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Terrazzoboden – Revival eines Klassikers

Auch in Deutschland wurde in den 50er-Jahren in Dielen und Treppenhäusern häufig Terrazzoboden verwendet. Foto: Viamaterial

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Terrazzoboden – Revival eines Klassikers

Das historische Material ist heute wieder Trend

Terrazzoboden überdauert Jahrtausende und gilt als einer der ältesten Bodenbeläge. Schon in der griechischen und römischen Antike war er weit verbreitet. Der älteste Nachweis im türkischen Cayönü stammt aus der Jungsteinzeit etwa 5000 v. Chr. Auch im alten Ägypten wurden schon Terrazzo- und fugenloser Estrichboden verwendet. Die erste schriftliche Quelle über die Herstellung eines Terrazzobodens findet man bei Marcus Vitruvius Pollio, der im 1. Jahrhundert v. Chr. in Rom lebte. Der in Rom verwendete Betonmörtel (Opus signinum) wurde meist aus Ziegelbruch und anderen weichen Zuschlägen hergestellt und konnte leicht geschliffen werden. Terrazzoböden aus Opus signinum wurde nicht nur kunstvoll mit Zuschlägen von Marmor, Kalkstein und Dolomit in Palästen verbaut, sondern auch in einfacher Machart in Landgütern und Städten im gesamten römischen Reich. Der Terrazzoboden war vor allem in südlichen Regionen beliebt, da er im Sommer kühl wirkt. Dennoch wäre er nicht kalt und die Dienerschaft würde sich darauf nicht verkühlen, erklärt der römische Schriftsteller Plinius der Ältere in seiner Schilderung römischen Lebens.

In der Renaissance erlebte Terrazzoboden in Italien eine erneute Blüte. Zahlreiche Paläste Venedigs wurden mit ihm ausgestattet. Daraus entwickelte sich die Bezeichnung „Terrazzo alla Veneziana“. In Mitteleuropa wurde Terrazzo durch den Kirchenbau oder durch die Verwendung in öffentlichen Gebäuden bekannt. In der Gründerzeit Ende des 19.

Jahrhunderts fand Terrazzo in Deutschland seine weiteste Verbreitung. Häufig wurden Ornamente, Einfassungen der Ränder oder Inschriften aus Mosaiksteinen dem Boden hinzugefügt. Die Verarbeitung von Terrazzoböden war jedoch aufwändig. Bis zur Erfindung elektrischer Schleifmaschinen im Jahr 1924 wurde der Boden noch händisch mit Schleifsteinen geschliffen. Farbintensive Flächen wurden damit kaum erreicht. Zur Farbvertiefung und mehr Glanz wurde traditionell Ziegenmilch verwandt, das als erstes Oberflächenmittel für glänzende Steinböden gilt. Italienische Einwandererfamilien brachten das traditionsreiche Terrazzo-Handwerk in den 1950er-Jahren nach Deutschland. Terrazzo galt als strapazierfähiger Bodenbelag für jedermann. Er wurde vor allem in Treppenhäusern, Küchen und Bädern verwendet. Dabei kamen auch erstmals Terrazzo-Platten zum Einsatz, die sich für Treppen oder auch für den Bau von Spülbecken oder Tischplatten eigneten. Ansonsten wurde der Terrazzo vor Ort fugenlos gegossen. Er wird daher auch als „Ortsterrazzo“ oder „Guss-Terrazzo“ bezeichnet. Ende der 70er-Jahre verschwand der Terrazzo jedoch fast vollständig als Bodenbelag in Deutschland. Der einstige Fußboden für jedermann wurde zum exklusiven Luxusgut. Natursteinbeläge und Keramik oder auch Teppichauslegeware und PVC waren – trotz vorproduzierter Terrazzo-Platten – billiger und weniger aufwendig zu verlegen.

Unternehmen aus der Region

Mancherorts wurde Terrazzoboden auch überdeckt, da das Reparatur-Know-how verloren gegangen war. In den letzten Jahrzehnten wurde Terrazzo als vielfältig gestaltbarer Bodenbelag für luxuriöse Wohnbereiche und stark strapazierte Bereiche wie Treppenhäuser oder Dielen wiederentdeckt. Ältere Terrazzoböden werden nach Möglichkeit renoviert. Terrazzoböden werden heute auch auf Wärme-und Trittschalldämmung sowie Fußbodenheizungen verlegt. Vorgefertigte Terrazzo-Platten können dabei wie Bodenfliesen verwendet werden. Zur stilgetreuen Wiederbelebung klassischer Terrazzoränder bietet etwa die Firma Via Material Mosaikbänder aus weißen und schwarzen Marmorsteinchen an. Das Familienunternehmen aus Bacharach am Rhein hat sich auf die Produktion und den Vertrieb von Terrazzo, Terrazzoplatten sowie dekorativem Zementmosaik spezialisiert. Firmen, wie die familiengeführte Meyer-Naturstein aus Langenfeld, verweisen vor allem auf die Langlebigkeit von Terrazzoböden. Sie verwendeten ausschließlich kunstharzgebundenen Terrazzo, der sich in Ästhetik und Funktionalität von zementgebundenen Varianten abhebe, betont Geschäftsführer Friedhelm Meyer. Mit einem Bindemittel aus Epoxid oder Polyurethanharz erhielten die Oberflächen einen glänzenden und homogenen Look. Das Material sei zudem widerstandsfähig gegen Chemikalien und Wasser und mache es zur idealen Wahl für Feuchträume.
WOLFRAM SEIPP

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 04.02.2026

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