Zwischen den beiden Weltkriegen war die kleine Siedlung Eichenau das bedeutendste Pfefferminzanbaugebiet Deutschlands. Das Heilkraut wurde auf mehr als 400.000 Quadratmetern angebaut. Heute erinnert daran noch ein eigenes kleines Museum. 1907 lebten auf dem Gelände, damals ein Teil der Gemeinde Alling, etwa 40 Personen. Aus München zogen Menschen zu, angelockt von den günstigen Immobilienpreisen. 1918 brachte Adolf Pfaffinger, ein Beamter, aus dem Versuchsgarten der Bayerischen Landesanstalt für Pflanzenbau und Landesschutz in Weihenstephan einen Rucksack voller Wurzeln der englischen Mitcham-Minze mit. Er baute die Pflanze auf seiner Parzelle an, anfangs von den Nachbarn belächelt.
Es stellte sich heraus, dass der Pfefferminze der Moorboden taugte. Daraufhin begannen andere Siedler mit dem Anbau. Allerdings bedeutete der Anbau harte Arbeit, die vor allem von Frauen geleistet wurde. Unkraut musste per Hand beseitigt und der Zeitpunkt der Ernte mit Bedacht gewählt werden, damit Heilkraft und Aroma voll zur Geltung kamen. Der Schnitt hatte fachgerecht zu erfolgen, nach dem Häckseln mussten die Pflanzen getrocknet werden.
Im Frühjahr oder Herbst müssen die Wurzeln aus dem Boden genommen und an anderer Stelle wieder in Furchen gelegt werden. Die Pfefferminze wuchert sehr stark und ohne dieses Umsetzen würde die Pflanze sich so stark verwurzeln, dass man den Boden nicht mehr lockern und Unkraut jäten könnte.
Boomendes Geschäft
Dennoch boomte das Geschäft. Auf den verschiedenen Teeplantagen waren etwa 150 Personen beschäftigt. Die Eichenauer produzierten ausschließlich teure Ware für Apotheken und Drogerien. Der „Eichenauer Blattkrüll“ war damals allgemein bekannt, sein Ölgehalt außergewöhnlich. Geliefert wurde an Großhändler und pharmazeutische Betriebe.
In den sogenannten Wirtschaftswunderjahren endete das große Geschäft, wegen billiger Importe und weil die Immobilienpreise stiegen. Anbauflächen in Bauland zu verwandeln, erwies sich als lukrativer.
Das Pfefferminzmuseum befindet sich im Nebengebäude der Starzelbachschule in der Parkstraße 43 in Eichenau und ist sonntags von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Außerdem gibt es Führungen für Gruppen ab zehn Personen nach Voranmeldung. Weitere Informationen unter www.minzmuseum.de