Das Amsterdamer Atelier Fiction Factory war bei der Namensgebung pragmatisch: Wikkelhouse heißt das gänzlich recycelbare Bauwerk. Der Name ist Programm, denn die Tragekonstruktion ist aus Wellpappe, die als Hülle herumgewickelt ist. 24 Lagen des Kartons sind in zwei Schichten um einen Luftkern als Dämmung und Raum für Leitungen verleimt und zusammengepresst.

Diese äußere Hülle ist in 1,2-Meter-Scheiben von etwa 500 Kilogramm Gewicht als Basismodule hergestellt, die aneinandergereiht werden können. In einer Breite von 4,6 Metern und Höhe bis zum Giebelscheitel von 3,5 Metern bildet jedes Segment eine Grundfläche von etwa 5 Quadratmetern aus.
Um die Hülle gegen Umwelteinflüsse zu schützen, ist außen eine Lage Holz mit der diffusionsoffenen Membranfolie Miotex angebracht. Wird diese Folie nach 30 Jahren erneuert, soll die Raumhülle mindestens 50 Jahre halten können. Innen sind die Einrichtung und die Raumstruktur in Trockenbau aus Holz angelegt, können also individuell variiert werden. Lediglich Sanitärräume und die Küche sind als Module vorproduziert.
Wer einen Holzofen in seinem Tiny-House haben möchte, wählt das Modul mit Kamin. Das Ganze wird auf ein Untergestell gelagert und über Stufen sowie ein Terrassenmodul zugänglich gemacht.
Die Erweiterung kann durch die Anreihung der Segmente auch nachträglich erfolgen. Auch seitliches Anbauen an die Wohnröhre ist möglich. Runde oder eckige Fenster können individuell seitlich nach Wunsch angebracht werden.


Als Vorder- und Rückwand sind zudem Glasflächen verfügbar, sodass reichlich Licht eindringen kann. Es gibt aber auch geschlossene Wände für mehr Intimität. Die Basisversion mit drei Segmenten ist ab circa 30.000 Euro auch in Deutschland erhältlich.
Reinhard Palmer
Erschienen im Tagesspiegel am 08.02.2025