Familie zu haben, tut gut: Demnach freuen sich 46 Prozent der Eltern von minderjährigen Kindern auf die Zukunft. Im Bevölkerungsschnitt sind das nur 42 Prozent. Und das, obwohl die Krisen der vergangenen Jahre, wie die Coronapandemie oder die Preissteigerungen, Familien besonders stark getroffen hätten, heißt es im Familienreport 2024 des Bundesfamilienministeriums. Der Familienreport beschreibt die verschiedenen Lebenslagen von Familien in Deutschland. Zuletzt wurde er 2020 veröffentlicht. Überhaupt geben familiäre Beziehungen Halt in Zeiten des Umbruchs. Auf die Frage, wer ihnen in schwierigen Zeiten helfen kann, antworteten 82 Prozent der Bevölkerung, dass sie auf Mitglieder in der Familie zählen könnten. Außerdem zeigten sich Eltern mit Kindern insgesamt zufriedener als Kinderlose.
Die Ehen halten wieder länger
Familie steht für die meisten Menschen für etwas Positives und wird zugleich ganz unterschiedlich gelebt, auch das verdeutlicht der Report. Verheiratete Eltern waren 2022 die häufigste Familienform (69 Prozent). In der Mehrheit der Familien leben ein (49 Prozent) oder zwei Kinder (38 Prozent). In über 40 Prozent aller Familien ist mindestens ein Elternteil eingewandert. 2022 betrug die amtliche Geburtenziffer 1,46 Kinder pro Frau und ist damit gegenüber 2021 (1,58) deutlich zurückgegangen. Deutschland liegt damit nach wie vor im europäischen Mittelfeld. Rückgänge der Geburtenraten seien auch in anderen Ländern Europas zu beobachten und kein deutsches Phänomen, so der Report. Die meisten Menschen in Deutschland heiraten mindestens einmal in ihrem Leben und im Zeitvergleich halten die Ehen länger als früher, wie die weiter steigenden Zahlen der Eheschließungen und die zunehmende Ehedauer bis zur Scheidung zeigen. 2022 waren zum Zeitpunkt der Scheidung rund 18 Prozent der Paare mindestens im 25. Jahr verheiratet. Die Scheidungen nehmen dagegen weiter ab. Den meisten Familien geht es wirtschaftlich gut. Dabei stehen Familien mit Kindern wirtschaftlich nicht viel schlechter da als kinderlose Haushalte. Mehr Mütter arbeiten, und sie arbeiten länger. So waren 2022 69 Prozent aller Mütter erwerbstätig (2008: 63 Prozent), durchschnittlich mit 27,8 Stunden pro Woche. Väter sind immer seltener Alleinverdiener: 2022 lag der Anteil der Elternpaare, die dieses Modell umsetzen, nur noch bei 26 Prozent im Vergleich zu 33 Prozent im Jahr 2008.
Wenn die Aufgaben gleichgewichtig verteilt sind, ist das Familienklima besonders gut
Mit der Geburt des ersten Kindes stellen Paare zentrale Weichen für die Aufgabenteilung. Sind die Aufgaben gleichgewichtig verteilt, berichten die Paare deutlich häufiger als andere über ein gutes Familienklima. Die partnerschaftliche Aufgabenteilung ist das größte Problem, zeigt der Report. Denn vielen Ehepaaren gelingt es noch nicht, dies in die Realität umzusetzen. So sind die angehenden Eltern vor der Geburt des ersten Kindes mit großer Mehrheit beide (nahezu) Vollzeit berufstätig. Nach der ersten Elternzeit kehren Mütter dann mehrheitlich in Teilzeit in den Beruf zurück. Diese Aufteilung wird für lange Zeit beibehalten. Im Vergleich zu 2012 verbringen Mütter heute mehr Zeit mit Erwerbsarbeit, aber gleichzeitig auch mehr Zeit mit Kinderbetreuung. Die ungleiche Verteilung der unbezahlten Sorgearbeit zwischen Männern und Frauen hat sich seit 2012 insgesamt leicht verringert, ist aber nach wie vor hoch. 2022 brachten Frauen täglich 44,3 Prozent mehr Zeit für unbezahlte Sorgearbeit auf als Männer. 75 Prozent der verheirateten Mütter übernehmen den Großteil der Kinderbetreuung, aber nur 48 Prozent finden das ideal. Auch wenn es immer noch große Unterschiede zwischen Müttern und Vätern gibt, haben sich die Einstellungen geändert. Väter beteiligen sich heute mehr an der Hausarbeit als früher; fast die Hälfte der Eltern möchte Familie und Beruf gleichmäßiger aufteilen und mehr als drei Viertel der Eltern wünschen sich eine (annähernd) gleiche Aufteilung der Kinderbetreuung. 58 Prozent der Väter sagen heute, dass sie zu wenig Zeit für die eigenen Kinder haben – deutlich mehr als noch vor zehn Jahren.