Was hat es eigentlich mit dem Osterbrunnen auf sich? Jedes Jahr vor Ostern schmücken die Frauen von Hadorf ihren Dorfbrunnen mit Girlanden und bunten Eiern. Zusammen etwas Schönes für die Dorfgemeinschaft gestalten – das ist es, was sie seit 1995 antreibt. Dass den Hadorfer Dorfplatz heute ein Granitbrunnen ziert, ist Helmut Wagner zu verdanken. Zum 50. Geburtstag hatte er sich statt Geschenken Spenden für einen Brunnen gewünscht. 8000 Mark kamen seinerzeit zusammen. Der Hadorfer Schnitzer Martin Reichart erhielt den Auftrag, eine Holzfigur des heiligen Johannes, Patron der Dorfkirche, zu fertigen. Die Kirche war lange die Taufkirche der Umgebung. Das Wasser des Brunnens entstammt der Dorfquelle, die die Dorfbewohner über Jahrhunderte hinweg mit Trinkwasser versorgte, bevor der Ort im 20. Jahrhundert ans Wassernetz angeschlossen wurde.
Gemeinsam etwas gestalten
Im Jahr 1995 wurde der Brunnen erstmals österlich geschmückt, auf eine Initiative vom örtlichen Gartenbauverein hin. Dabei ging es den Frauen aus dem Dorf nicht darum, mit den Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz, aus der der Brauch ursprünglich stammt, in Konkurrenz zu treten. Für sie sei das Wichtigste, gemeinsam etwas zu gestalten. Jedes Jahr werden die alten Eier gesichtet und neue bemalt. Girlanden aus Fichte oder Buchsbaum müssen geflochten werden. Am Palmsamstag muss alles fertig und angebracht sein. Dabei können am Schluss einige Hundert Eier zusammenkommen. Etwa drei Wochen lang bleibt der Brunnen geschmückt. Dann werden die Eier wieder sorgsam für das nächste Jahr verpackt. Die leicht zerbrechlichen Hühnereier verwenden die Frauen nicht mehr. Sie bemalen heute robuste weiße Kunststoffeier.

Ursprünglich ist der Brauch der Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz zu Hause. Der erste geschmückte Brunnen, der schriftlich erwähnt wurde, befand sich 1913 in Engelhardsberg bei Muggendorf. Heimatforscher haben sich immer wieder vergeblich darum bemüht, mittelalterliche oder heidnische Wurzeln für den Brauch nachzuweisen. Die Nationalsozialisten legten den Brauch als germanischen „Quellkult unserer Ahnen“ aus. Wahrscheinlich war es aber einfach so, dass die Orte zu Beginn des 20. Jahrhunderts begannen ihre Brunnen zu dekorieren, um durch den prächtigen Schmuck ihre Gäste zu erfreuen. Möglicherweise verlegten sie sich auf die Brunnen, weil in der Fränkischen Schweiz Wasser knapp und daher besonders kostbar war.
Seit den 1980er-Jahren haben sich die Osterbrunnen im gesamten süddeutschen Raum ausgebreitet. Ein rekordverdächtiges Ensemble mit über 30.000 Eiern von Hühnern, Gänsen, Wachteln und Straußen gibt es zum Beispiel in der oberschwäbischen Gemeinde Oberstadion zu bestaunen. Bieberbach im Landkreis Forchheim nimmt für sich in Anspruch, den weltweit größten Osterbrunnen zu besitzen – und landete damit schon zweimal im Guinness-Buch der Rekorde.
Sona Hähnel