Über die Teppichkante gestolpert, auf dem feuchten Laub ausgerutscht, das Gleichgewicht beim Binden der Schuhe verloren – und schon ist der Sturz auf die Hüfte passiert. Wenn dann der Betroffene über starke Schmerzen im Hüftbereich klagt und das betroffene Bein nicht mehr bewegen kann, lautet die Diagnose in den meisten Fällen „Oberschenkelhalsbruch“. Tatsächlich gehört die Schenkelhalsfraktur oder Femurhalsfraktur, so der medizinische Fachbegriff, zu den größten gesundheitlichen Problemen im Alter – und er ist die mit Abstand am häufigsten im Krankenhaus behandelte Fraktur.
Lebensbedrohlich
Eine Schenkelhalsfraktur ist für ältere Menschen ein lebensbedrohliches Ereignis. Auch wenn die Behandlung zufriedenstellend verläuft, ist das Risiko für Spätfolgen hoch. Denn alte Menschen erholen sich langsamer und sind anfälliger für Komplikationen als junge. Dies gilt umso mehr, wenn ihr Allgemeinbefinden bereits durch eine Vorerkrankung beeinträchtigt ist. In Zahlen bedeutet das: Mehr als zehn Prozent der Patienten sterben innerhalb der ersten 30 Tage nach einem Sturz, häufig an Komplikationen wie einer Lungenembolie oder Lungenentzündung. Bis zu 20 Prozent der Gestürzten bleiben bettlägerig oder zumindest so gebrechlich, dass sie anschließend in einem Pflegeheim betreut werden müssen. Nur 40 bis 60 Prozent der Patienten erreichen nach einem Oberschenkelhalsbruch wieder das Niveau an Mobilität, das sie vor dem Sturz hatten. Bei einem Oberschenkelhalsbruch ist das kurze Knochenstück zwischen dem großen Rollhügel und dem kugeligen Oberschenkelkopf gebrochen, der sich direkt am Schenkelhals befindet. Bricht der Knochen unterhalb des Rollhügels, sprechen die Ärzte von einem Oberschenkelbruch. Auslöser ist im höheren Lebensalter oft ein (seitlicher) Sturz. Das Risiko für eine Fraktur steigt, wenn der eigentlich kräftigste und längste Knochen des Körpers durch eine Osteoporose geschwächt ist. Dies ist auch einer der Gründe, weshalb Frauen etwa viermal häufiger eine Schenkelhalsfraktur erleiden als Männer, denn sie sind auch sehr viel häufiger von Osteoporose betroffen. Ob eine Operation notwendig ist, richtet sich nach dem Schweregrad. Hierzulande wird er in der Regel mithilfe der sogenannten Pauwels-Klassifikation ermittelt. Die Schweregrade zwei und drei, die am häufigsten diagnostiziert werden, ziehen fast immer eine Operation nach sich. Nun kommt es darauf an, dass zeitnah, innerhalb von 24 Stunden nach Aufnahme in die Klinik, operiert wird: Je früher der Eingriff erfolgt, desto günstiger fällt auch die Prognose aus.
Therapie der Wahl ist eine Osteosynthese, bei der hüftkopferhaltend operiert wird. Das heißt, die Bruchstücke des Knochens werden wieder in ihre ursprüngliche Position zurückversetzt. Das Ergebnis wird dann mithilfe von Implantaten (wie Schrauben und/oder Platten) fixiert. Mitunter empfiehlt es sich, für ein besseres Behandlungsergebnis den Hüftkopf oder auch das gesamte Hüftgelenk durch eine Teil- beziehungsweise Total-Endoprothese chirurgisch zu ersetzen. Grundsätzlich gilt: Ein künstliches Gelenk kann in der Regel bald nach der Operation wieder belastet werden. Nach einem hüftkopferhaltenden Eingriff ist in den meisten Fällen eine längere Nachsorge im Krankenhaus nötig.
Allgemeinbefinden
Laut der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie liegt ein Patient nach dem hüftkopfersetzenden Verfahren durchschnittlich zwölf Tage im Krankenhaus. Umso wichtiger ist es, dass Ärztinnen und Ärzte in dieser Zeit auch mögliche Vorerkrankungen im Blick haben. Denn typische Alterskrankheiten wie Diabetes, Muskelschwund, eine neurologische oder Herz-Kreislauf-Erkrankung können den Heilungsprozess erheblich beeinträchtigen. Deshalb sollte die Betreuung durch ein interdisziplinäres Ärzteteam der Unfallchirurgie, Geriatrie und anderer Fachdisziplinen wie der Orthopädie und/oder Physikalischen Medizin erfolgen, das die medizinische Versorgung von Beginn an gemeinsam plant und dann Schritt für Schritt umsetzt: von der frühzeitigen Identifikation des Patienten, der eine altersmedizinische Behandlung benötigt, bis hin zum interdisziplinären Behandlungskonzept, das sowohl die akutmedizinischen Erfordernisse wie auch die geriatrischen Begleitumstände berücksichtigt. Auf diese Weise lässt sich, wie aktuelle Studien belegen, akuten Komplikationsrisiken wie das Delir- oder Dekubitusrisiko, aber auch Beeinträchtigungen der Genesung durch ein geschwächtes Allgemeinbefinden, am besten entgegenwirken.
Schneller Start in die Reha
Mindestens ebenso wichtig ist es, frühzeitig den negativen Auswirkungen durch die verletzungsbedingte Bewegungseinschränkung entgegenzuwirken, durch die ältere Menschen schnell in eine dramatische Abwärtsspirale geraten können. Eine gelungene Operation im 24-Stunden-Zeitfenster ist der eine, die zeitnahe Mobilisation der andere elementare Therapiebaustein, damit die Betroffenen möglichst zügig wieder auf die Beine kommen. Hierfür hat sich eine enge Verzahnung von postoperativer Behandlung und Frühmobilisation in Form einer Frührehabilitation bewährt. Erste Rehamaßnahmen schließen sich meist direkt an die Operation an, etwa in Form von passiv geführten Bewegungen durch einen Physiotherapeuten und leichten Kräftigungsübungen des gesunden Beins, um die Muskulatur auf die zu erwartende Mehrbelastung vorzubereiten. Nach dem Aufenthalt im Krankenhaus wird in den meisten Fällen die Fortführung der Maßnahmen in einer stationären Reha-Einrichtung empfohlen. Bis der Patient das erklärte Therapieziel erreicht und wieder so mobil ist wie vor dem Oberschenkelhalsbruch, können bis zu sechs Monate vergehen. Besteht gleichzeitig eine Osteoporose, kann die vollständige Behandlungs- und Rehabilitationsdauer aber auch mehr als ein Jahr dauern.
Nicole Schaenzler
Die beste Sturzprophylaxe
Tipps für mehr Sicherheit in den eigenen vier Wänden
Nicht auf eisglatten Gehwegen, sondern im häuslichen Umfeld finden die meisten Stürze statt. Es lohnt sich also, die eigene Wohnung einer gründlichen Inspektion zu unterziehen.
► Wichtig ist eine ausreichend helle, aber nicht blendende Beleuchtung in den Wohnräumen. Die Lichtschalter sollten gut erreichbar sein. Zur besseren Orientierung in der Nacht können ein Nachtlicht oder eine Lampe mit Bewegungssensor wertvolle Dienste leisten.
► Gefährliche Stolperfallen wie dicke Teppiche oder Teppiche auf rutschigem Boden sollten entfernt werden. Mit speziellen Rutsch-Stopp-Unterlagen oder doppelseitigen Klebebändern lassen sich Teppiche gut befestigen. Prüfen sollte man auch die Leisten auf den Türschwellen und sie gegebenenfalls entfernen, wenn sie zu hoch sind.
► Lose Kabel über dem Fußboden sollten fachgerecht verlegt werden, Gegenstände nicht auf dem Boden liegen lassen.
► Die Sicherheit im Badezimmer kann erhöht werden, indem man beispielsweise selbstklebende Antirutschbänder an Fliesen und in der Badewanne oder Dusche anbringt. Eine Alternative sind rutschfeste Gummimatten in der Badewanne beziehungsweise Dusche.
► Eine große Hilfe können zudem gut erreichbare Haltegrifige an Badewanne/Dusche und neben der Toilette sein. Auch Haltegriffe oder eine Haltestange an den Wänden kann Sicherheit geben.
► Alltagsgegenstände wie ein Telefon oder der Hausschlüssel sollten stets gut erreichbar sein.
► Hausschuhe sollten eine Profi lsohle haben, Fußgelenk und Ferse sollten gestützt sein.
► Passt die Brille zur Sehstärke? Schon minimale Einbußen der Sehfähigkeit können dazu führen, dass Hindernisse nicht rechtzeitig gesehen werden.
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