○liver Körtge ist kein Mann für halbe Sachen. „Alle sprechen von Energiewende und Transformation – wir ziehen das gerade durch“, schrieb er der mobilen faszination, „Nachdem wir im letzten Sommer die Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt und zusätzlich noch im Dezember eine Photovoltaik-Anlage auf das Dach gebaut haben, steht nun, um alles schlüssig zu machen, der Kauf eines Elektro-Autos an.“ Deshalb hat der Chef eines kleinen Metallbaubetriebs in Trudering auch bei unserem Gewinnspiel mitgemacht – und das Glück war ihm hold. Unter den vielen Einsendungen wurde seine gezogen. Körtge durfte ein Wochenende lang den brandneuen Volvo EX30 testen, kostenloses Aufladen inklusive.
Übergeben wurde das Fahrzeug im Autohaus München von Verkaufsleiterin Meryem Teki nach einer ausführlichen Einweisung. „Das war auch nötig“, sagt Körtge, „ich bin vorher noch kein Elektroauto gefahren.“ Dazu kommt: Der Volvo EX30 ist ein Fahrzeug der neuesten Digital-Generation und hat eine ganze Reihe von Innovationen, die man so nicht kennt. Zum Beispiel, dass es keinen Tacho mehr hinter dem Lenkrad gibt und dass stattdessen alles Wesentliche auf dem zentralen Touchscreen auf dem Armaturenbrett abgebildet wird. Auch das gefahrene Tempo. „Das war schon komisch im ersten Moment“, sagt Körtge, aber man gewöhnt sich ziemlich schnell daran.“
Zeit genug dazu hatte der Metallbauer aus München auf alle Fälle. Wie schon gesagt: Er ist kein Mann für halbe Sachen. Und deshalb ging die Probefahrt nicht bloß an den Chiemsee, sondern gleich am Gardasee vorbei in die norditalienische Stadt Verona. Wie passend, dass das Ehepaar schon Karten für die berühmte Arena hatte. Körtge: „Leider konnten wir den Motor gar nicht richtig ausfahren – der Urlaubsverkehr war schon ziemlich dicht.“ Aber was heißt hier Motor? Der EX30 hat in der Top-Version gleich zwei davon. Auf Vorder- und Hinterachse sitzt jeweils eine E-Maschine – die Leistung liegt bei stattlichen 428 PS. Damit saust der Volvo in atemberaubenden 3,6 Sekunden von 0 auf Tempo 100.



Das Basismodell hat nur einen Motor im Heck – bringt es aber auch schon auf 272 PS.„Das hätte uns auch schon genügt“, meint Körtge. „Aber so war die Leistung natürlich schon bärenstark. Und das Auto fährt sich wirklich schön.“ Findet auch Ehegattin Barbara, die ebenfalls zum ersten Mal ein elektrisches Auto gefahren ist. Sie lobt den „tollen Komfort und das angenehme Handling.“
Aufgeladen haben die Körtges schon nach 250 Kilometern. Rein theoretisch hätte es der Volvo EX30 von München nach Verona schaffen müssen. Schließlich hat das Modell mit dem Twin-Motor eine Reichweite zwischen 462 und 476 Kilometern. Aber das wäre knapp geworden, zumal das Auto mit Klimaanlage im Sommer und gerade bei langen Berganstiegen viel Strom braucht. Das ist nicht anders als bei einem Verbrenner. Das Aufladen war kein Problem – zumindest in Brixen, erzählt Körtge. „Wir mussten aber schon mehr als einen Espresso trinken, bis der Akku wieder zu 100 Prozent voll war.“ Ein kleiner Besuch im Einkaufszentrum nebenan hat die Zeit dann doch verkürzt. Auf der Heimfahrt ging es dann in Trento an die Ladesäule. Vorsichtshalber. „War gar nicht so einfach eine Säule zu finden. Es war Sonntag und da hatten viele private Betreiber geschlossen.“ So dicht wie in Deutschland ist das Ladenetz in Italien halt noch nicht. „Wir sind dann mit 17 Kilometern Restreichweite daheim eingetroffen“ erzählt Körtge, der das Auto dann an der Steckdose auflud. Sein Fazit: „Der Volvo EX30 ist ein schönes und gutes Auto, das viel Spaß macht. Für unsere Zwecke wäre es zu klein, wir sind begeisterte Skitourengeher – da hätten wir zu wenig Platz. Aber als flottes Stadtauto wäre der Volvo eine Überlegung wert.“
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Erschienen im Tagesspiegel am 22.07.2024