein echter Abarth? Was würde Karl Abarth dazu sagen? Sorry Carlo natürlich. Auf seinen italienischen Vornamen legte er Wert: der gebürtige Wiener, Gründer der sportlichen Kult-Marke, erfolgreicher Rennfahrer und genialer Konstrukteur. Mit aufgemotzten kleinen Autos verdiente Abarth in den 50er- und 60er-Jahren richtig viel Geld. Der Fiat 600 war die perfekte Basis für unzählige Abart(h)en - darunter auch ein gewisser 850 TC. 60 Jahre danach spielt der Oldtimer wieder eine bedeutende Rolle. Denn sowohl das Haifischmaul, das damals einen zusätzlichen Kühler beherbergte, als auch ein markanter Heck-Spoiler, der aus einer aufgestellten Motorhaube bestand, feiern im 600e Abarth ihre Auferstehung.
Federführend bei der Entwicklung des 4,19 Meter langen „Skorpions“ war nebenden Abarth-Experten auch die Rennsport-Abteilung von Stellantis. „The most Abarth ever“ dieser ambitionierte Anspruch schwebte über dem Projekt. Überarbeitet wurden alle Komponenten, die für eine gute Performance wichtig sind. Los ging es bei Karosserie und Aerodynamik.
Der Skorpion liegt 25 mm tiefer, die Spur ist vorne 30 mm breiter, hinten 25 mm. Dazu kommen ein eckiger und durchströmter Dachkantenspoiler und die gestreiften schwarzen Stoßfänger - schon sieht der 600er richtig bullig aus. Im Serienfahrzeug werkeln 156 PS. Beim Abarth sind es 240 oder sogar 280 PS. Je nach Modell. Der schärfere „Scorpionissima“ wird allerdings nur 1.949 Mal gebaut. Die Zahl ist eine Hommage an das Gründungsjahr der Marke. Natürlich ist der Ober-Skorpion um 0,3 Sekunden schneller beim Spurt auf die magische Tempo-100-Marke: 5,9 Sekunden sind es am Ende. Die Power kommt ausschließlich auf die Frontachse.
Um hier für eine saubere Traktion zu sorgen, setzen die Entwickler auf ein mechanisches Torsen-Sperrdifferenzial, das die Antriebsmomente zwischen den beiden Reifen verteilt. Und siehe da: Die Beschleunigung geht verlustfrei vonstatten, keine schubbernden Reifen auf der feuchten Fahrbahn- und aus den Kurven heraus beschleunigt der Abarth präzise und sauber. Der Nervenkitzel am Limit zu sein, wird vom ESC noch unterstützt, das im schärfsten Modus „Scorpion Track“ sogar kontrolliertes Driften erlaubt. Quietschende Reifen, pochende Herzen, schwitzende Hände - wem hier die Emotion fehlt, der sollte erwägen, eine Sitzung mit seinem Psychiater anzuberaumen wegen Verdachts auf Gefühllosigkeit.
Ach ja, fast hätten wir es vergessen: Der Abarth ist ein Elektro-Auto. Seine Batterie ist mit 51,5 kWh (netto) nicht sonderlich groß und soll für Reichweiten um die 320 Kilometer gut sein. In der Praxis ist das bis zu einem Drittel weniger. Gerade wenn man den Abarth scheucht, was ja im Sinne des Erfinders ist. Deshalb sind die Verbrauchsangaben mit 18,6 kWh hypothetisch.
Beim Aufladen geht es mit 100 kW zur Sache (DC) das ist schlechter Durchschnitt. Hätte Carlo der Schmäh gefallen, den das Auto ausstrahlt mit solch extrovertierten Lackierungen wie „Acid Green“ oder „Hypnotic Purple“? Wie hätte er den Soundgenerator gefunden, den es nur im „Scorpionissima“ gibt und der so klingt, als ob man einen Achtzylinder mit einem Raumschiff gekreuzt hätte? Wir wissen es nicht und werden es auch nie erfahren. Wir können nur sagen: Wenn Abarth schon elektrisch werden muss, dann geht es nur so.
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