Jeder hat so seine Empfindlichkeiten. Kurfürst Max Emanuel, so ist überliefert, konnte es nicht ausstehen, wenn Gerüche aus der Schlossküche in seine Gemächer herüberwehten und sein kurfürstliches Geruchsempfinden belästigten. Also ließ der Kurfürst fortan nicht mehr im Neuen, sondern im Alten Schloss Schleißheim kochen. Die Speisen wurden anschließend durch einen über120 Meter langen, schmalen, unterirdischen Tunnel, der bereits beim Bau des Neuen Schlosses errichtet wurde, in eine Aufwärmküche ins Neue Schloss geliefert, ehe sie im Speisesaal der höfischen Gesellschaft gereicht wurden. Der unterirdische Gang existiert auch heute noch und versteckt sich unter einer Grünfläche, die beide Schlösser verbindet. Er kann nur bei Spezialführungen besichtigt werden. Im Zweiten Weltkrieg diente er als Schutzbunker. Im Ersten Weltkrieg nutzten ihn Offiziere der nahen Schleißheimer Flugwerft als Kegelbahn.
Die Brunnen und Fontänen wurden früher mechanisch von einem Schaufelrad angetrieben

Nur einen Katzensprung entfernt, in der Effnerstraße 7, pocht das mechanische Herz des Schlossgartens. Hier am Ringkanal befindet sich das 1867 errichtete Pumpenhaus, von dem aus früher die Fontänen der Schlosskaskaden gesteuert wurden. Die historische Windkesselanlage ist heute noch voll funktionstüchtig und wird in regelmäßigen Abständen immer wieder in Betrieb genommen. Das heißt: Wasser des Kanals wird aufgestaut, Wasserdruck treibt ein Schaufelrad an, das wiederum die Pumpen in Bewegung setzt. Heute werden die Brunnen und Fontänen elektrisch gesteuert. Bei besonderen Anlässen kann die historische Windkesselanlage besichtigt werden.
Weitgehend in seiner ursprünglichen Form erhalten ist der weitläufige barocke Schlossgarten, der bis Schloss Lustheim reicht und zu jeder Jahreszeit das Ziel Tausender Besucher und Besucherinnen ist. Seit Jahresbeginn ist die gelernte Gärtnerin und studierte Landschaftsarchitektin Daniela Dirr (54) als Gartentechnische Leiterin für den Hofgarten zuständig. Sie managt den Einsatz der 21 Mitarbeitenden, die sich um die Pflege der Anlage kümmern. Damit im Frühjahr der Garten rot, blau und gelb erblüht, werden bereits jetzt 25.000 Primeln und bis zu 20.000 Vergissmeinnicht gesetzt, erklärt Daniela Dirr.