Wie nachhaltiges Bürodesign geht, zeigt Vepa: Zusammen mit dem Designbüro Lama-Concept hat der niederländische Büro- und Objektmöbelhersteller eine besondere Kollektion auf den Markt gebracht - den Whale Boardroom Tablesamt passenden Stühlen. Inspiriert vom Aussehen eines Wals an der Wasseroberfläche, erinnern die robusten Tischbeine aus zertifiziert nachhaltig erwirtschafteter Eiche an die Knochenstruktur des Meerestiers. Die Tischplatte ist mit PET-Filz bezogen, auch innen besteht sie aus recycelten PET-Flaschen, die aus den Grachten Amsterdams gesammelt wurden.
Bemerkenswert ist auch die „Blue Finn-Stuhlkollektion von Vepa mit Sitzflächen und Lehnen aus 100 Prozent Bluewrap einem faserigen Einwickelmaterial für sterile Operationsinstrumente, das sonst einfach weggeworfen würde. Doch das ist noch nicht alles: Dem 1951 gegründeten und im Besitz von fünf Familien befindlichen Unternehmen ist Kontinuität wichtiger als persönliche Gewinnmaximierung - und es hat sich schon seit vielen Jahren der Nachhaltigkeit verschrieben: „Tomorrow is calling-we have the answers“, steht in großen Lettern am Eingang der Firmenzentrale in Emmen. Dort befindet sich auch das Vepa Circular Center: In der riesigen, kürzlich auf 11.000 Quadratmeter erweiterten Produktions- und Lagerhalle warten Hunderte Mustermöbel, ausgedientes Mobiliar von Kunden, Fehlbestellungen oder Ausstellungsstücke auf die professionelle Wiederaufbereitung. Seit 2019 wurden bereits Zehntausende Möbel von über 40 Fremdherstellern revitalisiert.


„Das ist ein Segment, das noch weiter wachsen wird“, so Marco Schoneveld, Geschäftsleiter Deutschland und ergänzt: „Natürlich sind wir immer noch primär Hersteller und keine Gebrauchtmöbelhändler, aber der Ansatz mit den refurbished Möbeln gehört zur umfassenden Vepa-Nachhaltigkeitsstrategie, die auf 100 Prozent Kreislaufwirtschaft und,no waste basiert.“ Gemeinsam mit der Fair Furniture Group hat Vepa für diesen Geschäftszweig kürzlich das Fair Furnished Label ins Leben gerufen - ein Markenzeichen für Produkte, die im eigenen Wiederaufbereitungszentrum behandelt wurden und damit ein zweites oder drittes Leben erhalten. Das Label wird markenunabhängig vergeben und garantiert, dass die Qualität des aufgearbeiteten Produkts mindestens der des Originals entspricht. Auf diese Produkte gibt es daher eine Garantie wie auf Neuware.
Ein schönes Beispiel für das konkrete Recycling von Fremdmöbeln durch die Fair Furniture Group im Circular Center ist der Fritz-Hansen-Stuhl „Vico Duo“: Dieser erhielt ein nachhaltiges Makeover, ohne seine charakteristische Eleganz und Funktionalität zu verlieren. Bei ihm konnte die Sitzschale aufgrund ihrer leichten Demontierbarkeit problemlos entfernt und neu lackiert werden, das Gestell wurde nur gründlich gereinigt, um seine ursprüngliche Struktur zu erhalten. Besonderes Augenmerk legte das Team des Circular Center auch auf die Polsterung, die speziell für diesen Stuhl angefertigt wurde. Im Circular Center werden übrigens nicht nur Stühle aufbereitet im Rahmen von Gesamtprojekten werden auch Tische und Schränke revitalisiert.


Die hinter der Initiative stehende Fair Furniture Group wurde 1998 gegründet und vereint unter ihrem Dach acht eigenständige Marken im Bereich Büro- und Projektmöbel: Neben Vepa sind dies Eromesmarko, Be by Bèta, De Lockerfabriek, Fair Furniture Academy, BUUR, Zooi und Office Service Nederland. Ihre knapp 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entwickeln und produzieren an den niederländischen Standorten Hoogeveen, Emmen, Wijchen, Breda sowie im britischen Telford. Sie alle eint ihr Bekenntnis zu Kontinuität, konsequenter Reinvestition in Innovation und Nachhaltigkeit sowie sozialer Verantwortung - eine Gruppe gleichgesinnter Marken und Menschen mit gleichen Werten: In der Produktion ist die Wiederverwertung von Materialien der entscheidende Ausgangspunkt aller Prozessschritte. Wo keine wiederverwertbaren Materialien eingesetzt wer den können, rücken lokal verfügbare, nicht-fossile Materialien in den Fokus. BARBARA BRUBACHER
Erschienen im Tagesspiegel am 07.09.2024