Ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk bedeutet nicht das Ende sportlicher Aktivitäten, sondern sollte eher ein Motivationsschub sein. Denn wer sich bewegt, wird oder bleibt fit, stärkt seine Muskulatur und schützt sich vor Folgeerkrankungen. Doch nicht jede Sportart ist gleich gut geeignet. Doch was ist mit einer Prothese möglich und worauf kommt es an? Regelmäßige Aktivitäten haben bekanntlich viele Vorteile für Körper und Gemüt. Sie helfen, Übergewicht, Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen zu vermeiden. Gleichzeitig stärkt Sport die Muskulatur, und nicht zuletzt beugen Krafttraining und gezielte Bewegung Stürzen vor, die für Menschen mit Gelenkprothesen besonders riskant sind.
Sanft trainieren
Doch nicht jede oder jeder kann unmittelbar nach einer Gelenk-OP gleich viel leisten. Entscheidend sind das Alter, das Gewicht und die Vorbereitung. Jüngere Menschen kommen oft schneller wieder auf die Beine als ältere. Ein gesundes Körpergewicht entlastet die Gelenke und erleichtert die Rehabilitation. Wer vor der OP schon sportlich aktiv war, kann danach meist schneller und intensiver wieder einsteigen. Wer eher ein Sportmuffel ist, sollte es langsam angehen lassen und sich im Zweifelsfall einer sportmedizinischen Untersuchung unterziehen. Doch in jedem Fall gilt: Eine Prothese ist nicht mit dem ursprünglichen Gelenk zu vergleichen. Sie soll Gesundheit und Lebensqualität verbessern, aber nicht unbedingt einen Iron Man ermöglichen. Expertinnen und Experten empfehlen die sogenannten Low-Impact-Sportarten, die die Gelenke nur minimal belasten. Dazu gehören beispielsweise Radeln, Nordic Walking, Wandern in der Ebene, Skilanglauf oder Golfen. Die sogenannten High-Impact-Sportarten sind dagegen mit Vorsicht zu genießen. Denn das sind Sportarten mit hohem Sturzpotenzial oder intensiven Körperkontakten wie beispielsweise Handball oder Kampfsportarten. Wer vor der OP gut im Training war, kann sich - nach einer sportärztlichen Untersuchung - rund sieben Monate nach der Operation wieder voll seiner Lieblingssportart widmen. Denn bereits unmittelbar nach der Operation beginnt die Mobilisation - und zwar häufig schon am ersten Tag. Physiotherapeutinnen und -therapeuten helfen beim Aufstehen, beim Gehen (mit Hilfsmitteln) und bei sanften Bewegungsübungen. Nach dem Klinikaufenthalt folgt meist eine etwa dreiwöchige Reha-Phase. Deren Ziel ist es, sich an das neue Gelenk zu gewöhnen, die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern. Bis Hüft- oder Knieprothesen eingewachsen sind, dauert es rund drei Monate.
Warnsignale
Deshalb sollte man unbedingt nach dem Sport auf Warnsignale des Körpers hören. Das können Schwellungen im Umfeld des Kunstgelenks sein, länger anhaltende starke Schmerzen, Überwärmung und Rötungen oder eine eingeschränkte Beweglichkeit. Alle diese Auffälligkeiten können Zeichen für eine Überlastung sein. Zu viel des eigentlich guten Sports oder die falsche Sportart können die Prothese belasten und zu Komplikationen führen. Diese können wiederum einen vorzeitigen Verschleiß der Prothese, Entzündungen im Gelenkbereich und/oder Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zur Folge haben. Deshalb gilt: Langsam starten, auf den Körper hören und die Belastung schrittweise steigern. Ein künstliches Gelenk muss kein Hindernis für ein aktives Leben sein. Im Gegenteil: Bewegung hilft, die Lebensqualität zu erhalten und zu steigern. Wichtig ist, die richtigen Sportarten zu wählen und auf den eigenen Körper zu hören. Low-Impact-Sportarten wie Radfahren, Schwimmen oder Wandern sind ideal. Wer unsicher ist, welche Aktivitäten sich eignen, sollte das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt suchen.
Dorothea Friedrich