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Differenzierte Haltung zu KI

Eine weltweite Studie zeigt große Unterschiede bei der Akzeptanz Künstlicher Intelligenz

Differenzierte Haltung zu KI

Je schwerer die eigene Erkrankung, desto kritischer sehen Patienten den Einsatz von Kl in der Medizin. Foto: Adobe Stock

Was denken Patientinnen und Patienten über den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in der Medizin? Ein Team um Forschende des TUM Klinikums hat das erstmals in einer großen Studie auf sechs Kontinenten untersucht. Das Ergebnis lautet: Je schlechter der eigene Gesundheitszustand, desto eher wird der Einsatz von Kl abgelehnt. Das ist ein Ergebnis der groß angelegten COMFORT-Studie. Sie soll dazu beitragen, künftige Anwendungen der Kl in der Medizin stärker an die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten auszurichten, wie das TUM Klinikum berichtet.

Patientinnen und Patienten befürworteten demnach grundsätzlich den Einsatz von Kl in der Medizin, beispielsweise um Informationen aus MRT-Bildern zu ziehen. Wichtig war ihnen allerdings, dass Entscheidungen nach wie vor von Ärztinnen und Ärzten getroffen werden. Um Künstliche Intelligenz in der Medizin effektiv einzusetzen, ist Akzeptanz durch Patientinnen und Patientinnen unverzichtbar, unabhängig davon, ob Kl als Diagnosewerkzeug, für die Erstellung individueller Behandlungspläne oder für sonstige Anwendungen eingesetzt wird. Das internationale Forschungsnetzwerk der COMFORT-Studie hat dazu rund 14.000 Patientinnen und Patienten in 74 Kliniken in 43 Ländern befragt. Um eine breite Krankheitsvielfalt abzubilden, erfolgte die Rekrutierung in Radiologieabteilungen, die im Auftrag anderer Fachdisziplinen Röntgen-, CT- und MRT-Untersuchungen durchführen. Eine Mehrheit von 57,6 Prozent sah den Einsatz von Kl in der Medizin grundsätzlich positiv. Innerhalb der Kohorte zeigen sich jedoch Unterschiede. Männer wiesen mit 59,1 Prozent Zustimmung eine etwas positivere Haltung als Frauen mit 55,6 Prozent auf. Mit höherer Technikaffinität und höherem selbst eingeschätztem Verständnis von Kl stiegt die Zustimmung deutlich. Unter den Befragten, die angaben, viel über Kl zu wissen, beurteilten 83,3 Prozent deren Einsatz in der Medizin grundsätzlich positiv. Je schwerer jedoch die eigene Erkrankung war, desto ablehnender war auch die Haltung zu Kl. Mehr als die Hälfte der Patientinnen und Patienten mit sehr schlechtem Gesundheitszustand sahen Medizin-Kl sehr negativ“ oder „eher negativ“ (26,6 Prozent bzw. 29,2 Prozent). Unter den Befragten mit sehr gutem Gesundheitszustand lagen diese Werte dagegen bei 1,3 und 5,3 Prozent.„Die exakten Gründe für die negativen Haltungen bei schwer Erkrankten lassen sich aus unserer Studie nicht ablesen“, sagt Dr. Felix Busch, Assistenzarzt am Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie am TUM Klinikum und Erstautor der Studie. Wir vermuten, dass hier Erfahrungen mit dem jeweiligen Gesundheitssystem, die Krankheitslast und psychologische Faktoren eine Rolle spielen.“

Unter den Befragten gab es klare Präferenzen in Bezug auf den Einsatz und die Gestaltung von Kl-Anwendungen. Für 70,2 Prozent war es wichtig, dass Medizin-KI „erklärbar“ ist, das heißt, dass ihre Ergebnisse nachvollziehbar sind. 72,9 Prozent wünschten sich, dass die Technologien als Werkzeuge eingesetzt werden, aber die endgültige Entscheidung bei Ärztinnen und Ärzte liegt. Diagnosen, die ausschließlich von Kl getroffen werden, befürworteten nur 4,4 Prozent. Allerdings wollten zugleich nur 6,6 Prozent, dass Diagnosen vollständig ohne Kl gestellt werden. Die Fragen bezogen sich auf hypothetischen Szenarien, in dem Mensch und Maschine gleichermaßen präzise Diagnosen stellen. „Die Ergebnisse zeigen, dass Erklärbarkeit von Anfang an mitgedacht werden muss“, sagt Felix Busch. Eine methodische Einschränkung ist der Erhebungszeitpunkt im Jahr 2023. „Seitdem haben sich insbesondere Large Language Models stark weiterentwickelt. Die Einstellungen von Patientinnen und Patienten könnten sich verändert haben“, sagt Privatdozent Dr. Keno Bressem, gemeinsam mit Privatdozentin Dr. Lisa Adams Letztautor der Studie.„Um das zu prüfen und die Entwicklung von Medizin-Kl am Bedarf der Patientinnen und Patienten auszurichten, sind Folgebefragungen erforderlich“, ergänzt Lisa Adams. Eine Folgestudie des COMFORT-Konsortiums auf Grundlage des gleichen Fragebogens läuft bereits. dfr

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