AIs Sitzmöbel unterschätzt, als Konstruktion anspruchsvoll: Kaum ein Möbel verzeiht handwerkliche Ungenauigkeit so wenig wie der Hocker. Der Schappo-Hocker vereint Tischlerhandwerk, Metallverarbeitung, Funktionalität und Industriedesign. Er ist reduziert auf Holz und Stahl, stabil und vielfältig einsetzbar – sei es im Wohnzimmer, im Büro oder an der Küchentheke. Die Hocker im puristischen Industriedesign sind „made in Germany“. Dei Kopf hinter den Designerstücken ist Holger „Schappo“ Scharping, gelernter Tischler und erklärter Hocker-Fan.


„Schon als Kind war ich von Hockern fasziniert“, sagt er. Was ihn allerdings störte, war, dass viele der höhenverstellbaren Modelle beim Hochschrauben ihre Stabilität verloren und wackelten. Jahrelang tüftelte er an einer Lösung. Die fand er schließlich in Form einer Trapezgewindespindel im Maschinenbau. Sie sorgt dafür, dass die Sitzfläche auch hochgeschraubt ruhig und fest bleibt. Die präzisen Metallteile für das Gewinde lässt Scharping in einem kleinen CNC-Betrieb in Hemau bei Regensburg fertigen. Das Untergestell des Hockers besteht wahlweise aus unlegiertem Schwarzstahl oder aus Holz.
Für die Sitzfläche verwendet er vorwiegend Eiche oder Schwarznuss von heimischen Zulieferern. Zusammengebaut wird alles seit 2012 in der „Schappo-Möbelwerkstätte“ im hessischen Karben. Die Dreibeiner gibt es in drei Grundhöhen, die jeweils um zehn Zentimeter verstellbar sind – vom niedrigen Arbeitshocker mit Holzbeinen bis zu Barhockern mit schwarzem Stahlgestell. Ergänzt werden sie durch passende Tische, gefertigt nach demselben Prinzip. Neben den Holz-Stahlvarianten hat Scharping ein Luxusmodell aus Acryl und Chrom im Sortiment.
PATRIZIA STEIPE
Erschienen im Tagesspiegel am 04.02.2026