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Total verkork(s)t!

Klar kann Kork auch Retro: Dieses Kork-Teppichmuster heißt „Retro Dream“ und interpretiert die Seventies auf eine reduzierte Weise neu. Zudem ist er in allen Wohnbereichen einsetzbar. Foto: Marcel Mayer 

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Total verkork(s)t!

In einer österreichischen Manufaktur entstehen nachhaltige Wohnideen aus der robusten Baumgewebeschicht.

Hätten Sie's gewusst? Die Rinde der Korkeiche wird in mediterranen Gefilden schon seit rund 2000 Jahren vom Stamm geschält und verwendet. Diese wächst im westlichen Mittelmeerraum und man nutzte das Material für Korken oder in der Fischerei als Schwimmer an Angeln und Netzen. Wie gut sich Kork auch im Interior-Bereich macht, beweist ein inzwischen gut etabliertes Unternehmen aus Krumbach im österreichischen Bundesland Vorarlberg: Das Label Clarissakork hat über 20 Mitarbeiter und über 100 Produkte im Programm. Laut Eigenbeschreibung: ein rundum verkork(s)tes Universum.

Zur Produktpalette zählen wertige Teppiche, die rutschfest und mit stylischen Stickereien daherkommen und schon Preise wie den German Design Award gewannen. Ebenso Schutzmatten und Läufer, die sich - weil grundsätzlich wasserabstoßend auch für Bäder und Nasszonen empfehlen. Zudem gibt es Kinderteppiche und Wickelauflagen, Tischsets und Untersetzer, Hundekissen für die Vierbeiner sowie Taschen, Shopper und -ja, tatsächlich - Geldbörsen für Zweibeiner. Alle Produkte sind handgemacht, für Allergiker geeignet, robust und reißfest, pflegeleicht, nachhaltig und nachwachsend. Werweiter forscht, findet heraus: Kork kann noch viel mehr. Das Rindenmaterial wirkt schalldämmend, schont die Gelenke und speichert Wärme. In der Haptik zeigt sich Kork angenehm, hat eine samtig weiche und warme Oberfläche, mit einem Griff ähnlich wie glattes Leder. Korkleder kann komplett durchgefärbt werden, ohne dabei abzufärben, hierfür werden zertifizierte Farben auf Wasserbasis verwendet. Gute Gründe, die den Einsatz im Wohnbereich plausibel machen, auch im Sektor Hotel- und Gastronomieeinrichtung wächst die Beliebtheit stetig. Das Fazit? Kork boomt.

Die Frau hinter der Marke ist Clarissa Steurer, studierte Ingenieurin: „Wir bei Clarissakork gestalten und produzieren vegane Korklederprodukte für Designliebhaber, Stilbewusste und Menschen mit Kids. Das Ganze in Handarbeit, hier in den Alpen“, heißt es auf der Unternehmenswebseite. Und weiter: „Für die Ernte muss kein Baum sterben und die Rinde kann schon nach 8 bis 9 Jahren erneut geerntet werden. Korkleder ist robust, bruchfest, abwischbar und antimikrobiell. Diese Vorteile bringen einen echten Nutzen im Alltag. Clarissakork-Materialien sind zu 100 Prozent vegan.“ Dazu kommen die edle Optik und die sinnliche Haptik des Naturmaterials, das Sie ahnen es nun - bedeutend mehr kann als Champagnerflaschen abdichten.

„Kork hat mein Leben völlig auf den Kopf gestellt“, sagt Steurer und räumt gleich mit einem Vorurteil auf: „Es kursiert die Mär, dass Kork einer Knappheit unterliegt. Doch es ist so: Die Weinindustrie beschloss aus Kostengründen, lieber Stopfen aus Glas oder Drehverschlüsse aus Metall und Plastik zu nutzen und begründetedies nach außen unter anderem mit einer Korkknappheit. Man könnte von einem PR-Gag sprechen. Aber welch Glück für mich, denn aus dieser, Krise entstand ein enormer Überschuss an Korkrinde: Es mussten neue Produkte her, und so entstand aus dieser Not das wunderbare Korkleder.“ Ich kam, sah- und korkte, könnte Gründerin Steurer, die aus der Textilbranche stammt, wohl als Motto ausgeben. Siebrachte eine frische Perspektive mit ein, die zur Grundlage des heutigen Unternehmenswurde. „Ich habe schon immer lieber eigene Ideen als die von anderen umgesetzt“, erzählt sie. Gegründet im Jahr 2018, fertigt und liefert Clarissakork heute rund 4000 Teppiche im Jahr, zu 90 Prozent als konfigurierte Modelle nach individuellem Kundenwunsch bestellt. Die Krönung von Clarissas Korkwelt ist das neue Betriebs- und Wohngebäude, das sowohl architektonisch überzeugt als auch mit -klar, Kork. Das Material kam in der Fassade zusammen mit vorgesetzten Holzlamellen zum Einsatz und dient nun auch optisch als Markenbotschafter für eine durch und durch nachhaltige Unternehmensidee.
Franziska Horn

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 05.04.2025

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