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X oder O haben Gefahrenpotenzial

Fehlstellungen der Beine sollten frühzeitig korrigiert werden

X oder O haben Gefahrenpotenzial

Fehlstellungen der Beine sind weit mehr als ein „Schönheitsfehler“. Mit einer Korrektur lässt sich verhindern, dass die Kniegelenke überlastetet werden und dass eine Arthrose entsteht. Foto: Adobe Stock

X- und O-Beine können zu Fehlbelastungen und frühzeitigem Verschleiß der Knorpel am Kniegelenk führen. Dabei sind sich Betroffene dieser Fehlstellungen oft gar nicht bewusst. Doch der Knorpelschwund zieht oft schmerzhafte Gelenkarthrosen bis hin zum künstlichen Kniegelenk nach sich. Besonders junge Erwachsene, die etwa nach längerem Gehen oder Joggen an Knieschmerzen leiden, sollten deshalb mögliche Achsenabweichungen ihrer Beine rechtzeitig von einem Orthopäden oder Unfallchirurgen abklären lassen.

Schmerzhafte und fortgeschrittene Gelenkarthrosen sind der häufigste Grund für die Implantation eines künstlichen Kniegelenks. Zu den Ursachen für eine verfrühte und übermäßige Abnutzung des Gelenkknorpels gehören Fehlbelastungen der Gelenke durch X- und O-Beine. Fachärztinnen und -ärzte raten daher dringend, schon leichtere Beschwerden, etwa einen Anlauf- und Belastungsschmerz beim Aufstehen oder Treppensteigen, abklären zu lassen, denn sie können Frühwarnzeichen für eine Überlastung von Kniegelenken, Knorpeln und Menisken sein. Werden diese rechtzeitig erkannt, kann der Gelenkknorpel möglicherweise noch gerettet werden. Optimal ist eine gerade Beinstellung. Hier liegen die Mitte von Hüfte-, Knie- und Sprunggelenk auf einer Achse. Mit Ganzbeinröntgenaufnahmen, die im Stehen angefertigt werden, bestimmen Ärzte Abweichungen der Beinachse gradgenau. Einen ersten “Selbsttest“ über die eigene Beinstellung kann sich aber jeder vor dem Spiegel, mit kurzer Hose oder Leggings bekleidet, verschaffen, wie die Krankenkasse AOK schreibt.

Orthopädische Einlagen und Physiotherapie

„Die meisten Menschen haben von Natur aus leichte X- oder O-Beine“, sagte Professor Florian Gebhard, ärztlicher Direktor der Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Ulm, der Krankenkasse AOK. „Verursachen sie keine Beschwerden, bedürfen sie in der Regel auch keiner Behandlung.“ Bei einer X-Bein-Stellung weichen Unterschenkel und Füße von der Ideallinie nach außen ab, die Knieinnenseiten berühren sich, nicht aber die Fußknöchel. Dadurch werden die Außenseiten des Kniegelenks zu stark belastet. Beim O-Bein haben die Fußknöchel Kontakt, die Knie stehen jedoch weit auseinander. Die Hauptlast liegt hier auf der Innenseite der Kniegelenke. Die Folge beider Achsabweichungen: frühzeitige Kniearthrosen.

Erste therapeutische Maßnahmen sind maßgefertigte Einlagen und Schuhaußenbeziehungsweise Innenranderhöhungen, die Überbelastung ausgleichen sollen. Zudem raten Ärzte zur gezielten Physiotherapie zwecks Stellungskorrektur und Kräftigung der beteiligten Muskelpartien rund um das Kniegelenk. Und nicht zu vergessen: Übergewicht abzubauen hilft ebenfalls sehr. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, um die Lasten besser zu verteilen, lohnt es sich oft, die Beinachse operativ zu begradigen.

Bei der sogenannten Umstellungsosteotomie sägt der Chirurg den Knochen zu 90 Prozent durch und klappt ihn so weit auf, dass die Beinachse wieder stimmt. Die dabei entstandene Lücke ist oft so gering, dass sie von alleine zuwächst. Alternativ kann der Arzt den Leerraum mit patienteneigenem Knochen aus dem Beckenkamm oder künstlichem Knochenmaterial füllen. Anschließend stabilisiert er das OP-Gebiet mit einer Platte, die er nach Abschluss der Heilung wieder entfernt. Bei O-Beinen findet die Korrektur meist am Schienbeinknochen statt, bei X-Beinen auch am Oberschenkelknochen.

„Eine Osteotomie ist ein sehr hilfreicher und bewährter Eingriff, um den Gelenkknorpel in möglichst gutem Zustand zu erhalten und damit eine Knieprothese hinauszuzögern“, sagte Professor Gebhard. “Wegen des besseren Heilungspotenzials tendieren wir jedoch dazu, eher jüngere Patienten damit zu versorgen.“ Die Operation sei allerdings nur sinnvoll, solange die Arthrose nicht stark fortgeschritten sei. Deshalb sei es wichtig, den Eingriff rechtzeitig in Erwägung zu ziehen. Mit anderen Worten: Fehlstellungen früh erkennen, sie früh behandeln und eine Operation, falls nötig. Denn ein einmal zerstörter Knorpel wächst nicht nach. Dorothea Friedrich

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