Der langjährige Trend kontinuierlich steigender Kaufpreise auf dem Immobilienmarkt hat sich in den vergangenen Jahren spürbar abgeschwächt. Diese Entwicklung ist vor allem auf strukturelle Veränderungen im Marktumfeld zurückzuführen.
Eine Langfristprognose des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) im Auftrag der Postbank zeichnet hierbei ein differenziertes Bild. Während der bundesweite Durchschnitt bis 2035 nur noch moderat zulegt, dürfen wohl zahlreiche Landkreise und Städte mit deutlichen Wertsteigerungen rechnen. Ursächlich hierfür ist vor allem der hohe Bedarf im Segment der Wohnimmobilien.
Besonders dynamisch entwickelt sich das Preiswachstum bis 2035 laut Studie in Leipzig (+1,9 %), Dresden (+1,0) und Erfurt (+0,9) sowie mehrere Umlandregionen großer Metropolen. Dazu zählen Barnim (+1,3 %), Oberhavel (+1,2 %), Teltow-Fläming (+1,2 %), Dahme-Spreewald (+1,0 %) und Märkisch-Oderland (1,1 %) rund um Berlin sowie Harburg(+1,2 %) und Herzogtum Lauenburg(+1,2 %) im Umfeld Hamburgs. In Süddeutschland sticht Konstanz (+1,2 %) hervor, in Hessen der Wetteraukreis (+ 1,1 %).
Diese Regionen profitieren in mehrfacher Hinsicht: Sie ziehen eine wachsende Zahl an Wohnungssuchenden aus den Metropolen an, die dort aufgrund des angespannten Wohnungsmarkts kaum noch adäquaten Wohnraum finden. Ausschlaggebend sind dabei nicht nur die im Vergleich günstigeren Immobilienpreise, sondern auch eine zunehmend gut ausgebaute Infrastruktur und verbesserte Anbindungen an den öffentlichen Nahverkehr.
Demografische Faktoren, Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze prägen demnach die künftige Preisentwicklung. Während einzelne Regionen stagnieren oder schrumpfen, entstehen andernorts attraktive Perspektiven. Selbst moderate Wachstumsraten können sich langfristig lohnen, insbesondere für Eigentum als Baustein der Altersvorsorge.
KELLY KELCH
Erschienen im Tagesspiegel am 07.10.2025