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Unterschätzte Symbiose aus Haus und Garten: Ästhetik und Funktion vereint

DIE AMERIKANISCHE VILLA FALLINGWATER VON FRANK LLOYD WRIGHT GEHÖRT ZU DEN BERÜHMTESTEN BEISPIELEN EINER HARMONISCHEN VERBINDUNG AUS NATUR UND BAUWERK. FOTO: WIKIMEDIA/LACHRIMAE72

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Unterschätzte Symbiose aus Haus und Garten: Ästhetik und Funktion vereint

Vom ikonischen Frank Lloyd Wrights Fallingwater bis zu zeitgenössischen Designlösungen: Symbiose von Haus und Garten als Gewinn für Funktionalität und Ästhetik

Der übliche Weg zum Neubau eines Einfamilienhauses ist längst etablierte Routine. Hat man das Glück, ein Baugrundstück zu erstehen, ist es meist bereits leergeräumt. Ansonsten reißt man schnell noch alles aus dem Boden und planiert ihn, bevor der Architekt loslegt. Steht dann das Traumhaus da, wird eine Gärtnerei beauftragt, den alten Boden auszutauschen, um anschließend eine neue Vegetation in fruchtbaren Humus zu pflanzen. Gerne mit exotischer Anmutung-man will ja Wohnen wie im Urlaub- und mit einer möglichst allseitig blickdichten Umrandung. Jeglicher Kontakt zur Nachbarschaft spielt sich-wenn überhaupt - erst auf der Straße ab. Die Bepflanzung konzentriert sich auf die Ränder, damit herabfallendes Laub dem Haus fernbleibt, der makellose Rasen all samstäglich leicht zu mähen ist und sauber bleibt.

Jedem Wabi-sabi-Philosophen graut es bei diesem Anblick. Die uralte Landschaft mit ihrer Vegetation und ihrer spezifischen Bodenbeschaffenheit wird schlicht ignoriert, ein Fremdkörper eingepflanzt und mit sterilem Grün versteckt, mit etwas Glück mehr oder weniger hübsch garniert. Mehr kann man im Grunde gar nicht falsch machen. Das Ergebnis sind gesichtslose Gartenhausansammlungen als Flickwerk ortsfremder Versatzstücke, die mit der Landschaft, in der sie auftauchen, nichts zu tun haben und gestalterisch das Auge beleidigen, ganz gleich, in welcher Qualität sie ausgeführt wurden.

Beruhigende Natur

Aber bleiben wir beim Aspekt der vielschichtigen Verbindung aus Gebautem und Vegetabilem. Spätestens seit Frank Lloyd Wright zwischen 1935 und 1939 bei Pittsburgh/USA die berühmte Villa Fallingwater in Symbiose mit der Natur erbaute, ist dies auch Thema der zeitgenössischen Architektur. In Zeiten der dringenden Fragen nach Nachhaltigkeit und Verhinderung des Klimawandels erfährt es allerdings eine neue Bedeutung, ohne auf den Garten als Lebensraum für Flora und Fauna einzugehen. Das beginnt bei der Klimatisierung eines Hauses, bei der die Beschattung und Wasserkühlung genauso zum Konzept gehören wie die Nutzung der Sonnenwärme unbeschatteter Glasfronten in den Wintermonaten. Bei extremen Wetterereignissen bewähren sich saugfähige Gartenerde sowie Dachbegrünung sowohl als Wasserspeicher als auch hinsichtlich des Regenwassermanagements. Begrünung kann auch Fassaden und Fenster vor Hageleinschlägen schützen. Neben dem technischen und dem Umwelt-Aspekt spielt für die Bauherren aber wohl vor allem die Ästhetik eine vorrangige Rolle. Da ist zunächst die Inszenierung der Architektur, bei der es im Grunde um pittoreske Effekte geht, wie sie aus der Malerei bekannt sind.

Eine harmonische Bildkomposition hat allerdings in der Dreidimensionalität den Vorteil, dass bei wechselnden Blickwinkeln kontinuierlich neue Bildvarianten entstehen. Es werden Sichtachsen und Durchblicke angelegt, die beim Begehen des Anwesens für immer neue, möglichst überraschende Ansichten sorgen. Vegetative Formen, Strukturen und vom Blattwerk her auch Texturen balancieren im besten Fall den Kontrast zum Konstruktiven aus. Vor allem vom Inneren des Hauses aus gesehen, spielt der Übergang von innen nach außen eine entscheidende Rolle dafür, ob eine Einheit erzielt werden konnte, ob eben Gebautes und Gewachsenes miteinander eine synergetische Symbiose eingehen. Konstruktive Linien und ihre Fluchten, die beim Ausblick aus dem Fenster draußen mit gebauten oder gepflanzten Elementen fortgeführt werden, sorgen für eine optische Erweiterung der Innenräume. 

Da die architektonischen Elemente bei großzügiger Verglasung in den Außenbereich hinauswachsen, löst sich die Begrenzung der Räume visuell auf. Wird der Ausblick indesmiteiner immergrünen Pflanzenwand begrenzt, entsteht trotz reichlichen Lichteinfalls Intimität. Wie generell vegetative Einfriedungen für Bereiche von Geborgenheit und kontemplativer Konzentration sorgen. Öffnet sich hingegen eine Blickachse in die umgebende Landschaft über die Grundstücksbegrenzung hinaus, können eindrucksvolle Weitsichten für ein wohltuendes Durchatmen sorgen.
REINHARD PALMER

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 18.01.2025

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