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Germeringer Wunschbrunnen: Geschichtsträchtiges Objekt

Der sogenannte Wunschbrunnen aus der Bronzezeit ist derzeit in einer Ausstellung in Halle zu sehen und wird anschließend in die Dauerausstellung im Museum Zeit und Raum zurückkehren

Germeringer Wunschbrunnen: Geschichtsträchtiges Objekt

Foto: Museum Germering

Der Germeringer Wunschbrunnen ist bis Mitte Oktober in Halle zu sehen, in der Ausstellung über Magie im Landesmuseum neben der berühmten bronzenen Himmelsscheibe von Nebra. Beide Objekte stammen aus der Bronzezeit und dienten rituellen Zwecken. Danach kommt das Germeringer Objekt wieder zurück in die Dauerausstellung im Museum Zeit und Raum.

Dass der sogenannte Wunschbrunnen in Halle gezeigt wird, hängt damit zusammen, dass einer der Mitarbeiter des dortigen Museums in München studiert und in Germering mitgegraben hat. Der Fund stammt von dem großen Gelände des Briefverteilzentrums, wo Archäologen unter Leitung des Stadtarchivars Marcus Guckenbiehl in den vergangenen Jahren insgesamt rund 13.500 Befunde entdeckten. Gefunden wurden Keramikscherben, Tierknochen, Webgewichte, Eisenschlacken und Schmuck. Die Funde belegen, dass die Bewohner Ackerbau und Viehzucht betrieben, aber auch Textilien und Metallwerkzeuge herstellten.

Tongefäße und Gewandnadeln aus Bronze

Der sogenannte Wunschbrunnen dürfte mehr als 3000 Jahre alt sein und reichte einst fünf Meter tief in den Boden. Am Grund wurden Tongefäße und 26 Gewandnadeln aus Bronze geborgen, die wohl nicht zufällig dort landeten, sondern absichtlich hinabgelassen wurden, weshalb die Forscher von rituellen Zwecken ausgehen. Zu dem Zeitpunkt diente der Brunnen nicht mehr dem Zweck, Wasser zu schöpfen, was wiederum Rückschlüsse auf klimatische Verhältnisse zulässt, eine Trockenheit, die dazu führte, dass der Grundwasserspiegel sank.

Bei der Keramik handelt es sich nicht um einfaches Alltagsgeschirr, sondern um feingearbeitete, verzierte Schalen, Tassen und Töpfe. Durch diese Schätze unterscheidet sich der Wunschbrunnen von den vielen anderen auf der Grabungsfläche auf rund sieben Hektar. Mehr als 70 Brunnen wurden von der Bronzezeit bis ins frühe Mittelalter dort angelegt.

Verfügbarkeit von Wasser

Sie verweisen auf einen der wesentlichen Gründe, warum sich Menschen schon vor Jahrtausenden in Germering niederließen: Die Verfügbarkeit von Wasser sowie der fruchtbare Lößboden auf dem Parsberg, wo es auch Lehm für Keramik und Häuserbau gab, lockten sie an und zwar vorzugsweise in den Norden des heutigen Stadtgebiets, erklärt Guckenbiehl. Denn dort steht das Grundwasser nur wenige Meter unter der Oberfläche, im Süden hingegen, im Bereich der Autobahn, hätten die Menschen 14 bis 16 Meter tief graben müssen.

Die rege Bautätigkeit in der modernen Stadt förderte viele Relikte zutage, aus der Bronzezeit, von Kelten, Römern und Bajuwaren und aus dem Mittelalter. Beim Ortsteil Nebel hatte eine Gruppe von Jägern und Sammlern in der mittleren Steinzeit einen Lagerplatz errichtet. Derzeit werden mehrere Straßen saniert, was den Archäologen neue Gelegenheiten bietet.

Im Bereich der Oberen Bahnhofstraße im Nordwesten der Stadt entdeckten Guckenbiehl und sein Team die Reste sowohl einer bronzezeitlichen als auch einer weiteren frühmittelalterlichen Siedlung. Gefunden wurden vor allem Tierknochen und Scherben, was einige Rückschlüsse auf den Alltag zulässt. Mit schwarzem Humus verfüllte Löcher im Boden verweisen auf Pfosten von Häusern. Die Menschen, die im frühen Mittelalter dort lebten, wohnten in kleinen Hütten und Grubenhäusern.

Foto: Bierl
Foto: Bierl

Eine Auswahl dieser Schätze ist in der Dauerausstellung im städtischen Museum zu sehen, das sich hinter dem Rathaus befindet. Der Besucher kann sich über die geologischen Grundlagen informieren, bevor die Geschichte der Siedlung dargestellt wird. Diese beginnt mit einem Rastplatz aus der Mittelsteinzeit, anhand von Relikten aus Gräbern und Brunnen wird gezeigt, wie die Menschen damals im Raum Germering lebten. Die Steinzeit endet mit dem Aufkommen der Bronze, es folgt die keltische Eisenzeit mit Neuerungen wie Glas und Münzen. Römische Siedlungen können in Germering bereits für die erste Hälfte des ersten Jahrhunderts nachgewiesen werden.

Den Übergang in das frühe Mittelalter, der schwer zu bestimmen und zu greifen ist, markiert die Bestattung einer Frau aus spätantiker Zeit, bevor die Reihengräberfelder des frühen Mittelalters einsetzten. Dass es sich um einen zivilisatorischen Rückschritt handelte, sieht man daran, dass die Menschen in Germering offensichtlich nicht mehr in Steinbauten lebten, sondern Häuser aus Lehm und Holz bauten. Im Mittelalter lebten vermutlich etwa 150 Menschen in Germering, während die heutige Stadt mehr als 41.000 Einwohner zählt.

Zum Museum gehören über das Stadtgebiet verteilte Stationen und Tafeln eines Rundwegs, die am Ort des Geschehens über verschiedene Themen informieren. Im Museumsshop können Schriften zur Germeringer Geschichte und Archäologie sowie Postkarten und Repliken erworben werden. Das Museum ist sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet.

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