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Reisen im Mittelalter mit Anthony Bale

Der britische Historiker erzählt eloquent die Abenteuer unserer reisenden Ahnen: Geschichten über Pilgern, Ritter und Mantichoras

Umschlaggestaltung: Andreas Heilmann und Gundula Hissmann, Hamburg; nach einer Idee von Penguin Random House. Cover: Fischer Verlag
Umschlaggestaltung: Andreas Heilmann und Gundula Hissmann, Hamburg; nach einer Idee von Penguin Random House. Cover: Fischer Verlag

Reisen im Mittelalter waren schwierig, gefährlich und vollkommen anders als heutzutage - das wird schon nach wenigen Seiten des höchst unterhaltsamen Werks des Historikers Anthony Bale klar.

Schon weil es nur zwei Typen von Reisenden gab: Pilgernde und Geschäftsleute, die einen auf religiöser, die anderen auf pekuniärer Mission. Urlaubende oder Erholungssuchende im heutigen Sinne gab es nicht. Bale nimmt seine Leserinnen und Leser mit in die großen europäischen Reisezentren, wie Venedig - der wichtigste Handels- und Pilgerhafen Europas. Hier lebten Anfang des 14. Jahrhundert bis zu 110.000 Menschen - die Pest von 1348 reduzierte die Bevölkerung um die Hälfte. In der Lagunenstadt entwickelte sich eine regelrechte Reiseökonomie, wie Bale berichtet, mit „sakralen“ Kuriositäten, die gegen einen Obolus zu bestaunen waren: darunter ein Zahn des alttestamentarischen Goliath oder der linke Arm des Drachenkämpfers Sankt Georg. „Es gab Gaukler, Zwerge und Prediger“, schreibt Bale, „Herolde verkündeten Nachrichten aus aller Welt.“ 

Manche real, andere gut erfunden, wie die „Reisen des Ritters John Mandeville 1322 - 1356“, ein fiktiver Autor, der seltsame Wesen wie das Mantichoras, mit Menschenkopf, Löwenkörper und Skorpionstachel, gesehen haben wollte. Bale zitiert aus „Ritter Grünembergs (realer) Pilgerfahrt ins Heilige Land 1486“, begleitet Missionare nach Äthiopien und Händler über die Seidenstraße nach Persien, Indien und China - zu Metropolen, die Europas Zentren an Größe und Pracht weit übertrafen. Schilderungen fremder Länder wie die des Venezianers Nicoló de Conti (1395 -1465), der sogar Bali kennenlernte, sind frühe Zeugnisse interkultureller Annäherung, ebenso wie die Erinnerungen des Uiguren Bar Sauma (1220 - 1294), der die Welt von Beijng bis Rom durchquerte.

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Bales Buch verführt zum Schmökern, Staunen und Mitleiden, ein wissenschaftlicher Abenteuerroman, im besten Sinne.

Anthony Bale: Reisen im Mittelalter. Unterwegs mit Pilgern, Rittern und Abenteurern. Kenntnisreich übersetzt von Karin Hielscher S. Fischer 2024, 480 Seiten, 28 Euro, viele Illustrationen


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