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SUPERMARKT 2.0

REWE baut Markthallen mit einer SALATFARM AUF DEM DACH

Der große Flächenverbrauch von Supermärkten ist schon lange ein Thema, vor allem in den Großstädten, wo Baugrund Mangelware ist. Einige Supermarktketten reagierten darauf, bauten Wohnhäuser darüber oder richteten Sportanlagen auf den Dächer ein. Die jüngste Idee der REWE Group besinnt sich auf das Kerngeschäft des Unternehmens: Lebensmittel. Mit dem Projekt „REWE Green Farming“ zieht daher die landwirtschaftliche Produktion direkt aufs Dach der Supermärkte, bevorzugt Anbau von Salat, der schnell welk wird, wenn er nicht erntefrisch in die gekühlten Gemüseabteilungen gelangt. Und dies fast ohne Erde und vollautomatisiert.

Mit im Boot ist das 2012 gegründete Berliner Startup ECF Farmsystems, das mit einer kühnen Idee landwirtschaftliche Lebensmittelerzeugung in den urbanen Lebensraum brachte: „Das ressourcenschonende-wassersparend und emissionsarm - Aquaponik-Verfahren ermöglicht gleichzeitig die Aufzucht von Fischen und den Anbau von Gemüsen in einem Wasserkreislauf“, so das Gründungsansinnen. Inzwischen ist die Palette breiter, doch der höchste ökologische Standard gilt weiterhin und das Unternehmen hält, was es verspricht: „ECF Farmsysteme verschmelzen Aquakultur mit hybrider, vertikaler Gewächshausproduktion. Wir erzielen höhere Erträge auf kleineren Flächen mit weniger Ressourcen, was unsere Ökobilanz verbessert.“ Die sorgfältigen Lebenszyklusanalysen (LCA) sorgen für Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Das Pilotprojekt und zugleich die Entwicklung eines Prototyps fand beim Bau eines neuen REWE-Marktes in Wiesbaden-Erbenheim (reddot winner 2022) statt. In den Jahren 2016-2021 ließ REWE auf einem Grundstück von 13.200 Quadratmetern einen Markt von 2500 Quadratmetern Fläche errichten. Eine Drogerie (850 Quadratmeter) und 169 Parkplätze kamen hinzu. Das Gewächshaus auf dem Dach stellt der aquaponischen Farm reichliche 2000 Quadratmeter zur landwirtschaftlichen Produktion zur Verfügung.

Architektonisch entwickelte das Partnerunternehmen ACME, ein 2007 in London gegründetes, international renommiertes Büro für Architektur, Stadtplanung und Innenarchitektur – seit 2015 auch in Berlin - auf Basis der Nachhaltigkeitsprinzipien ein modulares System. Es besteht im Wesentlichen aus tragenden Holzelementen, die aus vielen genormten Einzelteilen bestehen, daher etwas an die chinesischen Dougongs erinnern. Dementsprechend muten die neuen Märkte etwas exotisch an, was jedoch durchaus reizvoll erscheint und die Idee der Nachhaltigkeit und ökologischen Lebensmittelproduktion nach außen transportiert. „Diese gut sichtbare modulare Holzstruktur bildet das Hauptelement einer neuen architektonischen Identität für REWE“, heißt es bei ACME. Die Flächen dazwischen füllen Glaswände aus, die reichlich Tageslicht in die Innenräume lassen.

Ein zweites Bauwerk dieser Art wurde kürzlich eröffnet. Der REWE-Markt in Berlin-Lankwitz (Malteser Straße) ist ebenso eine Markthalle aus Holz und Glas auf einem Grundstück von 9800 Quadratmetern. Auf dem Markt von 3265 Quadratmetern Fläche thront eine 2800 Quadratmeter große hydroponische Dachfarm. In Anbauzyklen von 22 bis 32 Tagen unter 90-Prozent-Wassereinsparung sollen dort jährlich 900.000 Salatmischungen ohne Anwendung von Pflanzenschutzmitteln gezogen und geerntet werden und bis zu 700 Supermärkte im Großraum Berlin versorgen. Auch Wildkräuter-Mischungen und andere Produkte sollen künftig selbst gezogen werden. Die landwirtschaftliche Fachkompetenz stammt vom oberbayerischen Unternehmen Gemüsebau Steiner mit dem Biohof Kirchweidach (Landkreis Altötting), das sich auf nachhaltigen, natürlichen regionalen Gemüseanbau spezialisiert hat.

„Neben dem Standort in Berlin haben wir bereits weitere Projekte in der Planung. Nur sind die Vorlaufzeiten dort länger. Aber man kann zu Recht sagen: Mit dem Markt an der Malteser Straße geht die nächste Green-Building-Generation in Serie“, versprach Klaus Wiens, Head of Bauwesen Filialbau REWE, in einem Interview.
REINHARD PALMER

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 04.07.2026

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