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30 Jahre Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik: „Gemeinsam engagieren wir uns für die Zukunft!“

Die Fachgesellschaft setzt seit 1996 Maßstäbe in Qualität, Forschung und Weiterbildung - zertifizierte Zentren, KI, Robotik und neue Materialien prägen die Zukunft des Gelenkersatzes

Professor Robert Hube ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Seit 2024 ist er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik. Diese hat ihren Jahreskongress unter das Motto.„Endoprothetik im Wandel“ gestellt. Foto: privat
Professor Robert Hube ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Seit 2024 ist er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik. Diese hat ihren Jahreskongress unter das Motto.„Endoprothetik im Wandel“ gestellt. Foto: privat

Fortbilden, Qualität sichern, Versorgung optimieren, mit diesen Zielen wurde 1996 in Regensburg von sieben Gründungsmitgliedern die gemeinnützige Arbeitsgemeinschaft Endoprothetik, kurz AE, ins Leben gerufen. Heute ist die AE, die 2013 in Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik unbenannt wurde, mit mehr als 1700 Mitgliedern die wichtigste Fachgesellschaft für Endoprothetik und gelenkerhaltende Behandlungsverfahren im deutschsprachigen Raum - die Schweiz und Österreich mit eingeschlossen. „Unsere Mission ist, gemeinsam mit den Experten und Mitgliedern der AE die bestmögliche Versorgung und Qualität in der Endoprothetik zu sichern“, betont der Münchner Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie von der Orthopädischen Chirurgie München, Professor Robert Hube, der seit 2024 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik ist. Im kommenden Jahr feiert die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik ihr 30-jähriges Bestehen. Vorab findet am 4. und 5. Dezember 2025 in Berlin der 27. Jahreskongress der AE statt. Als Leitthema wurde das Motto „Endoprothetik im Wandel“ gewählt. Denn, wie Professor Hube im Gespräch erklärt: „Innovationen in der Endoprothetik wie roboterassistierter Gelenkersatz, künstliche Intelligenz oder datenbasierte Outcome-Analysen, mit denen sich sehr gut das zu erwartende Therapieergebnis prognostizieren lässt, verändern zunehmend unsere klinischen Routinen.“

Herr Professor Hube, sind die Ziele der AE, wie sie seinerzeit die Gründungsmitglieder im Sinn hatten, die gleichen geblieben?

Professor Robert Hube: Im Wesentlichen schon. Schon 1996 ging es den Gründungsmitgliedern vor allem darum, die aktuellen evidenzbasierten Erkenntnisse der Wissenschaft zeitnah in die klinische Praxis zu überführen und konsequent umzusetzen. Seitdem hat sich das Aufgabengebiet unserer Arbeitsgemeinschaft natürlich kontinuierlich erweitert. Doch auch nach fast drei Jahrzehnten ist es weiterhin unser übergeordnetes Ziel, die Lebensqualität der Patienten durch fortschrittliche Techniken und Prozeduren in der Endoprothetik maßgeblich zu steigern. Unsere Mission ist es, gemeinsam mit den Experten und Mitgliedern der AE die bestmögliche Versorgung und Qualität in der Endoprothetik zu sichern.

Welche Aufgaben stehen im Vordergrund?

Wichtige Anliegen der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik sind zum Beispiel die Wissensvermittlung durch Weiterbildung und die Nachwuchsförderung. Hierfür halten wir ein breit gefächertes Fortbildungsangebot mit mehr als 40 Kursen pro Jahr bereit, die als Präsenz-, Online- oder hybride Veranstaltungen abgehalten werden. Unsere Sektion AE-YOUTH richtet sich speziell an unseren Nachwuchs, also an Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung und an Studierende der Medizin mit besonderem Interesse an der Endoprothetik. Aber auch die Forschung und innovative Entwicklungen sind Schwerpunkte. Unsere Komitees erarbeiten zu bestimmten Fragestellungen fundierte, evidenzbasierte Handlungsempfehlungen, wie zum Beispiel die Antibiotikaprophylaxe für Endoprothesenträger bei invasiven Zahnbehandlungen. Zudem bieten wir eine Plattform für innovative Forschung.

Eine weitere zentrale Aufgabe der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik ist die Qualitätssicherung...

Die Kontrolle und Sicherung der Qualität in der Patientenversorgung sind für die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik von höchster Bedeutung. Deshalb unterstützen wir auch das Endoprothesenregister Deutschland und die EndoCert-Initiative zur Zertifizierung von Endoprothetikzentren, mit der wir die Qualität unserer Arbeit nachhaltig sichern. Dazu gehört auch eine Personenzertifizierung der AE zum Nachweis der fachlichen Kompetenz. Viele Mitglieder der AE arbeiten in diesen Initiativen mit, sind für sie mitverantwortlich und entwickeln sie kontinuierlich weiter.

Was zeichnet zertifizierte Endoprothetikzentren aus?

Zertifizierte Endoprothetikzentren sind spezialisierte Kliniken, die nach einem strengem Standard für die Implantation künstlicher Gelenke zertifiziert wurden. Die Zertifizierung erfolgt nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und obliegt EndoCert. Die Kriterien für die Zertifizierung sind genau festgelegt. So muss zum Beispiel ein „Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung“ (EPZmax) nicht nur eine langjährige Erfahrung und hohe Fallzahlen nachweisen, sondern es muss auch gewährleisten können, hochkomplexe Fälle behandeln zu können. Außerdem wird in EndoCert-zertifizierten Zentren regelmäßig kontrolliert, ob die Indikationsstellung für einen künstlichen Gelenkersatz korrekt ist. Darüber hinaus ist die Teilnahme am Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) verbindlich. Das EPRD ist ebenfalls ein wichtiges Instrument der Qualitätssicherung. 

Denn aus den gesammelten Registerdaten lassen sich eine Vielzahl an verlässlichen Informationen gewinnen, etwa zur Haltbarkeit der Implantate oder zu den Gründen für Wechseloperationen. Unsere Empfehlung lautet, dass man sich für die Implantation eines künstlichen Gelenks unbedingt an ein zertifiziertes Endoprothetikzentrum wenden sollte. Gibt es Richtlinien für den richtigen Zeitpunkt einer Ge-dung unterstützen sollen. Dazu gehört zum Beispiel, dass Medikamente und nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Bewegung und Krankengymnastik den Schmerz über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten nicht mehr ausreichend lindern können oder dass das Röntgenbild eine schwere Form der Arthrose mit einem nahezu vollständigen Knorpelverlust zeigt. Ähnliche Vorgaben gelten für die Hüfte. Werden diese Kriterien berücksichtigt und ist es der erklärte Wunsch des Patienten, spricht nichts gegen einen Eingriff. Im Gegenteil: Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik können wir stolz darauf sein, dass wir ein Gesundheitssystem haben, dass allen Patientinnen und Patienten Zugang zu Diagnostik und Therapie und damit die Aussicht auf Schmerzlinderung und eine bessere Lebensqualität ermöglicht.

Experten erwarten für die nächsten Jahre, dass die Zahl der Gelenkersatzoperationen weiter steigt. Was sind die Gründe?

Ein Grund für einen Anstieg von Gelenkersatzoperation dürfte die höhere Lebenserwartung sein, die nicht zuletzt zur Folge hat, dass mehr ältere Menschen von einer Arthrose betroffen sind. Hinzu kommt der Wunsch nach einer möglichst guten Lebensqualität im Alter. Aber natürlich tragen auch die Fortschritte und Innovationen auf dem Gebiet der Endoprothetik zur steigenden Nachfrage bei. Personalisierte Implantate, die individuell auf die Anatomie des Patienten abgestimmt sind, innovative Materialien für eine noch bessere Haltbarkeit des Gelenkersatzes, aber auch die Digitalisierung durch künstliche Intelligenz, etwa im Bereich der Diagnostik und OP-Planung, oder roboterassistierte Operationsverfahren – diese und andere Entwicklungen werden sicherlich weitere Gründe dafür sein, weshalb sich immer mehr Patienten für einen künstlichen Gelenkersatz entscheiden werden. Diesen Prozess wird die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik, wie gewohnt, beratend und aktiv gestaltend begleiten. Ganz im Sinne unseres Grundsatzes: Gemeinsam engagieren wir uns für die Zukunft – mit neuen Perspektiven und mutigen Innovationen. Das Interview führte Nicole Schaenzler

Enge Verbindung der Fachgesellschaften

Die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. (AE) ist eine Sektion der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und innerhalb der Fachgesellschaft die zentrale Anlaufstelle für Fachfragen und Trends in der Endoprothetik.

Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie (DGOOC), der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) sowie dem Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU).

Die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik beteiligt sich an der Zertifizierung von medizinischen Einrichtungen für Gelenkersatzoperationen.

Zusammen mit der Stiftung Endoprothetik zeichnet die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik jedes Jahr herausragende Forschungsprojekte mit einem Preis aus.

Anlässlich des 30-jährigen Bestehens findet der übernächste Jahreskongress schon im Juni 2026 in München statt. schae

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