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Vom Motorenwerk zum Migrationsmuseum

Blick in die unsanierte Halle in Köln-Kalk, in der früher Motoren gebaut wurden. Foto: DOMID

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Vom Motorenwerk zum Migrationsmuseum

„German Design Award 2026“ für den Architektur-Entwurf zum künftigen „Museum Selma“ in Köln

Lange gehörten die „Hallen Kalk“ zu den bekanntesten Stadtbrachen Kölns, doch nun regt sich wieder Leben in den ehemaligen Gebäuden des Klöckner-Humboldt-Deutz-Konzerns. Einst wurden hier Motoren hergestellt, nun entsteht ein spektakuläres Kultur-Areal mit dem künftigen „Museum Selma“ im Zentrum, das seinen Namen nach der keltischen Bedeutung für „schöne Aussicht“ und den arabischen Begriffen für „Harmonie“ und „Frieden“ hat. Auf über 10.000 Quadratmetern soll hier nicht nur die Migrationsgeschichte in Deutschland beleuchtet, sondern ein Ort der Begegnung und des Austauschs entwickelt werden. Initiiert wurde Museum vom Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland (DomiD); die Eröffnung ist für 2029 vorgesehen. Bis dahin gibt es noch viel zu tun: Bauseits in den riesigen Werkhallen, die in ihrer Grundform aus dem Jahr 1913 stammen, und auch organisatorisch, denn die Sammlung des Dokumentationszentrums umfasst etwa 150.000 Exponate. Aber die Arbeiten sind bereits im Gang und stehen gestalterisch unter einem guten Stern: Der Architektur-Entwurf zum neuen Museum ist jedenfalls soeben in der Kategorie „Excellent Architecture/Conceptual Architecture“ mit dem „German Design Award 2026“ ausgezeichnet worden.

Er stammt vom Stuttgarter „Atelier Brückner“, das zunächst die europaweite Ausschreibung für sich entscheiden konnte und nun vor allem Anerkennung für die Nachhaltigkeit und die Individualität seines Konzepts bekommt: „Die konsequente Integration nachhaltiger Materialien und der respektvolle Umgang mit dem Bestand prägen ,Museum Selma‘ auf eindrucksvolle Weise. Modulare Holzeinbauten nach Cradle-to-Cradle-Prinzipien schaffen flexible Räume, die das industrielle Erbe sichtbar bewahren und gesellschaftliche Vielfalt fördern. Besonders hervorzuheben ist die authentische Verbindung von Architektur, Geschichte und Teilhabe, die einen kraftvollen Maßstab für exzellente Konzeptarchitektur setzt“, so beschreibt es die Award-Jury. Da passt offenbar vieles zusammen, wie auch „Atelier Brückner-Partner Michel Casertano in der Projektbeschreibung unterstreicht: „Das Industriegebäude ist ein bewusst und gut gewählter Ort für das Thema Migration.“ Ein Thema, das ihm zufolge in Deutschland auch besonders mit der Arbeit in der Industrie verbunden ist. So nahm das Architekturbüro die Historie des Ortes als Ankerpunkt für seine Ideen: Geschichte, die Geschichten erzählen soll, und das im architektonischen Kontext.

Unternehmen aus der Region

Ganz konkret bedeutet das hier, kreativ mit dem Bestand zu arbeiten und Spezielles zu bewahren: Kranbahnen und Schienen, die erhalten bleiben, oder auch historische Oberflächen, die bei der neuen Gestaltung wieder eine Rolle spielen. Auf der eigentlichen Ausstellungsfläche, aber auch in den weiteren geplanten Räumen. Dazu gehören zum Beispiel ein Café, ein Kino, ein „Open Space“, Büros und eine Bibliothek. Auf all das freut man sich beim künftigen „Museum Selma“, und auch über das Helle und Luftige an dem Entwurf. Beides stützt das Ansinnen aller Beteiligten, einen Ort zu schaffen, an dem man gerne verweilt, ohne gleichzeitig zum Konsum gezwungen zu sein, ebenso wie die gesamte Aussage, die der Bau haben soll: „Der Entwurfgreift nur behutsam in den Bestand ein und lässt so den industriellen Charakter unserer Halle wirken“, so Yordanos Asghedom, die Projektleiterin von DomiD.

„Durch die modularen Holzeinbauten entsteht ein nachhaltiger Kulturbau, der die besondere Verantwortung betont, die wir als Museum für kommende Generationen haben. Die Neuerweckung eines industriellen Bestandsbaus unter nachhaltigem Aspekt und mit gleichzeitigem kulturellem Auftrag: Es steckt viel Herzblut in diesem Projekt und auch eine Menge Unterstützung von Stadt und Land: Grundstück und Gebäude wurden von der Stadt Köln zur Verfügung gestellt. Die finanzielle Investition von rund 44 Millionen Euro teilen sich der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen.
KAI UWE DIGEL

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 07.02.2026

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