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Wenn Gelenke brennen und schmerzen

Eine rheumatoide Arthritis entwickelt sich oft schleichend und verläuft in Schüben. Dabei können auch die Fingergelenke stark betroffen sein. Um die chronische Erkrankung möglichst auszubremsen, ist ein individuelles Therapiebündel der beste Weg. Foto: Adobe Stock

Aktionstag gegen den Schmerz

Wenn Gelenke brennen und schmerzen

Rheumatoide Arthritis kann das Leben richtig schwer machen - gut kombinierte Therapiebausteine verschaffen Linderung

Kommt die Rede auf Rheuma, ist dies lediglich ein unklarer Begriff, unter dem hunderte verschiedene Erkrankungsformen zusammengefasst werden (Gicht, Fibromyalgie etc.). Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh, Bonn) schätzt die Zahl der insgesamt von Rheuma Betroffenen auf mindestens 1,5 Millionen, das Bündnis für Rheumatologie (Berlin) spricht sogar von mehr als 1,8 Millionen. Das verschafft einigen RheumaErkrankungen den zweifelhaften Status einer Volkskrankheit. Ein Beispiel ist die rheumatoide Arthritis (RA), die mit geschätzten 700.000 bis 800.000 Betroffenen ganz vorne dabei ist.

Wenn der Körper sich selbst angreift

Früher nannte man die meistens in Schüben verlaufende Krankheit chronische Polyarthritis. Die RA ist eine sogenannte Autoimmunerkrankung und eine, die es durchaus in sich hat. Denn dieser Rheumatyp greift die Schleimhäute der Gelenke an, die sich in der Folge entzünden, womit einer chronischen Gelenkentzündung die Bahn geebnet wird. Besonders tückisch: Diese Autoimmunerkrankung führt dazu, dass das Immunsystem irrtümlich körpereigenes Gewebe attackiert. Dies geschieht, indem falsch gesteuerte Immunzellen in die Gelenke einsickern und dort inflammatorische Prozesse in Gang setzen. Mindestens ebenso gravierend: Die Krankheit ist nicht heilbar. Unbehandelt hat sie in jedem Fall ernsthafte Folgen, denn die RA greift nicht nur die Gelenke an, sie kann zum Beispiel auch das Risiko für einige Infektionen erhöhen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen oder einige Typen von Krebs begünstigen. Allerdings lässt sie sich mit einer ganzen Reihe von therapeutischen Maßnahmen und einer speziellen Ernährung zumeist gut in den Griff bekommen. Doch warum bekommt einer eine RA und eine andere nicht? Diese Frage steht letztlich noch offen, als gesichert gilt eine genetische Veranlagung. Dazu gesellen sich vermutlich Faktoren einer ungesunden Lebensweise, allen voran Umweltgifte (Feinstaub, Abgase etc.), Rauchen und eine schlechte Ernährung.

Komplizierte Diagnose

Die Diagnose für eine RA gestaltet sich schwierig. So wie bei Manuela B. aus Augsburg (Name von der Red. geändert). Bei der agilen Bürokauffrau begann die Krankheit eher schleichend, die Symptome konnten weder ihr Hausarzt noch sie selbst eindeutig verifizieren. Das geschieht bei einer RA häufiger. Zu diffus und zu wenig abgrenzbar von anderen Rheumaformen, vor allem von einer Arthrose, sind die anfänglichen Beschwerden. Manuela B. bekam zunächst Kniebeschwerden und Schmerzen an den Fingern. Mit der Zeit fühlte sie sich morgens generell steif, kam immer langsamer „auf Touren“ und hatte zuvor meist schlecht geschlafen, da ihre Gelenke auch nachts schmerzten. Als sich dazu noch ein leichtes Krankheitsgefühl sowie eine allgemeine Ermattung gesellten, überwies sie ihr Arzt an eine rheumatologische Praxis. Dort musste sich Manuela B. nach gründlicher Anamnese einer ganzen Reihe von Untersuchungen unterziehen, unter anderem einem Bluttest, bei dem sich die für entzündliches Rheuma typischen Parameter des Rheumafaktors inklusive einiger entsprechender Antikörper sowie eine erhöhte Blutsenkung und ein angestiegener CRP-Wert (sogenanntes C-reaktives Protein) zeigten. Im Ultraschall sah der behandelnde Arzt verdickte Gelenkinnenhäute. Komplettiert wurde die Diagnose mit Hilfe einer MRT (Magnetresonanztomographie), die zum Glück zeigte, dass noch keine Knochen in Mitleidenschaft gezogen waren.

Wirksame Therapien

Eine gut ausgeklügelte Kombination aus verschiedenen Therapien kann eine RA durchaus in ihre Schranken weisen. Mindestziel ist es, die chronische Erkrankung abzubremsen, die ehrgeizige Variante lautet: den Verlauf zum Stillstand zu bringen. Je früher die Behandlung beginnt, umso besser sind die Aussichten. Rheumatologen setzen oft auf nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) zur Schmerzbekämpfung. Aber auch auf Immunsuppressiva sowie Biologika oder Kortison. Diese Medikamente können überschießende Immunreaktionen und Entzündungsprozesse bremsen. Allerdings nicht ohne Nebenwirkungen, da sie etwa anfällig gegen Infektionen machen, Kortison zudem unter anderem den Blutdruck erhöhen oder eine Osteoporose provozieren kann. Doch gibt es mehr als nur Pillen: Ein Grundpfeiler wider die RA ist gezielte Physio- und Ergotherapie. Sie halten die Gelenke geschmeidig und stärken die Muskulatur. Gut sind außerdem Kälte- und Wärmebehandlungen. Alternative Schmerztherapien wie Akupunktur oder Faszientraining sind sicher einen Versuch wert. Nicht weniger bedeutsam sind ein gesunder Lebensstil und die Ernährung. So lässt Stress die Krankheit förmlich nach oben schnellen. Meditation, Yoga oder schlicht Entschleunigung sind probate Mittel dagegen. Bei allen Rheumaerkrankungen muss zudem das Motto lauten: Wer rastet, der rostet Bewegung und gelenkschonender Sport (Radfahren, Schwimmen, Walking, Gymnastik, leichtes Krafttraining etc.) sollten fester Bestandteil des Alltags sein. Das „Tüpfelchen auf dem i“ ist schließlich eine dem Rheuma angepasste Ernährung. Keine oder kaum minderwertige Fette (Transfettsäuren) und tierische Fettsäuren (Arachidonsäuren), viele hochwertige Pflanzenöle (Oliven-, Lein-, Walnuss- und Rapsöl), reichlich Omega-3-Fettsäuren, dazu eine optimale Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen: All das trägt zu einem niedrigen „Rheuma-Level“ bei. Christoph Trick

Gut zu wissen

Rheumatoide Arthritis (RA)

Die Diagnose einer RA ist aufgrund diffuser und vielfältiger Symptome schwierig. Die Krankheit tritt schleichend auf und verläuft in Schüben. Eine RA kann in jedem Alter ausbrechen, jedoch sind die meisten Neupatienten zwischen 50 und 70 Jahre alt. Typische Symptome sind:
► Morgensteifigkeit: Unbewegliche Gelenke kurz nach dem Aufstehen, vor allem Fingergelenke sind betroffen.
►Allgemeine Gelenkschmerzen: reißende oder stechende Schmerzen, die sich besonders (im Gegensatz zur Arthrose) vorwiegend in Ruhe und somit auch nachts bemerkbar machen. Im Frühstadium der Erkrankung beginnt der Schmerz meistens in den Finger- und Zehengelenken, später sind auch weitere Gelenke betroffen. ►Wärmegefühl und Brennen: Die betroffenen Gelenke fühlen sich warm an, mitunter empfinden Betroffene ein starkes Brennen.
► Schwellungen: Gelenke schwellen an, können gerötet sein und sind vor allem empfindlich gegen Druck, was wiederum den Schmerzpegel erhöht. Rheumaknoten: Unter der Haut bilden sich kleine Knoten, Rheumaknoten genannt.
►Müdigkeit und Erschöpfung: können auch bei einer RA auftreten. Typisch sind zudem ein unruhiger Schlaf und Konzentrationsprobleme.
►Allgemeines Krankheitsgefühl.
►Appetitverlust. Fehlt eine konsequente Therapie, kommt es im Verlauf der Erkrankung zu immer ausgeprägteren Symptomen. Die Gelenke schwellen weiter an, sie werden dicker und unbeweglicher, sie verformen sich mehr und mehr. Patienten können bei einem Schub Fieber bekommen, es kommt oft zu Muskelschwäche. Eine RA kann in der Folge auch andere Organe attackieren (Augen, Lunge, Nieren und Darm). und Bluthochdruck provozieren. Christoph Trick

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 02.06.2026

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