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Merkwürdige Mischwesen

Der spektakuläre Werk „Flechten“ blickt in ihre geheimnisvollen Welten

Merkwürdige Mischwesen

Robert Lücking, Toby Spribille: Flechten. Eine Reise in die verborgene Welt der Mischwesen Haupt-Verlag, Bern, 2025; 288 Seiten Fantastische Fotos, viele Grafiken, 44 Euro Foto: Haupt-Verlag

„Dieser gelbe Schimmer da vorn am Felsen - war hier ein Maler unterwegs?“ Der erfahrene Biologe unserer Floratour lächelt milde: „Nein, das sind Flechten. Sieht von hier aus wie eine Xanthoria parietina, eine Gewöhnliche Gelbflechte.“ Aha. Er sieht unsere fragenden Blicke und referiert: „Flechten entstehen aus symbiotischen Beziehungen zwischen Mykobionten und Photobionten, also aus Pilz- und Lichtwesen, zum Beispiel Algen oder Cyanobakterien.“ Interessant. Aber nicht das Thema der Tour.

Deswegen sind wir froh, dass wir kürzlich über „Flechten. Eine Reise in die verborgene Welt der Mischwesen“ (Bern, Oktober 2025; Haupt-Verlag, 288 Seiten, 44 Euro) gestolpert sind. Ein mit leichter Feder verfasstes Einführungswerk, das Naturinteressierte sofort mit seinen spektakulären Nah- und Makroaufnahmen in den Bann zieht. Verfasser sind Dr. Robert Lücking, ein Mykologe und Lichenologe, der die Abteilung „Evolution und Biodiversität im Biologischen Garten Berlin leitet, sowie Dr. Toby Spribille, ebenfalls Lichenologe und Dozent an der University of Alberta in Edmonton.

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Rund 20.000 Flechtenarten sind bisher identifiziert, aber nur ein geringer Teil erforscht. Flechten können in den unterschiedlichsten Umgebungen überleben, von der Tiefsee bis ins All. Aber sie reagieren empfindlich, wenn das Ökosystem ihrer Umwelt aus dem Gleichgewicht gerät. Etwa durch Dummheiten der Menschheit, wie Überdüngung, Luftverschmutzung oder Klimawandel-Effekte. Im Labor konnte bisher keine einzige Flechte nachgebaut werden, selbst wenn ihre Myko- und Photo-Eltern bekannt sind.

Wer einmal für Flechten sensibilisiert ist, sieht sie plötzlich überall: auf Gestein, auf Mauern, an Bäumen, auf Blättern. Sofort stellt sich die Frage: Wie kommen die hierher? „Flechten“ gibt viele Antworten und skizziert aktuelle Forschungsthemen. Übrigens leuchtet Xanthoria parietina nur bei voller Sonneneinstrahlung hellgelb. Im Schatten wirkt sie grau mit gelblichen Rändern. Warum? Siehe Seite 86 des lesenswerten Buchs.


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