Seit anno 1891 wurde aus der Wasserkraft der Amper Strom gewonnen. Möglich gemacht hat das damals Oskar von Miller, der besondere Beziehungen zum Markt hatte. Dort war 1813 sein Vater geboren, der berühmte Erzgießer Ferdinand von Miller, der die bronzene Bavaria schuf. Vor 90 Jahren ist Oskar von Miller in München gestorben.
Oskar von Miller kam 1855 zur Welt, als eines von 14 Kindern des Erzgießers. Er studierte Eisenbahn- und Brückenbau und trat 1878 in den königlich-bayerischen Staatsdienst ein. 1881 reiste er als bayerischer Vertreter zur ersten großen elektrotechnischen Ausstellung in Paris. Miller war begeistert von dem, was er in der französischen Hauptstadt sah und organisierte ein Jahr später mit der „Internationalen Elektricitäts-Ausstellung“ in München die erste derartige Veranstaltung in Deutschland. Die größte Attraktion war die Übertragung von Strom von einem Kraftwerk in Miesbach über 57 Kilometer nach München. Im dortigen Glaspalast, wo die Ausstellung stattfand, sollte eine zweite Dynamomaschine eine Pumpe antreiben, die wiederum einen zwei Meter hohen Wasserfall speiste. Der Energieverlust war mit 75 Prozent enorm, wegen Störungen funktioniert die Anlage nur wenige Tage, aber das Publikum war begeistert. Die Schau machte Oskar von Miller bekannt. 1883 wurde er Direktor der Deutschen Edison Gesellschaft, aus der 1888 die AEG hervorging. 1884 heiratete er die Kunstmalerin Marie Seitz, eine Protestantin, mit der er sieben Kinder hatte.
1889 gab Miller den Posten bei der AEG nach einigen Querelen auf und machte sich in München als Ingenieur selbständig. Er begutachtete und plante den Bau von Elektrizitätswerken im In- und Ausland. 1891 übernahm Oskar von Miller die Leitung der internationalen elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt am Main, die den Elektroboom des deutschen Kapitals einleitete. Das Highlight war erneut eine Stromübertragung, diesmal über 170 Kilometer von Lauffen am Neckar nach Frankfurt.
Miller war nicht bloß Erfinder, sondern auch Geschäftsmann
Im selben Jahr beauftragte ihn der Brucker Magistrat, ein Elektrizitätswerk zu bauen. Weil Miller nicht bloß ein Erfinder war, sondern auch ein Geschäftsmann, kalkulierte er, dass sich Strom nur rentabel produzieren ließ, wenn eine entsprechend große Nachfrage geschaffen wurde. Er machte deshalb den Hauseigentümern in Bruck das Angebot, sich für nur 20 Mark an das neue Stromnetz anschließen zu lassen. Dadurch avancierte Bruck zum ersten Ort in Deutschland, in dem sämtliche Haupt- und Nebenstraßen elektrifiziert waren.
Lange vor dem Ersten Weltkrieg begann Oskar von Miller mit dem Aufbau des Bayernwerks und dem Walchenseekraftwerk sowie dem Deutschen Museum, dessen Gebäude auf der Isarinsel in München 1925 bezogen wurde. 1909 wurde er vom Prinzregenten Luitpold zum Reichsrat der Krone auf Lebenszeit ernannt. Während von Miller anfangs den Eroberungskrieg unterstützte, war er später Realist genug, um eine Niederlage vorherzusehen und forderte deshalb bereits im Sommer 1917 einen Frieden ohne Annexionen.
Am 30. März 1933 trat Oskar von Miller als Museumsleiter zurück
Um den Bau des Walchenseekraftwerks voranzutreiben, kooperierte Oskar von Miller nach der Novemberrevolution mit der neuen Regierung unter Kurt Eisner (USPD). Im März 1919 berief ihn die Reichsregierung als Sachverständigen in die Delegation für die Verhandlungen in Versailles. Im März 1933 weigerte sich von Miller, die Hakenkreuzfahne auf dem Museumsturm hissen zu lassen, die Parteileitung drohte mit dem Einsatz von Gewalt. Miller gab schließlich nach und trat am 30. März als Museumsleiter zurück, wofür er persönliche und gesundheitliche Gründe anführte. Am 9. April 1934 starb Oskar von Miller in seinem Ingenieurbüro nach einem Herzanfall.