Die Liste charakterstarker Objekte im Portfolio ist lang und zieht sich beinahe rund um die Welt. Vor Kurzem vollendete das Architektur- und Designstudio Ciguë - rund um Gründer Alphonse Sarthout-eine Kaffeerösterei für die japanische Cafékette,100% Arabica“, gelegen in der Stadt Jakarta auf Java, Indonesien. Sowohl der Holzrahmenbau als auch Einbauten bestehen aus massivem Jabon-Holz, der botanische Namen lautet Anthocephalus cadamba oder Kadamba Baum, ein immergrüner tropischer Baum mit warmem Holzton. Das Ganze wird gekrönt von emaillierten Dachziegeln. Das Interior schmücken weiß getünchte Terrakottaziegel, ein polierter Betonboden, viel Stahl und Glas bringen eine sachliche Note. Ebenfalls 2023 stellte Ciguë eine Spa-Boutique in Bordeaux fertig, entstanden im Auftrag des französischen Naturkosmetik-Labels Caudalie.

Auch hier wurden die Rohstoffe höchst sorgfältig ausgesucht: Zum Einsatz kamen Massivholzeiche, Stuckputz, ein polierter Betonestrich, Elemente aus Kalkstein und Frontenac-Stein sowie ein Kabinenboden aus Gips. Der geneigte Leser merkt spätestens jetzt: Das Studio legt allerhöchstes Augenmerk auf die Wahl der Materialien, auf ihre Anmutung, ihre Haptik, Textur und Struktur, auf ihre Natürlichkeit und last but not least auf ökologische Aspekte. 2003 gegründet, zählt dieser besondere „approach“ des Kreativteams aus Architekten und Designern beinahe als Alleinstellungsmerkmal. Im eigenen Labor bearbeitet und entwickelt Ciguë die Werkstoffe und setzt im Rahmen der Entwurfsplanung auf klare Linien und eine minimalistische Optik, die umso mehr das Material in den Vordergrund stellt. Begonnen hat es so: Schon als Studenten sammelten Alphonse Sarthout und seine Mitgründer von Ciguë achtlos weggeworfene Materialien von der Straße, „was aber alle Architekturstudenten tun“, wie er sagt. Sarthout fügt hinzu: „Heute steht unser Büro an der Schnittstelle zwischen Architektur, Design und Installation. Noch immer bedeutet Architektur das Experimentieren mit Materialien für uns und außerdem ist es eine Art, die Welt zu entdecken.“


Die Nachfrage nach Entwürfen des Designbüros Ciguë aus Montreuil bei Paris ist hoch. Längst arbeitet die Truppe international, richtete zahlreiche Läden, Hotels, Boutiquen und Privathäuser ein. Zum Beispiel Shops für die australische Luxuskosmetikmarke Aesop, die hochwertige pflanzliche Stoffe aus der Natur verarbeitet. Ebenso plante das Studiodie Boutiquen der Modedesigner Yves Saint Laurent, Isabel Marant oder Kris van Assche, ebenso die „Brasserie Champeaux“ für Starkoch Alain Ducasse im Forum Halles und Einrichtungen für das gehobene Warenhaus Samaritaine in der Rue de la Monnaie.


Die besondere Raffinesse in der Materialverwendung zeigt sich auch in diesem Projekt im Norden von Paris: Das neu eröffnete Hotel Tribe in Clichy besticht mit einem eklektischen Mix von Oberflächen. Dazu zählen Lavastein, Keramik, ein eigens angefertigter Chandelier, Steinböden, samtige Polstermöbel und Wände aus Ziegelstein, die als Hommage an die industrielle Vergangenheit von Clichy dienen. Interessante Details wie das Colour Blocking in den Zimmern kontrastieren zu rohen Betondecken und wer genau hinschaut, entdeckt die Spuren der Holzverschalungen darin - ein feinsinniges, bewusstes Gestaltungselement, das den Entstehungsprozess mit anklingen lässt. Auf der Dachterrasse wiederum sorgt eine pastellige Farbpalette im Art-déco-Miami-Stil für sommerliche Anklänge.
Ursprünglich als Zimmermanns und Tischlerwerkstatt gegründet, stellt das Designbüro Ciguë noch immer die handverlesene Auswahl der - gerne recycelten - Materialien in den Vordergrund, zu der sich ein exzellentes Handwerk, ein Hauch Poesie und der kühle Blick der Architekten gesellt. Auch in Deutschland wirkte das französische Designbüro, dessen Name Ciguë auf die Pflanze Schierling verweist, schon, zum Beispiel bei der Innenraumgestaltung des Kaufhauses KaDeWe in Berlin.
Franziska Horn
Erschienen im Tagesspiegel am 08.03.2025