Wer heute durch den beschaulichen Markt Peißenberg im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau spaziert, ahnt kaum, welch arbeitsames Leben hier noch vor wenigen Jahrzehnten unter Tage herrschte.
Seit dem 16. Jahrhundert wurde im Tiefstollen des Hohen Peißenbergs Pechkohle gefördert - bis am 31. März 1971 der letzte Kohlezug aus dem Schacht fuhr.
Die Förderung des „Schwarzen Goldes“ war unrentabel geworden. Neue Schächte hätten enorme Investitionen erfordert für eine Zukunft, die ohnehin nicht mehr auf Kohle setzte.
Viele Bergleute wohnten mit ihren Familien in Peißenberg oder der näheren Umgebung und verloren ihren Arbeitsplatz, doch die Gemeinde bewahrte das Erbe: durch den Knappenverein, das Bergbaumuseum und das Erlebnisbergwerk, das heute Besucher aus ganz Bayern anzieht. Ein Ausflugsziel, das Geschichte lebendig macht und Besucher jeden Alters begeistert.
Der Rundgang beginnt im ehemaligen Zechenhaus: Hier wird die Geschichte des „schwarzen Goldes“ lebendig: Auf großen Schaubildern ist zu sehen, wie die Kohleflöze im Alpenvorland entstanden, während alte Grubenlampen, Helme und Presslufthämmer bereitstehen, als warteten sie nur auf ihren nächsten Einsatz.
Man spürt förmlich, wie hart und mühsam die Arbeit gewesen sein muss, wie eng Muskelkraft und Erfindungsgeist zusammenspielten, um die glänzende Pechkohle aus den Tiefen ans Licht zu holen.
Danach heißt es auch schon „Glück auf!“ - der Ruf der Bergleute, der bis heute wie ein Versprechen klingt, mit dem sich die Männer Mut für eine Rückkehr aus der Tiefe machten. Mit einem alten Förderzug geht es hinein in den nach gebauten Tiefstollen. Die Fahrt allein ist schon ein Erlebnis, und wer die niedrigen, feuchten Gänge betritt, vergisst für einen Moment die Welt draußen.
Ehemalige Bergleute, die hier als Museumsführer arbeiten, berichten mit leuchtenden Augen von ihrem“ Stollen, so eindrücklich, dass man meint, selbst ein Teil dieser Geschichte zu sein.
Für Kinder wird der Museumsbesuch zu einem Abenteuer: Mit Helm und Grubenlampe ausgestattet, dürfen sie den dunklen Schacht erkunden, geheimnisvolle Ecken entdecken und dabei das Gefühl erleben, wie es war, tief unter der Erde zu arbeiten.
Die Dunkelheit, die Enge - all das lässt erahnen, wie fordernd und gefährlich das Leben der Bergleute war. Höhepunkt hier unten ist die „Schau-Explosion“, nach einem Rumpeln staubt es mächtig und jeder kann sich gut vorstellen, wie schwer und anstrengend die Arbeit der Bergleute gewesen sein muss.
Wieder an der Oberfläche angekommen, öffnet sich in der großen Ausstellungshalle eine ganz andere Welt: Hier präsentieren sich riesige Maschinen, Stahlkolosse und Förderanlagen, die früher für den Abbau eingesetzt wurden.
Zwischen Hydraulik und Stahl wird klar, wie sehr sich die Technik veränderte und auch, dass es am Ende die Menschen waren, die im Mittelpunkt standen.
Etwa 90 Minuten dauert die Tour durch Jahrhunderte Bergbaugeschichte. Ob Familien, Schulklassen oder Technikfans: Jeder findet hier etwas, das fesselt. Man lernt, staunt, lauscht und geht mit einem herzlichen Glück auf!“ hinaus, das noch lange im Ohr klingt. Barbara Brubacher