
Ob sie den Gummibären bei Materialprüfungen die Ohren langziehen, den 3D-Druck für das Einhorn aus Kunststoff oder die Superlegierung testen oder aber ein Flugzeug bauen: Mädchen können in den Ferienworkshops an der Universität der Bundeswehr München (UniBw M) in Neubiberg neue Welten entdecken. Dozierende wecken ihren Forscherdrang mit fantasievollen und fundierten Angeboten rund um MINT - also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik - Einblicke ins Uni-Leben und in Wissenschaften inbegriffen. Das kommt seit drei Jahren gut an, die MINT-Workshops zum Start der Sommerferien haben sogar schon Stammbesucherinnen.
„Starke Mädchen machen MI(N)T“: Unter diesem Motto lädt die Familienservicestelle der UniBw M seit 2022 Schülerinnen zu ihren MINT-Ferienworkshops ein. „Bereits seit 2008 bietet die UniBw M Ferienprogramme für Mädchen im MINT-Bereich an“, erklärt Koordinatorin Sofie Fertig von der Familienservicestelle der Universität.„Bis 2019 hat die UniBw M am Projekt, Mädchen machen MINT' teilgenommen, ein seinerzeit von der TU München koordiniertes Ferienprogramm an bayerischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen.“ Die Bundeswehr-Uni sei eine der Partnerhochschulen mit den meisten Angeboten gewesen; nach pandemiebedingter Pause habe sie das Angebot der Ferienworkshops in Eigenregie gestartet. „Wir möchten Mädchen, die in MINT-Berufen immer noch stark unterrepräsentiert sind, zeigen und für sie auch erlebbar machen, was man mit unterschiedlichen Berufsbildern und auch in Ausbildungsberufen in diesem Bereich später einmal praktisch machen kann“, sagt Fertig.
Zielgruppe sind Schülerinnen im Alter von zehn bis 14 Jahren aus weiterführenden Schulen, insbesondere aus dem Umland der Bundeswehr-Uni, wo sich das Angebot unterdessen zu einer festen Größe etabliert hat. Die Schülerinnen können jeden Sommer im Schnitt aus neun Workshop-Angeboten mit einer Dauer von einem bis fünf Tagen wählen. „Manche Teilnehmerinnen sind schon alte Hasen, die jedes Jahr dabei sind, andere besuchen gleich zwei oder drei Workshops und manche kommen nur einmal und merken dann, dass MINT sie doch nicht anspricht“, so Fertigs Erfahrung. Dass Mädchen in den Workshops unter sich sind und nach ihrem Tempo und Interesse Themen angehen können, die im Schulalltag keinen Platz finden, macht den Wert dieser Workshops aus. „Viele Mädchen verbinden die Workshops gar nicht bewusst mit MINT, sondern haben einfach Lust, sie zu besuchen, weil sie das Thema interessiert. Die Angebote begeistern die Mädchen, daher steigt sicherlich unbewusst das Interesse an MINT“, so Sofie Fertig.
Begeistert bei der Sache für die jungen Mädchen seien von Beginn an auch die Dozentinnen und Dozenten gewesen.„Sie sind sehr engagiert und mit viel Freude und Herzblut dabei“, projektverantwortliche Frauen würden den Mädchen zudem als Vorbilder dienen. Die Schülerinnen erforschen in den Workshops mit viel Praxis und der richtigen Portion Theorie nicht nur unterschiedliche Materialien und Maschinen, bauen Flugzeuge oder intelligente Häuser, gehen den Chancen und Risiken lernfähiger Maschinen auf den Grund oder nutzen die Energie der Sonne mit dem Bau von Solarmodellautos; sie entdecken mit den Dozierenden auch den Arbeits- und Studienalltag auf dem Neubiberger Campus. Bis hin zur Mensa natürlich. Die richtige Mischung bei der Vermittlung von praktischem und theoretischem Wissen in den MINT-Workshops für Mädchen hat auch Professor Eric Jägle. Er leitet das Institut für Werkstoffkunde an der Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik, seine Töchter sind im Alter der Besucherinnen des Workshops: „3-D-Druck - Vom Einhorn bis zur Superlegierung“.
„Ich lasse sie möglichst viel selber machen“, sagt der Professor. „Die Mädchen erforschen den Unterschied zwischen Kunststoffen und Superlegierungen im Labor mittels Modellen und klassischen Demonstrationen und kommen beim Selbermachen der Arbeit einer Materialwissenschaftlerin nahe.“
Ina Berwanger