Sieben Jahrzehnte lang war der Name Willy Bogner fest mit Berg am Laim verbunden. Das über 12.000 Quadratmeter große Gelände an der St.-Veit-Straße war Firmensitz und Münchner Institution zugleich, aber vor allem ein Ort, an dem Modegeschichte geschrieben wurde. Mit dem Verkauf des Areals endet nun eine Ära, denn auf dem früheren Firmengrundstück entsteht ein neues Wohnquartier, das Wohn- und Lebensraum auf klimafreundliche Weise interpretiert. Der Wiener Projektentwickler UBM kaufte 2021 das Grundstück für circa 55 Millionen Euro und entwickelt dort das Projekt „Timber Living“. Der Name verrät bereits die Absicht: Hier wird auf eine Holz-Hybrid-Bauweise gesetzt, die den Energieverbrauch senken und ein angenehmes Wohnklima schaffen möchte. Geothermie und Fotovoltaik ergänzen das nachhaltige Konzept. Mit dem ökologisch ausgerichteten Ansatz streben die Verantwortlichen die DGNB-Gold-Zertifizierung an. Auch räumlich entsteht ein neuer Ort: Die Architekten von Zanderroth greifen die Zeilenstruktur des Viertels auf und formen daraus einen geschützten Innenhof, der als grüne Mitte gedacht ist.

Ein abgesenkter Gartenbereich verbessert das Mikroklima, während Gärten, Loggien und Dachterrassen den Bewohnern Rückzugsmöglichkeiten bieten. Insgesamt entstehen 264 überwiegend barrierefreie Wohnungen, die sich aus 204 Eigentumswohnungen und 60 Mietwohnungen zusammensetzen, sowie eine Kita und ein Supermarkt. Das Bauvorhaben wird in zwei Abschnitten ausgeführt und aller Voraussicht im Januar 2026 beginnen. Die Abbrucharbeiten begannen jedoch bereits und stehen kurz vor Beendigung.

So wandelt sich ein Stück Münchner Firmengeschichte behutsam in ein neues Zuhause, das für viele zwar einen Bruch mit der Vergangenheit darstellt, aber die Handschrift des Ortes weiterträgt. Kelly Kelch
Erschienen im Tagesspiegel am 04.02.2026