Fast drei Viertel der Menschen über 65 sind heute im Netz. Das zeigt eine neue repräsentative Studie zur digitalen Teilhabe älterer Menschen, die das Bundesseniorenministerium und der Digitalverband Bitkom kürzlich vorstellten. Die Botschaft ist klar: Seniorinnen und Senioren sind digitaler, neugieriger und anspruchsvoller, als viele denken. „Immer mehr Menschen über 60 nutzen digitale Angebote“, betonte Bundesseniorenministerin Karin Prien bei der Präsentation der Studie. Gleichzeitig sagte sie, dass es verständliche Begleitung und verlässliche Zugänge brauche, damit digitale Technologien den Alltag von Seniorinnen und Senioren noch besser unterstützen könnten – gerade in ländlichen Regionen. Zudem betonte sie, dass Digitalisierung die Selbstständigkeit, Sicherheit und soziale Teilhabe bis ins hohe Alter stärken könne. Die Zahlen unterstreichen diese Einschätzung eindrucksvoll: 74 Prozent der Menschen ab 65 Jahren nutzen inzwischen das Internet – ein deutlicher Sprung im Vergleich zu 48 Prozent im Jahr 2020.
Besonders aktiv sind die 65- bis 69-Jährigen: Hier sind 98 Prozent online. Mit zunehmendem Alter sinkt die Nutzung zwar, doch selbst bei den über 80-Jährigen ist es immerhin noch knapp die Hälfte. Für die meisten ist das Internet längst Alltag: 92 Prozent schreiben E-Mails, 80 Prozent erledigen ihr Online-Banking digital und 76 Prozent kaufen online ein. Soziale Netzwerke nutzen 60 Prozent, Videoanrufe etwa 50 Prozent – der digitale Kontakt zu Familie und Freundeskreis ist für viele unverzichtbar geworden. Grundsätzlich sehen 81 Prozent der Senioren die Digitalisierung als Chance für die Gesellschaft. Zwei Drittel wünschen sich sogar ein höheres Tempo. Gleichzeitig zeigt die Studie auch Unsicherheiten: Die eigene Digitalkompetenz bewerten die Befragten im Schnitt nur mit der Schulnote 3,2. Je älter die Menschen sind, desto größer werden die Selbstzweifel. Entsprechend hoch ist der Wunsch nach Unterstützung: 96 Prozent fordern Hilfsangebote. 78 Prozent wünschen sich ein Hilfetelefon für digitale Fragen, 66 Prozent kostenlose oder günstige Schulungen vor Ort. Noch immer sind es vor allem Familie und Freunde (54 Prozent), die bei Problemen helfen.
Offen für Neues, auch für KI
Bemerkenswert ist die Offenheit gegenüber neuen Technologien: 58 Prozent stehen Innovationen positiv gegenüber. Rund die Hälfte der über 65-Jährigen hat bereits Künstliche Intelligenz (KI) genutzt oder ausprobiert. Und 52 Prozent können sich sogar vorstellen, eine Kl zu Gesundheitsfragen um Rat zu bitten.
Es braucht verständliche Begleitung und Beratung
Mit Initiativen wie dem Digitalpakt Alter und dem Projekt „Digitaler Engel“ werden Beratungs- und Schulungsangebote gezielt zu den Menschen gebracht, auch in kleinere Städte und ländliche Regionen. Beim Digitalpakt Alter handelt es sich um lokale Anlaufstellen, wo Ehrenamtliche zum Beispiel erklären, wie man ins Internet kommt oder wie man eine App herunterlädt. Der „Digitale Engel“ ist ein mobiles Ratgeberteam, das in Mehrgenerationenhäuser oder Seniorentreffs fährt und dort berät.