Der Pfaffenwinkel, der seinen Namen den zahlreich vorhandenen Kirchen und Klöstern verdankt, verzaubert im Herbst mit leuchtenden Wäldern, klarer Luft und sanften Hügeln. Wanderer genießen hier die letzten goldenen Sonnenstrahlen, stille Seen und weite Blicke auf die Alpen. Ob ein gemütlicher Spaziergang oder eine Bergtour, die malerische Landschaft lädt – dazu ein, die Natur in ihrem bunten Herbstgewand zu erleben. Einige Routenvorschläge:
Rundwanderung um den Großen Ostersee
Südlich des Starnberger Sees liegt mit den Osterseen eine der schönsten und vielfältigsten Wasserlandschaften Oberbayerns. Über 30 glasklare Seen, umgeben von Mooren, Wäldern und Hügeln, bilden ein einzigartiges Naturparadies. Der rund zehn Kilometer lange Rundweg um den Großen Ostersee startet in Iffeldorf und führt durch Feuchtwiesen, urige Waldstücke und entlang idyllischer Uferpfade. Besonders beeindruckend ist der Blick vom Nordufer über das schimmernde Wasser auf die Alpen. Unterwegs passiert man kleinere Seen wie den Brückensee, den Ameisensee und den Fohnsee mit Einkehrmöglichkeiten. Ein gemütlichen Highlight sind die wassergefüllten Toteislöcher wie die „Blaue Gumpe“, Relikte der letzten Eiszeit. Die Strecke verläuft meist auf breiten, gut begehbaren Wegen durch das Naturschutzgebiet und eignet sich ideal für Familien und Naturfreunde. Start und Ziel ist der Wanderparkplatz Jägergasse oder der Bahnhof Iffeldorf.
Staffelsee-Runde
Die 17 Kilometer lange StaffelseeRunde (vier Stunden) zwischen Uffing und Murnau zählt zu den schönsten Touren im Pfaffenwinkel und lässt sich auch im Herbst und Winter gut machen. Auf befestigten Wegen führt sie teils direkt am Seeufer entlang, teils durch die stillen Moore und Feuchtwiesen des Naturschutzgebiets. Start ist am Bahnhof oder an der Schiffsanlegestelle Uffing. Durch Schilfgürtel, Streuwiesen und den unberührten Tannenbachfilz geht es vorbei an seltenen Pflanzen und durch eindrucksvolle Moorlandschaften. Besonders reizvoll ist das Obernacher Moos mit seinen kleinen Wasserflächen und Inseln. Immer wieder öffnen sich herrliche Blicke auf die Alpenkette vom Hohen Fricken bis zum Ettaler Manndl. Dann geht es weiter direkt am Seeufer entlang bis nach Murnau. Tipp: Von Murnau aus fährt man am besten mit dem Zug zurück bis Uffing.
Das ist lohnender, als die Umrundung zu Fuß zu vervollständigen (nochmals etwa acht Kilometer), da die weitere Wanderung vor allem durch Siedlungen wie Seehausen und Rieden führt.
Auf den Hohen Peißenberg

Der Hohe Peiẞenberg (988 Meter) gilt als einer der schönsten Aussichtspunkte Oberbayerns mit einem atemberaubenden Panoramablick vom Ammersee über das Alpenvorland bis zur Zugspitze. Kein Wunder, dass er liebevoll auch„Bayerischer Rigi“ genannt wird, nach dem bekannten Schweizer Aussichtsberg Rigi. Oben lohnen die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt, die älteste Bergwetterstation der Welt und die Einkehr im Gasthaus. Für die Wanderung von neun Kilometern und 400 Höhenmetern startet man am Bergbaumuseum Peißenberg. Eine verkürzte Tour beginnt am Bahnhof Hohenpeißenberg.
Durch das Murnauer Moos
Der Rundweg durchs Murnauer Moos ist bekannt, beliebt und entfaltet im Spätherbst seinen besonderen Zauber. In dieser stillen Jahreszeit begegnet man kaum jemandem, und das Moos gehört einem fast allein. Wenn Nebel über die weiten Flächen zieht und die Farben gedämpft erscheinen, liegt eine besondere Ruhe über der Landschaft. Ausgangspunkt der zwölf Kilometer langen, etwa dreistündigen Runde ist der Wanderparkplatz Murnauer Moos/Ramsachstraße (kostenpflichtig). Von hier aus geht es erst zum barocken Ramsachkircherl, auch „Ähndl“ (nebenan gibt es ein Wirtshaus für die Einkehr am Rückweg) genannt. Dort startet der Rundweg durch das Moorgebiet. Höhepunkt der Tour ist der Bohlenweg durch den „Langen Filz“, ein renaturiertes Hochmoor mit stillen Wasserlöchern, Moorspirken und Latschenkiefern. Auf den Holzstegen (Achtung, können rutschig sein, wandert man mitten durch die urtümliche Landschaft. Ein eindringliches Naturerlebnis.
Doktor-Faustus-Weg
Der rund 4,6 km lange, leicht begehbare Doktor-Faustus-Weg in Polling führt in etwa eineinhalb Stunden durch eine sanft-hügelige Kulturlandschaft und verbindet Literatur, Geschichte und Natur. Der Themenweg folgt den Spuren von Thomas Manns Romanfigur Adrian Leverkühn aus „Doktor Faustus“, dessen fiktive Herkunft eng mit Polling verknüpft ist. An 13 Texttafeln werden Szenen aus dem Werk, biografische Bezüge zu Thomas Mann und kulturgeschichtliche Hintergründe anschaulich erläutert. Startpunkt ist der Kirchplatz, von dem der Weg über Kloster, Park und Gutshaus führt, weiter entlang des Bachs und der Tassilostraße bis zum Ammerberg und Streicherweiher. Vom Schafbichl öffnet sich der Blick weit über das Voralpenland, bevor es über die Hauptstraße und die Tiefenbachbrücke zurückgeht. Susanne Hauck