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Kaiserin-Elisabeth-Weg am Starnberger See: Paradies und Sehnsuchtsort

Kaiserin Sisi: Audio-Spaziergang mit neun Stationen auf dem Kaiserin-Elisabeth-Weg in Feldafing und Possenhofen – ein Projekt des Kaiserin Elisabeth Museums, konzipiert von Claudia Wagner.

Kaiserin-Elisabeth-Weg am Starnberger See: Paradies und Sehnsuchtsort

Im Schloss Possenhofen (heute privat) verbrachte Elisabeth ihre Kindheit. Foto: Horst Kramer

Der Himmel ist grau an diesem Vorfrühlingstag, als wir in Possenhofen aus der S-Bahn steigen, um uns mit dem Leben der österreichischen Kaiserin Elisabeth (1837 – 1898) zu beschäftigen. Wir wollen den „Kaiserin-Elisabeth-Weg“ kennenlernen, ein Projekt des Possenhofener Kaiserin Elisabeth Museums. Ein rund 7,3 Kilometer langer audiogeführter Spaziergang, mit neun Stationen, für den man eher drei als zwei Stunden einplanen sollte. Konzipiert wurde die Tour von der Starnberger Kunsthistorikerin und Kuratorin Claudia Wagner.

Vor dem historischen Bahnhofsgebäude, heute die Heimat des Museums, betrachten wir die bronzene Elisabeth-Statue. Etwas größer als ihr Vorbild (1,72 Meter), erschuf sie der Künstler Jozek Nowak vor elf Jahren als Holzfigur; anschließend wurde das Metall-Double gegossen. Die Kaiserin wirkt unnahbar: strenger Gesichtsausdruck, kein Lächeln, so wie auf vielen Fotos und Porträts. Eine beängstigende Schnürtaille, die langen Haare in einer festsitzenden Steckfrisur gebändigt. Der Audioführer berichtet von Elisabeths Geburt an Heiligabend, von ihrer fröhlichen Kindheit in München, Possenhofen und Garatshausen, zusammen mit ihren sieben Geschwistern. Die Mutter Ludovika Wilhelmine, eine Tochter des bayerischen Königs Maximilian, spielt eine wichtige Rolle für die Kinder, nicht so der Vater Herzog Maximilian Josef, Spross einer Wittelsbacher Seitenlinie, auch wenn er als „Zither-Max!“ wohl eine gewisse Beliebtheit in der Bevölkerung genoss. Aus dessen Werk „Alpenklänge“ (1846) haben Wagner und ihr Team einen stimmigen Soundtrack zusammengestellt, garniert mit Zitaten von Johannes Brahms und Richard Wagner.

Sehr beherrscht, eine strenge Erscheinung. So hat der Künstler Jozek Nowak die Kaiserin Elisabeth dargestellt. Die Statue vor dem Kaiserin Elisabeth Museum in Possenhofen ist der Ausgangspunkt des Audio-Spaziergangs. Foto: Horst Kramer
Sehr beherrscht, eine strenge Erscheinung. So hat der Künstler Jozek Nowak die Kaiserin Elisabeth dargestellt. Die Statue vor dem Kaiserin Elisabeth Museum in Possenhofen ist der Ausgangspunkt des Audio-Spaziergangs. Foto: Horst Kramer

An den weiteren Stationen kommen historische oder fiktive zeitgenössische Figuren zu Wort, wie die Hauptperson selbst. Ein kluger dramaturgischer Griff: Elisabeth wird von außen betrachtet – so wie wir diese Statue sehen. Ihr Innenleben bleibt ein Rätsel. Umso überraschender, wenn die Zeitzeugen zuweilen Elisabeths Gedichte zitieren.

Es folgen Stationen wie das Schloss Possenhofen (im Privatbesitz, wir werfen einen dezenten Blick auf Gebäude und Garten), das anschließende Erholungsgelände und der Seeweg bis zum Strandbad. Elisabeths Mutter schildert das Familienleben, das mit der Hochzeit des österreichischen Kaisers und der 16-jährigen Elisabeth eine überraschende Wendung nahm. Mit 17 wurde der Teenager zum ersten Mal Mutter. Und schrieb depressive Gedichte: „Ich bin erwacht in einem Kerker/ und Fesseln sind an meiner Hand.“

Dank des trüben Wetters haben wir das Ufer ganz für uns allein. Die Ostseite des Sees und die Berge sind dennoch gut zu sehen. Am Strandbad Feldafing erzählt ein „Gendarm“ vom „Gepritschel im See“. Elisabeth hatte hier schon als Kind Schwimmen gelernt – eine große Ausnahme im 19. Jahrhundert. Bei ihren Heimat-Besuchen mietete sie das komplette Hotel Strauch, das spätere Hotel Kaiserin Elisabeth, samt dem damaligen Strandbad. Elisabeth betrieb einen regelrechten Körperkult, mit extensiver Schönheitspflege, Hungerdiäten, Tempowanderungen und Parforce-Ausritten. Ihr Schlankheits- und Fitnesswahn wirkt bedrückend aktuell angesichts von Influencerinnen mit Body-Optimizing-Botschaften (und Produkttantiemen).

Der Fährbetrieb mit den Zillen zur Roseninsel, eine weitere Station, nimmt erst am 1. Mai seinen Betrieb auf. So hören wir uns die Erinnerungen von Elisabeths Lieblingstochter Marie Valerie (1868 – 1924) schon auf dem Seeuferweg an. Klar, dass die enge Freundschaft ihrer Mutter zu deren Großcousin Ludwig II., dem „Märchenkönig“, eine bedeutende Rolle spielt: Er „der Adler“, sie „die Möwe“, ein 19.-Jahrhundert-Pathos.

Wir wandeln entspannt durch den wunderbaren Lenné-Park. Er ist mit seinen alten Bäumen und den überraschenden Perspektiven auf den See und das Gebirge zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Einige Golfer sind hier unterwegs, wir beneiden sie heimlich.

Dann sind wir schon in Feldafing, beim Hotel Kaiserin Elisabeth. Die Namensgeberin war ihrer Zeit weit voraus und ließ sich ein Hotelzimmer zu einem Fitnessstudio umbauen.

Sie war auch am Todestag des „Märchenkönigs“ in Feldafing zu Besuch, am 13. Juni 1886. Die Kaiserin reiste am Folgetag fluchtartig ab und kehrte nur noch einmal zurück.

Damit könnten die Erzählungen zu Elisabeths Leben am Starnberger See enden. Doch der Audioguide kommt nicht umhin, auf den tragischen Tod seiner Protagonistin einzugehen in der Kirche St. Peter und Paul. Denn hier ist ihr ein Glasfenster gewidmet, gestiftet von Kaiser Franz Josef. Es war der 10. September 1898, als Elisabeth am Genfer See das Attentatsopfer eines italienischen Anarchisten wurde. Ihre Vertraute Ida Ferenczy schildert die seltsamen Umstände, unter denen ihre Herrin starb.

Der Elisabethweg endet am Feldafinger Bahnhof mit einem wehmütigen Epilog: eine Erinnerung an die Besuche der Kaiserin, die hier mit ihrer „k. k. priv. Kaiserin-Elisabeth-Bahn“ eintraf; mit einem Tross von fünfzig Personen und einem Dutzend Pferden, mit Sonderwagons und Bergen von Gepäck. Ein Spektakel, das noch einmal verdeutlicht, wie fern das Leben dieser historischen Gestalt von uns Heutigen ist.

Claudia Wagners selektive Biografie verzichtet auf jegliche Heldinnen-Verehrung. Sie berichtet erfrischend nüchtern, historisch korrekt, aber dennoch empathisch.

P.S.: Wer mehr über die Verhältnisse am Starnberger See zu jener Zeit erfahren will, nehme Oskar Maria Grafs „Das Leben meiner Mutter“ zur Hand.

Horst Kramer

Audio-Spaziergang Elisabethweg

Länge: rund 7,3 Kilometer
Startpunkt: Kaiserin Elisabeth Museum, Possenhofen – Endpunkt Bahnhof Feldafing
optionaler Rückweg (ohne Audio): durch die Wolfsschlucht zwischen Feldafing und Possenhofen.
Neun Stationen: Audios über QR-Codes abrufbar
Vorab zum Download: www.starnbergammersee.de
Konzept: Dr. Claudia Wagner
Technik: Michael Gottfried
Sprechrollen: Barbara Horvath, Karin Kaschub und Philipp Moog

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