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Seltene Schönheiten auf dem Feld

Erfolgreicher Naturschutz: Preisträger des Ackerwildkraut-Wettbewerbs 2024 kommen aus dem Landkreis Starnberg

Seltene Schönheiten auf dem Feld

Freuen sich über viele Ackerwildkräuter. Die Preisträger des Ackerwildkraut-Wettbewerbs 2024 in Oberbayern v. I.: Bernhard Heindl (2. Preis), Roland Koböck (3. Preis), Jakob Bösl (1. Preis), Thomas Hoyler (3. Preis), Michael Friedinger (1. Preis) und Florian Gäck (2. Preis). Foto: Birgit Gleixner, LfL

Den leuchtend roten Klatschmohn kennt vermutlich jeder von uns und die Kamille vielleicht auch noch. Aber wer hat schon von Ackerröte, Finkensame oder Zottigem Klappertopf gehört, geschweige denn diese auch einmal gesehen? Auf den Äckern des Löfflerhofs von Michael und Elke Friedinger in Farchach sind solche und andere Ackerwildkräuter schon seit Jahren zu Hause. Welche und wie viele das sind, das hat der Demeter-Landwirt erst durch den Ackerwildkräuter-Wettbewerb 2024 erfahren. „Man lernt dabei selbst, was es da überhaupt alles gibt. Vorher habe ich mich nie bewusst damit auseinandergesetzt“, so Friedinger. Den Anstoß, sich am Wettbewerb zu beteiligen, gab ein Anschreiben der Veranstalter und eine Probebegehung im Vorjahr, „bei der es schon recht gut ausgesehen hat“.

Seit 2014 wird der Ackerwildkraut-Wettbewerb alle zwei Jahre in jeweils einem anderen Regierungsbezirk Bayerns ausgerichtet. 2024 riefen der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL), die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Bioland und der BUND Naturschutz in Bayern (BN) oberbayerische Landwirte zur Teilnahme auf.

Insgesamt 80 Arten von Ackerwildkräutern wurden auf dem Sommergerste-Acker des Löfflerhofs gezählt, darunter sogar acht gefährdete Arten wie Finkensame und Großer Frauenspiegel. Friedingers Teilnahme brachte ihm damit zu seiner eigenen Überraschung den 1. Platz ein, den er sich mit Jakob Bösl aus dem Landkreis Eichstätt teilt. Zum Bewertungssystem erklärt Maike Fischer, Projektmanagerin vom DVL: „Uns geht es nicht nur um die Anzahl der Arten, sondern auch um die Seltenheit der Ackerwildkräuter. Die häufig vorkommende Ackerkratzdistel wird also als Art gezählt, aber nicht mit extra Punkten bewertet.“

Auf dem Löfflerhof mit 28 Hektar Landwirtschaft werden gut sieben Hektar Ackerland immer im Dreijahres-Wechsel je zur Hälfte mit Getreide und Kleegras bewirtschaftet. Ackerwildkräutersamen können sehr lange im Boden überleben. Seit 1993 bewirtschaftet Friedinger seinen Hof ökologisch und düngt nur mit Mist. So kommt es, dass auf seinen Äckern „die Ackerwildkräuter alle von selbst wachsen“, obwohl er sein Getreide im regulären Abstand sät und den Boden mit Striegel bearbeitet.

Mit der zunehmenden Industrialisierung der Landwirtschaft seit Mitte des 20. Jahrhunderts sind Äcker wie die vom Löfflerhof immer seltener geworden. Ackerwildkräuter brauchen einerseits bewirtschaftete Böden, die jährlich umgebrochen werden, andererseits können sie sich oft nur an nährstoffärmeren Standorten durchsetzen. Werden solch unrentable Ackerflächen aufgegeben oder alte Kulturpflanzen wie Lein, Dinkel oder Emmer nicht mehr angebaut, nimmt die Vielfalt der Wildkräuter ab. Der Einsatz von Mineraldüngern, Herbiziden und die moderne Saatgutreinigung tun ein Übriges dazu. Zwar gibt es noch rund 350 Arten verschiedener Ackerwildkräuter in Mitteleuropa. Mehr als ein Drittel unserer Ackerwildkräuter sind nach Angaben des BN jedoch gefährdet oder bereits ausgestorben. Das Verschwinden dieser Pflanzen betrifft auch Insekten und Wildvögel, wie Michael Friedinger bei der Bewertung seines Ackers erfahren hat. So etwa ist das winzige Acker-Stiefmütterchen die einzige Nahrungsquelle für die Raupen des Silbernen Perlmuttfalters im offenen Gelände. Auch viele unserer knapp 600 Wildbienenarten sind ähnlich spezialisiert. Stirbt das jeweilige Ackerwildkraut aus, folgen auch bald die darauf angewiesenen Insekten.

Unternehmen aus der Region

Dass sich Artenvielfalt, Naturschutz und Landwirtschaft verbinden lassen, zeigt der Wettbewerb, an dem sich 18 ökologisch wirtschaftende und fünf konventionelle Betriebe aus Oberbayern beteiligten. Auf ihren Äckern wurden 212 verschiedene Pflanzenarten gefunden, 114 davon waren Ackerwildkräuter - Klatschmohn gab es überall. Sogar 19 gefährdete Arten waren dabei, darunter als kleine Sensation das Flammen-Adonisröschen auf dem Acker von Jakob Bösl, das auf der Roten Liste mit „vom Aussterben bedroht“ geführt wird.

Drei weitere Betriebe aus dem Landkreis Starnberg sind unter den Preisträgern: Norbert und Philipp Grenzebach aus Hochstadt (Platz 4) und Stefan Graf aus Andechs (Platz 5). Den 3. Platz teilen sich Roland Koböck aus Unterbrunn und der Oberschleißheimer Thomas Hoyler.

Koböck zeigt mit seiner 2,5 Hektar großen Blühfläche, dass auch im konventionellen Betrieb Platz für Artenvielfalt ist. Mit in doppeltem Abstand gesätem Getreide ging es auf der 2019 mit Hilfe von Experten des BN geplanten Fläche los. Dieses Jahr ist die Aussaat einer Blattfrucht geplant, vermutlich werden es Linsen. Anfangs wurden zusätzlich zu den noch im Boden schlummernden Samen weitere Wildkräuter-Arten ausgebracht, die mittlerweile von selbst wiederkommen. Jeden Frühsommer bietet Koböck mit einem Experten vom Bund Naturschutz übrigens eine Ackerwildkräuter-Führung an. Wer Lust hat, beim Termin im Mai mit dabei zu sein, bekommt Infos unter: bluehpatenschafto89@gmail.com

Margrit Amelunxen


Frühlingssalat mit Wildkräutern

Foto: Congerdesign / Pixabay
Foto: Congerdesign / Pixabay

Im Garten, auf Wiesen und an Wegrändern kann man beim Frühlingsspaziergang die ersten frischen Wildkräuter für diesen leckeren Salat finden.
Zutaten für 2 Personen
1 Handvoll junger Löwenzahnblätter (schmecken leicht bitter)
1-2 Handvoll Vogelmiere
1-2 Handvoll junger Gierschblätter
1 Handvoll Feldsalat oder Pflücksalat
5 Radieschen
Blüten von Gänseblümchen und Löwenzahn nach Belieben

Dressing

3 EL gutes Olivenöl
1 EL milder Essig (z. B. weißer Balsamico oder Apfelessig)
1 TL Senf
1 TL Honig oder 2 EL Fruchtsaft
Salz und Pfeffer

Zubereitung:

Wildkräuter, Salat und Radieschen waschen, trocken schwenken, zerzupfen bzw. zerschneiden und in eine Schüssel geben. Dressing anrühren und über den Salat geben. Als Topping passen neben den Blüten auch Sonnenblumen-, Walnuss- oder Kürbiskerne. Mit gekochtem Ei, geräuchertem Fisch und Brot wird aus dem Salat eine Mahlzeit.

Margrit Amelunxen


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