Es beginnt oft mit einer Idee, einem Funken Inspiration, der nach Verwirklichung verlangt. Doch der Weg vom Gedanken zum erfolgreichen Unternehmen ist steinig - vor allem für Gründer in ländlichen Regionen. In Grafing im Landkreis Ebersberg hat man das Potenzial von Unternehmensgründungen erkannt. Dort werden mit ZamStarten Start-ups mit lokaler Verwurzelung gefördert: „Unser Ziel ist es, Gründungsideen im Landkreis zu halten - und eine adäquate, professionelle Unterstützung zu bieten“, erklärt Gabriele Köhler, Geschäftsführerin des Coworking-Space ZamWorking und zugleich Managerin des Gründerzentrums ZamStarten.
Gesucht: digitale, nachhaltige, innovoative Planungen
Der Bedarf dafür ist groß: Die Stadt hatte schon lange den Wunsch, ein umfassendes Gründerzentrum aufzubauen, aber es fehlten die Kapazitäten. Köhlers Idee kam hier gerade recht. Die Geschäftsführerin hatte ursprünglich geplant, nur einen Coworking-Space, das ZamWorking, zu eröffnen. Als sie ihr Konzept mit Coaching und Beratung im Coworking-Bereich vorstellte, war die Stadt überzeugt, dass sie auch die richtige Person für den Aufbau des Gründerzentrums ist und Köhler wurde damit beauftragt. Dann ging alles ganz schnell: 2021 wurde ein Förderverein ins Leben gerufen, der zusammen mit der Stadt und dem Landkreis die Finanzierung des Zentrums übernahm. Im Frühjahr 2022 wurden die Räume am Marktplatz bezogen. ZamStarten war damit auf den Weg gebracht und sollte insbesondere digitale, nachhaltige und innovative Geschäftsideen fördern. „Wir wollen keine hochskalierbaren DAX-Unternehmen unterstützen“, betont Köhler. „Es geht vielmehr darum, Gründungsideen zu fördern, die hier im Landkreis eine Chance haben und deren Gründer sich und ihre Familien ernähren können, und vielleicht auch den einen oder anderen Mitarbeiter einstellen.“
Aktuell hat ZamStarten 19 Gründer unter Betreuung. Die Bandbreite der Geschäftsideen ist breit. Sie erstreckt sich von einem Start-up, das eine App für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit entwickelt hat, über ein Team, das aus Treber also dem Malz, das nach dem Bierbrauen übrig bleibt - vegane Milchprodukte erzeugt bis hin zum Ein-Mann-Unternehmen, das den ersten biozertifizierten Honig-Gin in Europa produziert und Poingern, die eine eigene Brauerei aufbauen möchten.
Maßgeschneiderte Unterstützung
Der Schlüssel zum Erfolg von ZamStarten liegt in der Vielfalt der angebotenen Unterstützung. „Wir haben vier Hauptsäulen der Unterstützung: Räumlichkeiten, Coaching, Mentoring und Networking, fasst Köhler zusammen. So können Gründerinnen und Gründer beispielweise Schreibtische, Büros und repräsentative Räume für Meetings oder Kundengespräche nutzen - kostenlos oder zu subventionierten Preisen. Die Pandemie hat allerdings gezeigt, dass der Bedarf an eigenen Büros oft nicht so groß ist. Was Gründer aber brauchen, sind professionelle Räume für wichtige Gespräche. Die individuelle Unterstützung durch Coaching und Mentoring ist ein essenzieller Bestandteil des Programms. ZamStarten organisiert Coachingtage, bei denen die Gründer im Vorfeld ihre aktuellen Herausforderungen benennen und dann gezielt Unterstützung von Profis erhalten. Inzwischen gibt es auch ein Akademieprogramm, das den Gründern in zwölf Modulen alle notwendigen Techniken und Fähigkeiten vermittelt - von der Preisgestaltung bis zur Finanzplanung. Besonders wertvoll ist auch das Mentoring-Programm. Jeder Gründer bekommt einen Mentor aus dem Förderverein zugeordnet, der als Ansprechpartner und Sparringspartner zur Verfügung steht. Der Gründer mit der Arbeitsschutzsoftware konnte beispielsweise seine Idee mit einem Experten aus der Praxis durchsprechen und hat dabei gleich einen ersten zahlenden Kunden gewonnen, berichtet Köhler.


Regionales Netzwerk
Ein weiterer wichtiger Baustein ist Netzwerken. ZamStarten pflegt enge Verbindungen zur Stadt, zum Landkreis, aber auch zu großen Unternehmen der Region. „Unser Gründer mit dem biozertifizierten Honig-Gin hat dank unserer Kontakte bei einem der größten Rewe-Märkte in Bayern eine Gin-Bar aufbauen dürfen. Das war der erste Schritt, um sein Produkt im Einzelhandel zu platzieren“, erzählt Köhler. Diese regionalen Netzwerke - wie sie in Ebersberg und Umgebung genutzt werden - sind ein unschätzbarer Vorteil für Gründer in ländlichen Regionen. Hier lässt sich vieles deutlich einfacher umsetzen und organisieren, und die Vernetzung ist weniger komplex als in einer Metropole. In einer kleinen Stadt wie Grafing ist der Bekanntheitsgrad viel schneller erreicht, und die Unterstützung ist oft persönlicher. Selbst Landrat und Bürgermeister sind gelegentlich involviert. „Wenn ich die anfrage, ob sie nicht jemanden kennen, bei dem sich unsere Gründer vorstellen können, werden sie natürlich mit warmen Worten empfohlen.“ Auf diese Weise werden Gründern Türen geöffnet, die sie alleine nur schwer aufmachen können.
„Höhle der Löwen“
Bevor ein Gründer von ZamStarten betreut werden kann, wird seine Idee geprüft. Wie in der TV-Gründershow „Höhle der Löwen“ entscheidet eine Jury aus Mitgliedern des Fördervereins, wer gefördert wird. 15 Minuten müssen die Kandidaten bei diesem „Pitch“ präsentieren - das heißt, ihre Geschäftsidee vorstellen - und weitere 15 Minuten Fragen beantworten. Gibt die Jury ihr OK, werden sie zunächst für ein halbes Jahr aufgenommen, nach einem „Update“ geht die Betreuung weiter, insgesamt maximal drei Jahre. Gerade diese Pitch-Veranstaltungen sind für die Mitglieder des Fördervereins laut Köhler jedes Mal ein echtes Highlight.
In Bälde müssen nicht nur die personellen Kapazitäten erweitert werden. Ein wachsender Anteil der Anfragen kommt von gemeinwohlorientierten und sozialen Start-ups, die in herkömmlichen Gründerzentren meist durchs Raster fallen. „Diese Start-ups sind weniger skalierbar, aber sie haben das Potenzial, die Region nachhaltig zu stärken“, sagt Köhler. Deshalb hat sich ZamStarten um eine Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums im Rahmen von dessen Programm „Nachhaltig Wirken“ beworben, um in Zukunft auch solche Start-ups aufnehmen und alle Gründerinnen und Gründer auch mit festangestellten Mitarbeitern unterstützen zu können.
Ein Modell für die Zukunft
ZamStarten hat sich als Schlüssel für den regionalen Gründererfolg im Landkreis Ebersberg etabliert. Mit einer Mischung aus praktischer Unterstützung, individueller Betreuung und einem starken regionalen Netzwerk bietet es den Gründern die Chance, ihre Ideen erfolgreich umzusetzen und langfristig in der Region Fuß zu fassen. „Unser Ziel ist es, dass unsere Gründer nicht nur finanziell überleben, sondern auch einen echten Mehrwert für die Region schaffen“, fasst Köhler die Philosophie von ZamStarten zusammen.
Klaus Manhart