Nach der Verunsicherung von Kunden durch das Heizungsgesetz der alten Regierung, zog dieses Jahr die Nachfrage nach Wärmepumpen deutlich an, wie der Bundesverband Wärmepumpe berichtet. Plus 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum seien es gewesen, berichtet Geschäftsführer Dr. Martin Sabel. Besitzer von Wärmepumpen in Bestandsgebäuden seien zudem nach einer Forsa-Umfrage ausgesprochen zufrieden mit dem Betrieb ihrer Geräte. Der Verband begrüßt die Fortführung durch die Bundesförderung "effiziente Gebäude“ und hofft, dass die geplante Absenkung der Stromsteuer und Minderung der Netzentgelte weiteren Auftrieb für den Einbau von Wärmepumpen leistet. „Angesichts der großen Abhängigkeit von Energieimporten aus autoritär regierten Weltregionen geht es dabei nicht nur um Klimaschutz, sondern auch um die Versorgungssicherheit in Deutschland“, erklärt Sabel.
Während die Wärmepumpe im Neubau bereits die beliebteste Heizungsart ist, sind viele Hausbesitzer beim Nachrüsten mit einer Wärmepumpe zögerlich. Lediglich etwa 4 Prozent der Heizungen sind derzeit mit Wärmepumpen ausgestattet. Angesichts der hohen gesamten Investitionskosten von 25.000 bis 35.000 Euro bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus scheuen viele die Anschaffung. Doch es gibt hohe Förderungen: Pauschal wird ein Investitionszuschuss von 35 Prozent für effiziente Wärmepumpenanlagen gewährt. Wenn das zu versteuernde Gesamteinkommen weniger als 40.000 Euro ist, kann noch ein Bonus von 30 Prozent hinzukommen. Maximal beträgt die Förderung 70 Prozent der Investitionskosten.
Mindestmaß in Dämmung
Wärmepumpen rechnen sich auf lange Frist ohnehin: Aus einer Kilowattstunde Strom können - bei einem ausreichenden Energiestandard des Gebäudes und effizienten Betrieb der Wärmepumpe - bis zu 4 Kilowattstunden Heizwärme erzeugt werden. Mit einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach ist der Strom sogar kostenlos. Mit Ökostrom betriebene Wärmepumpen haben zudem keine CO₂-Emissionen.
Ein älteres Gebäude mit einer Wärmepumpe nachzurüsten, ist jedoch nur wirtschaftlich sinnvoll, wenn das Gebäude ein Mindestmaß an Dämmung aufweist. Beim Heizen mit einer Wärmepumpe erhöhen sich die Kosten ansonsten meist stärker als bei einer Gasheizung. Eine Sanierung und Dämmung eines Altbaus sollte also vor der Umstellung der Heizung auf eine Wärmepumpe erfolgen. Fußboden oder Wandheizungen sind für Wärmepumpen besser geeignet, da diese mit einer niedrigen Temperatur betrieben werden. Herkömmliche Heizkörper sollten daher gegen Niedertemperatur-Heizkörper ausgetauscht werden. Beim Einbau einer Wärmepumpe muss möglicherweise ein neuer Kessel eingebaut werden und neue Rohrleitungen verlegt werden. Eine bestehende Gasheizung muss beim Einbau einer Wärmepumpe nicht entfernt werden. Mit einer Wärmepumpe lässt sich auch heißes Wasser erzeugen, doch für einen erhöhten Wärmebedarf, kann die Kombination mit einem anderen Heizsystem sinnvoll sein.

Am effektivsten arbeiten Erdwärmepumpen, die im Erdreich gespeicherte Wärme und Grundwasser nutzen. Besonders effiziente Erdwärmepumpen haben Erdsonden, die - bei Einfamilienhäusern - zwischen 60 und 100 Meter tief reichen. In hundert Metern beträgt die Wärme konstant etwa 10-12 Grad Celsius. Die Grundwasser-Wärmepumpe wird über eine Art Brunnenanlage betrieben und entzieht dem Grundwasser die Wärme. Sie bietet die höchste Effizienz im Vergleich zu anderen Wärmepumpen-Systemen, ist aber auch teurer und benötigt ausreichend vorhandenes Grundwasser. Erdwärmepumpen können so ausgelegt werden, dass sie im Sommer zum Kühlen nutzbar sind. Dabei gibt es zwei Methoden: Bei der passiven Kühlung wird Wärme aus Flächenheizungen über Erdsonden ans Erdreich abgeführt. Die konstante, etwa um 10 °C kühlere Bodentemperatur im Sommer ermöglicht die Abkühlung der Raumtemperatur um einige Grad. Der Stromverbrauch dafür ist niedrig, da nur die Umwälzpumpe genutzt werden muss.
Viele Hausbesitzer scheuen bei einem existierenden Gebäude allerdings den Aufwand einer Erdbohrung. Eine Luftwärmepumpe kann bei existierenden Gebäuden nachträglich an der Hauswand aufgestellt werden und ist kostengünstiger als eine Erdwärmepumpe. Heutige Modelle sind zudem sehr geräuscharm und in vielen Design-Varianten verfügbar. Der Einbau einer Erdwärmepumpe kann je nach Gegebenheiten innerhalb von einer bis zwei Wochen erfolgen. Für den Einbau einer Luftwärmepumpe reichen in der Regel zwei bis vier Tage. WOLFRAM SEIPP
Erschienen im Tagesspiegel am 02.08.2025