AIs die Nachricht von Frank Gehrys Tod Anfang Dezember letzten Jahres die Runde machte, war das keine Meldung, die man schlicht zur Kenntnis nahm. Sie hat weltweite Bestürzung ausgelöst, denn sein großes Verdienst war es, uns atemberaubende Bauwerke zu schenken, die man niemals vergisst. Abseits des Üblichen und bereits ergreifend beim ersten Blick. Den rechten Winkel vermeidend, um fließende Formen zu feiern. Wie bei der „Walt Disney Concert Hall in Los Angeles, die einem riesigen stählernen Segelschiff gleicht, oder beim kühn gezeichneten Guggenheim-Museum im spanischen Bilbao, das durch seine Anziehungskraft einem ganzen Stadtteil zu neuem Leben verholfen hat. Auch in Deutschland hat der amerikanische Star-Architekt immer wieder Projekte verwirklicht, die zur Bereicherung ihrer Auftraggeber und der jeweiligen Umgebung geworden sind.
So ist das „Vitra Design Museum“ in Weil am Rhein nicht nur Ausstellungsfläche, sondern Ausdruck einer Gestaltungsphilosophie, und der „Gehry-Tower“ in Hannover zeigt durch das Zusammenspiel seines verdrehten Baukörpers mit den reflektierenden Fassadenelementen, wie exzellent man neue Gebäude mit dem bestehenden urbanen Gefüge in Einklang bringen kann. Und das, obwohl Frank Gehry ja als einer der Wegbereiters des Dekonstruktivismus gilt.
Doch genau diese Abkehr vom hergebrachten Bauen ermöglicht es, in der Umsetzung auch alte Strukturen wieder signifikant aufzuwerten. Vermutlich wird das auch bei einem der letzten Projekte gelingen, das sich auf die Handschrift Gehrys berufen kann: Das „Colburn Center“ ist die Erweiterung der gleichnamigen Musik- und Tanzschule in Los Angeles und soll nach seiner geplanten Vollendung im späten Jahr 2027 mit einem variablen Konzertsaal, Trainingsstudios aus Glas und den ins Ensemble integrierten Gärten begeistern.
KAI-UWE DIGEL
Erschienen im Tagesspiegel am 04.02.2026